Hra­de­cky ver­rich­tet Schwerst­ar­beit im Tor

Ist es ein gu­tes Zei­chen, wenn der Tor­wart in ei­nem Spiel die meis­ten Ball­kon­tak­te hat? Im Fall von Lu­kas Hra­de­cky lau­tet die Ant­wort: Ja. Der Fin­ne ist seit Wo­chen ein gro­ßer Rück­halt für die Werks­elf – auch beim 2:1-Sieg in Mün­chen.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Leverkusen­er Sport - VON DORIAN AUDERSCH

MÜN­CHEN In der 60. Mi­nu­te wa­ckelt die 2:1-Füh­rung der Werks­elf beim FC Bay­ern ge­wal­tig. Erst schießt Mün­chens Tor­ga­rant Ro­bert Le­wan­dow­ski aus rund 13 Me­tern auf das Le­ver­ku­se­ner Tor, doch Lu­kas Hra­de­cky be­kommt die Hand hoch und wehrt den Ball ab. Tho­mas Mül­ler un­ter­nimmt aus spit­zem Win­kel den nächs­ten Ver­such zum Aus­gleich – und wie­der ist der Fin­ne zur Stel­le und pa­riert vor der Tor­li­nie. Es ist nicht die ers­te und nicht die letz­te Si­tua­ti­on, in der Hra­de­cky ret­tend ein­greift. Am En­de der ner­ven­auf­rei­ben­den Par­tie ist er gar der Le­ver­ku­se­ner Spie­ler mit den meis­ten Ball­kon­tak­ten.

„Ich muss schein­bar mehr auf dem Lauf­band ar­bei­ten. So vie­le Ak­tio­nen ha­be ich noch nie in ei­nem Spiel ge­habt“, sag­te der Schluss­mann nach der Par­tie und füg­te mit Blick auf die Nach­spiel­zeit hin­zu: „Das wa­ren die längs­ten sechs Mi­nu­ten in mei­nem Le­ben.“Der Schlüs­sel zum Er­folg sei­en Glück, Herz und Ef­fek­ti­vi­tät ge­we­sen. „Ich bin stolz auf die Jungs. Al­le ha­ben al­les ge­ge­ben.“Die sieg­rei­che Werks­elf um­schrieb er als „14 Krie­ger“, sei­ne men­ta­le Ver­fas­sung nach der Ab­wehr­schlacht der Schluss­mi­nu­ten mit „ich war kom­plett tot“.

Der 30-Jäh­ri­ge ist der­zeit in blen­den­der Ver­fas­sung. Schon ge­gen At­lé­ti­co Ma­drid (2:1) und Lo­ko­mo­ti­ve Mos­kau (2:0) in der Cham­pi­ons Le­ague war er ein Er­folgs­ga­rant, in der Li­ga hielt er ge­gen Wolfs­burg (2:0) die Null – und auch, dass beim 1:1 ge­gen den SC Frei­burg nichts Schlim­me­res pas­sier­te, war im We­sent­li­chen sein Ver­dienst. Ge­gen den in der zwei­ten Halb­zeit frei auf sein Tor zu­lau­fen­den Lu­cas Hö­ler be­hielt er die Ner­ven und pa­rier­te stark. Es folg­te ei­ne her­aus­ra­gen­de Leis­tung ge­gen den FC Bay­ern. So ist Bay­er auch dank ihm seit in­zwi­schen fünf Pflicht­spie­len un­ge­schla­gen. Ku­ri­os: Mit­te der ers­ten Halb­zeit ver­lor Hra­de­cky ei­ne sei­ner Kon­takt­lin­sen, als er ei­nen Schuss von Ser­ge Gn­ab­ry ab­wehr­te. Die rund 20 Mi­nu­ten bis zum Pau­sen­pfiff spiel­te er al­so „mit ei­nem Au­ge“, wie er es in den Ka­ta­kom­ben der Are­na um­schrieb und er­gänz­te: „Ver­su­chen Sie das mal ge­gen den FC Bay­ern.“

Das Er­folgs­er­leb­nis in Mün­chen könn­te wo­mög­lich ein Schlüs­sel­er­leb­nis

für die Werks­elf sein, ein „Big Po­int“, den die Mann­schaft lange ge­sucht und nun end­lich ge­fun­den hat. Das sieht auch der Schluss­mann so. „Mal gu­cken, was das mit der Mann­schaft macht. Ge­gen die­sen Geg­ner durch­zu­hal­ten, ist ein sehr gu­tes Zei­chen, aber der Pro­zess geht im­mer wei­ter“, sag­te Hra­de­cky.

Die Fort­set­zung ist am kom­men­den Sams­tag ge­gen den Ta­bel­len­drit­ten Schalke 04 (25 Punk­te). Mit ei­nem Sieg wä­re Bay­er (22) wie­der mit­ten­drin im Kampf um die Cham­pi­ons-Le­ague-Plät­ze.

Nicht da­bei hel­fen kann al­ler­dings Jo­na­than Tah, den nach sei­ner Ro­ten Kar­te nach ver­meint­li­cher Not­brem­se ge­gen Cou­tin­ho ei­ne Sper­re er­war­tet. „Es ist trotz­dem ein schö­ner Sieg, aber die Si­tua­ti­on ist bit­ter“, er­klär­te der In­nen­ver­tei­di­ger, der mit dem Platz­ver­weis nicht ein­ver­stan­den war: „Es war kein schlim­mes Foul, aber der Schieds­rich­ter hat es wohl so ge­se­hen, dass ich der letz­te Mann war. Ich hof­fe, dass es nicht so hart be­wer­tet wird.“

FOTO: DPA

Lu­kas Hra­de­cky bei ei­ner sei­ner Pa­ra­den ge­gen Mün­chens Torjäger Ro­bert Le­wan­dow­ski.

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