Uwe Schnei­de­wind will OB wer­den

Der Prä­si­dent des Wup­per­tal In­sti­tu­tes be­stä­tigt die Nach­richt. CDU, FDP und Grü­ne schwei­gen da­zu noch. Ei­ne Ge­set­zes­än­de­rung macht den Wahl­aus­gang am 13. Sep­tem­ber 2020 un­be­re­chen­ba­rer.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Wuppertal Kompakt - VON LOTHAR LEUSCHEN

Uwe Schnei­de­wind hat jetzt In­for­ma­tio­nen be­stä­tigt, nach de­nen er für das Amt des Ober­bür­ger­meis­ters der Stadt Wup­per­tal kan­di­die­ren will. „Grund­sätz­lich kann ich mir das vor­stel­len“, sagt Schnei­de­wind, der seit et­wa zehn Jah­ren das Wup­per­tal-In­sti­tut für Kli­ma, Um­welt und Ener­gie lei­tet. Er soll von den Grü­nen auf­ge­stellt und mög­li­cher­wei­se von CDU und FDP un­ter­stützt wer­den. Ob das so kom­men wird, ist noch of­fen.

Für Schnei­de­wind wä­re der Schritt in die Po­li­tik ein durch­aus lo­gi­scher. Das welt­weit re­nom­mier­te Wup­per­tal In­sti­tut be­fasst sich seit Jahr und Tag auch mit dem Wan­del von Stadt­ge­sell­schaf­ten. In Wup­per­tal un­ter­su­chen die For­scher des 1991 von Ernst Ul­rich von Weizsäcker ge­grün­de­ten In­sti­tu­tes in so­ge­nann­ten Re­alla­bors bei­spiels­wei­se im Stadt­teil Ober­bar­men, wie sich Struk­tu­ren und Zu­sam­men­le­ben der Men­schen ver­än­dern.

„In mei­ner Ar­beit hat schon im­mer ei­ne Rol­le ge­spielt, wel­che Be­deu­tung Städ­te im Wan­del ha­ben“, sagt Uwe Schnei­de­wind. Das In­sti­tut ha­be den An­spruch, die Ve­rän­de­rung der Städ­te zu be­glei­ten und auch an­zu­sto­ßen. „Da­bei stellt sich die Fra­ge, wie weit Wis­sen­schaft geht und wo Po­li­tik be­ginnt. Für den welt­weit ver­netz­ten Prä­si­den­ten des In­sti­tu­tes ist es des­halb auch kein Wi­der­spruch, ein po­li­ti­sches Wahl­amt an­zu­stre­ben. Oben­drein hat er ei­nen pro­mi­nen­ten Vor­gän­ger. In­sti­tuts-Grün­der von Weizsäcker ist 1998 für die SPD in den Bun­des­tag ein­ge­zo­gen.

Die bis­wei­len har­ten Ban­da­gen des po­li­ti­schen All­tags fürch­tet Uwe Schnei­de­wind nicht. Aus­ein­an­der­set­zun­gen ge­be es auch in sei­ner heu­ti­gen Be­rufs­welt, sagt der 53 Jah­re al­te Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler. Gleich­wohl zieht er die fei­ne Klin­ge dem schwe­ren Sä­bel vor und ist über­zeugt da­von, dass Über­zeu­gun­gen und um­setz­ba­re Plä­ne auch in der Kom­mu­nal­po­li­tik funk­tio­nie­ren­de Werk­zeu­ge sind.

In sei­ner mög­li­chen Kan­di­da­tur um das Amt des Ober­bür­ger­meis­ters und auch für den Fall sei­ner Wahl sieht Schnei­de­wind kei­ne Nach­tei­le für das Wup­per­tal In­sti­tut. „Wir ha­ben ei­ne Drei­er-Ge­schäfts­füh­rung mit Bri­git­te Mu­tert-Breid­bach und Man­fred Fi­sche­dick. Das si­chert ein ho­hes Maß an Kon­ti­nui­tät.“

Ob Uwe Schnei­de­wind das Bü­ro des Ober­bür­ger­meis­ters im Bar­mer Rat­haus er­obern kann, hängt nicht zu­letzt von po­li­ti­schen Kon­stel­la­tio­nen ab. Zwar ist er Mit­glied der Grü­nen, für die Wahl im Herbst nächs­ten Jah­res soll er aber mög­lichst auch von der CDU und der FDP auf den Schild ge­ho­ben wer­den.

Dass die Christ­de­mo­kra­ten mit den Grü­nen ei­nen ge­mein­sa­men Kan­di­da­ten auf­stel­len, ist noch zu Zei­ten von Rai­ner Spiecker als Vor­sit­zen­dem der Kreis­par­tei ver­ein­bart wor­den. Spieckers Nach­fol­ger und De­zer­nent im Wup­per­ta­ler Rat­haus, Mat­thi­as No­cke, äu­ßert sich ge­gen­über die­ser Zei­tung den­noch zu­rück­hal­tend. Er woll­te zum jet­zi­gen Zeit­punkt Na­men ei­gent­lich nicht kom­men­tie­ren. „Aber ich schät­ze Pro­fes­sor Schnei­de­wind. Ich ha­be ihn bei ver­schie­de­nen Ge­le­gen­hei­ten als grad­li­ni­ge, in­te­gre Per­sön­lich­keit, als Vor- und Qu­er­den­ker ken­nen­ge­lernt.“

Auch die FDP re­agiert auf die Wil­lens­be­kun­dung von Uwe Schnei­de­wind noch eher wort­karg. „Wir dis­ku­tie­ren im Mo­ment in ver­schie­de­ne Rich­tun­gen“, sagt der Vor­sit­zen­de der li­be­ra­len Frak­ti­on im Stadt­rat, Alex­an­der Schmidt.

Auch die Wup­per­ta­ler Grü­nen schwei­gen. „Wir be­fin­den uns in der End­pha­se auf der Su­che nach ei­ner Kan­di­da­tin oder ei­nem Kan­di­da­ten. Aus ei­nem sol­chen, lau­fen­den Pro­zess kön­nen und wol­len wir nicht be­rich­ten“, sagt die Vor­sit­zen­de Clau­dia Schmidt le­dig­lich.

Der neue Ober­bür­ger­meis­ter wird am 13. Sep­tem­ber nächs­ten Jah­res ge­wählt. Amts­in­ha­ber Andre­as Mu­cke von der SPD hat be­reits be­kun­det, wie­der an­tre­ten zu wol­len. Er ist seit 2015 im Amt, hat da­mals Pe­ter Jung (CDU) ab­ge­löst.

Das Wah­l­er­geb­nis wird durch ei­ne Ge­set­zes­än­de­rung im Land Nord­rhein-West­fa­len für Amts­trä­ger und Her­aus­for­de­rer eher un­be­re­chen­ba­rer. Die schwarz-gel­be Lan­des­re­gie­rung hat die Stich­wahl ab­ge­schafft, in der sich bis­her die bei­den zu­nächst er­folg­reichs­ten Kan­di­da­ten be­geg­ne­ten. Nun soll der­je­ni­ge ge­wählt sein, der im ers­ten Wahl­gang die meis­ten Stim­men er­reicht. Ge­gen die­se Ge­set­zes­än­de­rung lau­fen al­ler­dings noch Kla­gen, über das Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt in Müns­ter ent­schei­den wird.

ARCHIVFOTO: ALEX MUCHNIK

Hat Uwe Schnei­de­wind bald das Sa­gen im Rat­haus?

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.