„Das Haus Eif­gen ist ein ech­tes Kul­tur­zen­trum“

Micha­el Dier­ks von der Kul­tur­in­itia­ti­ve Wer­mels­kir­chen spricht im BMIn­ter­view über das ers­te Halb­jahr im Haus Eif­gen, den Pla­nungs­auf­wand und die Gren­zen in der Aus­rich­tung des Pro­gramms.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Wermelskir­chen - DAS IN­TER­VIEW FÜHR­TE WOLF­GANG WEITZDÖRFE­R

Im Haus Eif­gen gibt es kei­ne Som­mer­pau­se – war­um ei­gent­lich nicht?

DIER­KS Es hat sich schlicht nicht er­ge­ben. Frü­her ha­ben wir ja nur die Blues-Ses­si­ons or­ga­ni­siert, die lie­fen auch im­mer oh­ne Som­mer­pau­se durch. Und im Haus Eif­gen gibt es jetzt ge­nug An­fra­gen – auch für Ver­mie­tun­gen – im gan­zen Jahr, so dass sich die Fra­ge nach ei­ner Pau­se gar nicht stellt.

Wie ist denn das Fa­zit der ers­ten Jah­res­hälf­te?

DIER­KS Es gab ei­ni­ge Ver­an­stal­tun­gen mit ei­nem sehr ho­hen kul­tu­rel­len An­spruch – was lei­der meist mit eher ge­rin­ger Zu­schau­er­zahl ein­her­geht. So et­wa die bei­den Mä­dels von „Ka­ti­ju“aus Dres­den, die mit ih­rer groß­ar­ti­gen Dar­bie­tung lei­der vor nur 13 Zu­schau­ern auf­tre­ten muss­ten. Die wer­den wir aber auf je­den Fall wie­der bu­chen, denn die Be­su­cher, die da wa­ren, sind schlicht be­geis­tert nach Hau­se ge­gan­gen. „Birth Con­trol“war hin­ge­gen sehr gut be­sucht – das weiß man auch im Vor­feld. Und die fünf Ita­lie­ne­rin­nen von „Stran­ge Kind Of Wo­men“wa­ren mit ih­rer De­ep-Pur­p­le-Show na­tür­lich auch ein groß­ar­ti­ges Kon­zert vor aus­ver­kauf­tem Haus. Ei­ne au­ßer­ge­wöhn­li­che Ge­schich­te, mit der wir im Vor­feld gar nicht so ge­rech­net ha­ben, war der Texa­ner Seth Wal­ker. Das war ein über­ra­schend gu­tes Kon­zert. Manch­mal wis­sen wir im Vor­feld eben nicht, was vom Pu­bli­kum her pas­sie­ren wird, ob­wohl wir durch­aus ein Stamm­pu­bli­kum ha­ben, das zu vie­len Kon­zer­ten kommt.

Was kam denn beim Pu­bli­kum be­son­ders gut an?

DIER­KS Das wa­ren die ge­nann­ten Acts. Was hin­ge­gen über­haupt nicht ge­klappt hat, wa­ren die Ar­gen­ti­ni­er von Li­lo Mo­li­na. Das hat so über­haupt nicht dem ent­spro­chen, was wir er­war­tet ha­ben. Das gibt es dann na­tür­lich auch.

Aber es ist schon die Mi­schung aus Ses­si­on, Kon­zer­ten und ru­hi­ge­ren An­ge­bo­ten, die es aus­macht? DIER­KS Ja, das stimmt. Der Mix macht’s wirk­lich! Und wir ha­ben im­mer mehr Zu­spruch von Leu­ten aus dem Ruhr­ge­biet, der Ei­fel und dem Sau­er­land. Die kom­men teils spe­zi­ell we­gen ein­zel­ner Kon­zer­te nach Wer­mels­kir­chen.

Wie lan­ge pla­nen Sie im Vor­aus? DIER­KS Wir sind jetzt, et­wa zur Jah­res­hälf­te, ei­gent­lich schon ein we­nig zu spät dran, denn wir müss­ten schon mit et­wa 50 Pro­zent für 2020 durch sein. Es gibt aber auch schon die ers­ten An­fra­gen für 2021. Wir hal­ten uns da­mit aber im Mo­ment noch et­was zu­rück, weil wir das gan­ze Pro­gramm­ras­ter et­was über­sicht­li­cher struk­tu­rie­ren und straf­fen möch­ten. Das ist ei­ne Auf­ga­be, die jetzt an­steht. Da­mit weiß die Ziel­grup­pe: Das ist mein Tag, das ist mein Gen­re. Auch der Mix zwi­schen ein­tritts­frei­en Kon­zer­ten und Ein­tritts­kon­zer­ten muss et­was aus­ge­wo­ge­ner wer­den. Denn es geht auf Dau­er nicht, dass pro Wo­che zwei oder gar drei Kon­zer­te mit Ein­tritt statt­fin­den.

Wie auf­wän­dig ist die Pla­nungdes Pro­gramms?

