Lü­gen für die gro­ße Lie­be

Um sei­ne Ju­gend­freun­din zu­rück­zu­er­obern, gibt sich ein jun­ger Mann als je­mand an­de­res aus.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Medien -

DÜS­SEL­DORF (ry) Der Re­gis­seur und Dreh­buch­au­tor An­dré Er­kau er­lern­te sein Hand­werk an der KKunst­hoch­schu­le für Me­di­en in Köln, wo er 2005 mit sei­ner Ab­schluss­ar­beit auf­hor­chen ließ. Der ex­pe­ri­men­tier­freu­di­ge Kurz­film„37 oh­ne Zwie­beln“wur­de rei­hen­wei­se mit Aus­zeich­nun­gen be­dacht und be­scher­te Er­kau sei­nen ers­ten „Ma­xOp­hüls-Preis“. Dank sei­nes Kin­o­de­büts „Selbst­ge­sprä­che“hielt er die re­nom­mier­te Aus­zeich­nung schon zwei Jah­re spä­ter er­neut in den Hän­den. In der Fol­ge konn­te sich der in Dort­mund ge­bo­re­ne Er­kau in der Bran­che eta­blie­ren. Mit „Wah­re Lie­be“und„Schwa­nen­see“in­sze­nier­te er schon zwei „Tat­or­te“und er­fuhr durch die Ki­no­pro­duk­ti­on „Hap­py Bur­nout“ei­ni­ge Auf­merk­sam­keit. Für die „Frei­tag im Ers­ten“-Ro­man­ze„Auf ein­mal war es Lie­be“ver­film­te er sein ei­ge­nes Dreh­buch.

In die­sem zeigt Er­kau die wah­re Lie­be, die ei­nen den­noch fin­den kann, auch wenn man sie wo­an­ders sucht. Die Hür­den, die bei die­ser Su­che zu über­win­den sind, er­klärt der Fil­me­ma­cher durch die sub­jek­ti­ve Wahr­neh­mung der Men­schen: „Das Bild, das wir uns von ei­nem an­de­ren Men­schen ma­chen, hat oft mehr mit uns zu tun, als mit un­se­rem Ge­gen­über. Und so er­scheint der Be­ginn ei­ner Lie­bes­ge­schich­te stets, wie das Ein­tau­chen in ei­nen Ne­bel, in des­sen Dunst wir den an­de­ren nur sche­men­haft er­ah­nen. Ei­ne Pro­jek­ti­on! Ei­ne Pro­jek­ti­on, die erst all­mäh­lich Gestalt an­nimmt und die die groß­ar­ti­ge Chan­ce bie­tet, nicht nur ei­nen an­de­ren Men­schen zu er­ken­nen, son­dern auch sich selbst.“Die­se Chan­ce er­hält der von Kost­ja Ull­mann ge­spiel­te Ja­kob: Die­ser hängt hoff­nungs­los sei­ner Ju­gend­lie­be Ma­rie (Ju­lia Hart­mann) nach, die ihn vor sie­ben Jah­ren ver­las­sen hat. Als sie un­ver­hofft vor sei­ner Tür steht, ist bei ihm al­les ge­nau­so wie frü­her. Auch bei Ma­rie krib­belt es wie­der, denn sie sieht ih­ren Ex nun mit neu­en Au­gen. Das liegt je­doch nicht an Ja­kob, der im­mer noch sei­nen al­ten Job als Spiel­wa­ren­ver­käu­fer hat und in sei­ner klei­nen Bu­de haust, son­dern an ei­nem Miss­ver­ständ­nis. Ma­rie hält ihn näm­lich für ei­nen er­folg­rei­chen Fo­to­gra­fen, der ein stil­voll ein­ge­rich­te­tes Loft be­wohnt. Dass die Traum­woh­nung mit­samt Fo­tos sei­nem ver­reis­ten Nach­barn ge­hört, für den Ja­kob nur die Blu­men gießt, be­hält er im Glücks­rausch erst ein­mal für sich. Die er­sehn­te Chan­ce, Ma­rie zu­rück­zu­er­obern, möch­te er – ge­gen den Rat sei­nes bes­ten Freun­des Tors­ten (Jo­han­nes All­may­er) – nicht aufs Spiel set­zen. Doch schon bald wach­sen Ja­kob die Fol­gen sei­ner Not­lü­gen und Halb­wahr­hei­ten über den Kopf. So muss er sei­ne al­lein­er­zie­hen­de Ar­beits­kol­le­gin Lot­te (Kim Ried­le), die er mit ih­rem elf­jäh­ri­gen Sohn Ben (Os­kar Net­zel) für ein paar Ta­ge in der Lu­xus­woh­nung auf­nimmt, als sei­ne Exfrau aus­ge­ben. Um sich bei Ja­kob zu re­van­chie­ren, hilft ihm die selbst­be­wuss­te Lot­te mit weib­li­chem Fach­ver­stand. Zwar bleibt er so bei Ma­rie auf der Er­folgs­spur, ent­fernt sich aber von dem lie­bens­wer­ten Träu­mer, der er ei­gent­lich ist. Vor al­lem sieht Ja­kob nicht, wer ihm wirk­lich gut­tut.

Bei die­sem Lie­bes­wer­ben geht es nicht im­mer ganz re­al zu, was von An­dré Er­kau be­wusst so in­sze­niert wur­de. Der Re­gis­seur be­greift den Film als ein mo­der­nesWeih­nachts­mär­chen und führt aus: „Je­mand sag­te mir ein­mal, dass Mär­chen be­son­ders prä­zi­se von der Rea­li­tät spre­chen, eben weil sie nicht rea­lis­tisch sind. Das heißt, der­je­ni­ge, der das Mär­chen er­zählt be­kommt, muss es ver­wan­deln. Und gera­de der Vor­gang der Ver­wand­lung ist das, was mich in­ter­es­siert.“Auch wenn er zu­sätz­lich das Skript ver­fasst hat, be­trach­tet Er­kau den Film nicht als sein al­lei­ni­ges Werk: „Ich se­he mich ja als ei­ne Art Ping­Pong-Spie­ler, der im Aus­tausch mit al­len Ab­tei­lun­gen, ins­be­son­de­re den Schau­spie­le­rin­nen und Schau­spie­lern, in der Vor­be­rei­tungs­zeit sei­ne Vi­si­on ver­fei­nert bzw. wei­ter­ent­wi­ckelt. Das heißt, dass ich bei­spiels­wei­se die Er­kennt­nis­se aus den Pro­ben nut­ze, um das Dreh­buch zu ver­bes­sern.“ Auf ein­mal war es Lie­be, 20.15 Uhr, ARD

FOTO: ARD DEGETO/CHRIS­TI­NE SCHRO­EDER

Ja­kob (Kost­ja Ull­mann, l.) hängt sei­ner Ju­gend­lie­be Ma­rie (Ju­lia Hart­mann, r.) nach. Lot­te (Kim Ried­le) und ihr Sohn Ben (Os­kar Net­zel) sol­len bei der Rück­er­obe­rung hel­fen.

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