Be­ein­dru­cken­des Cel­lo­kon­zert

Gast-Di­ri­gent Ge­org Fritzsch lei­te­te das 2. Phil­har­mo­ni­sche Kon­zert der Ber­gi­schen Sym­pho­ni­ker. Isang En­ders be­geis­tert die 450 Zu­hö­rer.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Bergische Kultur -

REM­SCHEID (dd) Ein star­kes Stück ist Ro­bert Schu­manns Cel­lo­kon­zert – und wä­re doch fast in der Ver­sen­kung ver­schwun­den. Der Wid­mungs­trä­ger, Cel­list Emil Bo­cke­mühl, woll­te es nicht auf­füh­ren. Er fand es „zu we­nig klang­voll und me­lo­di­ös“. Schu­mann wei­ger­te sich, et­was zu än­dern. So kam es, dass das Kon­zert erst 1860, vier Jah­re nach dem Tod des Kom­po­nis­ten, auf­ge­führt wur­de.

Heu­te gibt es zum Glück Cel­lis­ten wie Isang En­ders. Beim 2. Phil­har­mo­ni­schen Kon­zert der Ber­gi­schen Sym­pho­ni­ker spiel­te der 31-Jäh­ri­ge Schu­manns Werk ein­fühl­sam und tech­nisch bril­lant. Gern folg­ten ihm 450 Gäs­te auf den manch­mal aben­teu­er­li­chen Pfa­den der Mu­sik. Mit Ge­org Fritzsch hät­te sich En­ders kei­nen bes­se­ren Di­ri­gen­ten wün­schen kön­nen. Der künf­ti­ge Ge­ne­ral­mu­sik­di­rek­tor der Ba­di­schen Staats­ka­pel­le Karls­ru­he hat sel­ber Cel­lo stu­diert, be­vor er sich der Orches­ter­lei­tung zu­wand­te. Die Ber­gi­schen Sym­pho­ni­ker setz­te er als gleich­wer­ti­gen Part­ner des So­lis­ten in Sze­ne.

Der Cel­list setz­te mit ge­spann­ten, her­ben Tö­nen ein. Ähn­lich ent­schie­den wa­ren die In­ter­ven­tio­nen des Orches­ters. En­ders’ sin­gen­des Le­ga­to im Mit­tel­teil ori­en­tier­te sich an Schu­manns Ide­al, der beim Cel­lo­kon­zert die Nuan­cen der mensch­li­chen Stim­me zum Maß­stab nahm.

Un­ge­bremst ging es wei­ter zu flot­ten Läu­fen und küh­nen Sai­ten-Sprün­gen – für die­sen In­ter­pre­ten kein Pro­blem. Das Tut­ti for­mu­lier­te die Me­lo­die aus. Mit über­schwäng­li­chem Ap­plaus wur­den En­ders und die Sym­pho­ni­ker be­lohnt. Er­in­nert das Schu­mann-Kon­zert an ei­nen strö­men­den Fluss, hört man bei sei­nem Kol­le­gen Men­dels­sohn Bar­thol­dy den Oze­an rau­schen – in der Ou­ver­tü­re „Mee­res­stil­le und glück­li­che Fahrt“, die auf zwei Goe­the-Ge­dich­ten ba­siert. Die stil­le, glat­te Was­ser­flä­che evo­zier­te Fritzsch mit lang ge­hal­te­nen Strei­cher­ak­kor­den. Auf­stei­gen­de Holz­blä­ser-Li­ni­en und ein schnel­le­res Tem­po wirk­ten wie ein Wind, der das Schiff an­treibt. Ei­ne glän­zen­de Trom­pe­ten­fan­fa­re fei­er­te die Heim­kehr.

Zem­lins­kys „Die See­jung­frau“wur­de von Hans Chris­ti­an An­der­sen in­spi­riert. Po­sau­nen, Cel­li, Glo­cken – dif­fe­ren­zier­te Klang­far­ben stell­ten die Un­ter­was­ser­welt der klei­nen Meer­jung­frau dar. Ih­rem Cha­rak­ter ver­lieh Gast-Mu­si­ker Ni­ko­lai Mint­chev (Sin­fo­nie­or­ches­ter Wup­per­tal) auf sei­ner Gei­ge Aus­druck. Im Saal saß auch ein Mu­sik­kurs vom Rönt­gen-Gym­na­si­um. Den hat­te Cel­list En­ders be­sucht und den Zehnt­kläss­lern ei­ne Schu­mann-Kost­pro­be vor­ge­stellt.

FO­TO: VIN­CI NG

Cel­list Isang En­ders be­geis­ter­te das Pu­bli­kum.

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