DIER­KS Das ist sehr auf­wän­dig. Für mich ist das ein Voll­zeit­job mitt­ler­wei­le. Seit 2014 bin ich aus dem Be­ruf aus­ge­stie­gen und küm­me­re mich um die Bu­chun­gen. Im Vor­jahr wa­ren es 120 Ver­an­stal­tun­gen, da­von 105 mit kon­zer­tan­tem Cha­rak­ter. Das ha­be ich in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren zu 90 Pro­zent al­lei­ne ge­stemmt – ab­ge­se­hen vom The­ken­team und der Haus­ver­wal­tung. Das ist ein ei­ge­nes, tol­les Team, das sich genau dar­um küm­mert. Si­cher, es gibt im­mer mal Hil­fe beim Boo­king und so, aber ab­ge­se­hen vom Jazz, um den küm­mert sich Micha­el Re­gen­brecht, liegt das al­les in mei­ner Ver­ant­wor­tung. Wir ha­ben jetzt aber den­noch ein Boo­king-Team ge­grün­det, mit acht Leu­ten, um das ein we­nig auf meh­re­re Schul­tern zu ver­tei­len.

Wie kom­men Sie ei­gent­lich an die Bands für die Ses­si­ons?

DIER­KS Ganz ein­fach, die mel­den sich bei uns. Micha­el Re­gen­brecht hat gu­te Kon­tak­te im Jazz, an­sons­ten mel­den die Bands sich aber tat­säch­lich bei uns.

Ha­ben Sie ei­nen per­sön­li­chen Wunsch, wer im Haus Eif­gen auf­tre­ten soll?

DIER­KS Ich will mich da gar nicht so ge­zielt auf be­stimm­te Bands fest­le­gen. Ich sag mal so: Wenn man die Bands und Künst­ler nicht an­spricht, weiß man nie, wie und ob sie re­agie­ren. Ich den­ke da­bei et­wa an die Wohn­zim­mer­kon­zer­te von „Die To­ten

Ho­sen“. Oder ich ha­be kürz­lich ein YouTube-Vi­deo von Sting ge­se­hen, der hat auf ei­ner Gar­ten­par­ty ge­spielt.

WIR hat­ten ja schon mal ein Kon­zert mit Hen­rik Freisch­la­der, der war sehr teu­er, aber auch sehr gut. Wir ge­hen sol­che Ka­te­go­ri­en aber schon an. Im No­vem­ber wird et­wa ei­ne Joe-Co­cker-Tri­bu­te-Band hier sein – die Mu­si­ker ha­ben Joe Co­cker bei ei­nem RTL-Auf­tritt kom­plett be­glei­tet.

Wie kommt denn das Wohn­zim­mer-Flair bei den Künst­lern an? DIER­KS Die Büh­ne ist in der Tat un­ge­wöhn­lich und kommt gut an. Da­zu kommt al­ler­dings: Aus ir­gend­ei­nem Grund ist auf der Büh­ne ein wahn­sin­nig gu­ter Sound und das freut die Bands und Künst­ler na­tür­lich sehr. Das merkt man im Pu­bli­kum gar nicht mal so sehr. Wir be­kom­men auch vie­le Kom­men­ta­re von Mu­si­kern, die sich sehr lo­bend über un­ser Haus äu­ßern.

Was ist für Sie das be­son­de­re Flair im Haus Eif­gen?

DIER­KS Ich se­he es als ein Haus mit vie­len Über­ra­schun­gen und Mög­lich­kei­ten, von de­nen wir viel­leicht noch gar nichts wis­sen. Das geht vom Kin­der- und Ju­gend­be­reich über Work­shops, Fes­te und Fei­ern, Work­shops bis hin zu den Kon­zer­ten. Das Haus Eif­gen ist ein ech­tes Kul­tur­zen­trum.

Wie ist denn der Stand in Sa­chen Ge­nos­sen­schaft? DIER­KS Da­mit sind wir prak­tisch durch, der Kauf­ver­trag liegt seit An­fang Sep­tem­ber vor, die fi­nan­zi­el­len Vor­aus­set­zun­gen in­tern wie ex­tern sind er­reicht, das heißt: die Fi­nan­zie­rung steht, und wir ha­ben auch die amts­ge­richt­li­che Ein­tra­gung als Ge­nos­sen­schaft be­an­tragt. Wenn das er­le­digt ist, dann kön­nen wir am 1. Ok­to­ber das „Uns-ge­hört­die-Hüt­te-Fest“fei­ern.

Wird es denn bei der grund­sätz­li­chen Aus­rich­tung des Pro­gramms blei­ben?

DIER­KS Ja, auf je­den Fall. Die Mi­schung aus Jazz, Blues, Rock und Klein­kunst wird blei­ben. Wir hat­ten kürz­lich mal ei­ne An­fra­ge für ei­ne Ü-30-Par­ty und ha­ben die­se An­fra­ge im Vor­stand ein­stim­mig ab­ge­lehnt. Auch wenn das nach au­ßen hin ver­mie­tet wird und wir da­mit nichts zu tun ha­ben: Das wol­len wir nicht. Kei­ne Ü30-Par­ty, kei­ne Ok­to­ber­fes­te. Wir öff­nen uns schon in Rich­tung Kin­der- und Ju­gend­ar­beit, aber es gibt na­tür­lich Gren­zen.

FO­TO. STE­PHAN SIN­GER

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