„2020 wol­len wir in den USA star­ten“

Der Er­fin­der der To­nie­box ver­rät Ex­pan­si­ons­plä­ne und wel­cher Fuß­ball-Star kurz vor Weih­nach­ten Hil­fe brauch­te.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Wirtschaft -

DÜS­SEL­DORF Ei­gent­lich woll­ten Patric Faß­ben­der und Mar­cus Stahl das Ge­spräch ge­mein­sam füh­ren. Doch so kurz vor Weih­nach­ten ist bei den Er­fin­dern der To­nie­bo­xen ein­fach zu viel los. Die Laut­spre­cher­wür­fel, auf die man klei­ne Hör­spiel-Fi­gu­ren stel­len kann, ste­hen auch in die­sem Jahr auf zahl­rei­chen Wunsch­zet­teln. Des­we­gen ist Ar­beits­tei­lung an­ge­sagt. Und wäh­rend Mar­cus Stahl mit Ge­schäfts­part­nern te­le­fo­niert, gibt Patric Faß­ben­der ei­nen klei­nen Aus­blick, wie es mit den To­nie­bo­xen aus Düs­sel­dorf wei­ter­geht.

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren sind Sie im Weih­nachts­ge­schäft vom Er­folg über­rannt wor­den. Vie­le To­nie-Fi­gu­ren und Bo­xen wa­ren früh aus­ver­kauft. Wie ha­ben Sie die Zeit in Er­in­ne­rung?

FASSBENDER Die Zeit war wirk­lich ex­trem. Als die To­nie­bo­xen im Han­del aus­ver­kauft wa­ren, ha­ben wir auch pri­vat vie­le An­fra­gen be­kom­men. Es war lus­tig, wie vie­le al­te Freun­de sich da wie­der ge­mel­det ha­ben. So­gar Lu­kas Po­dol­ski hat mal Kon­tak­te ge­nutzt, um uns an­zu­schrei­ben.

Ein Fuß­ball-Welt­meis­ter bit­tet Sie um ei­ne To­nie­box?

FASSBENDER Die Start­pha­se war ein­fach ku­ri­os. Ich kann mich auch noch gut er­in­nern, wie wir noch per­sön­lich aus­ge­schwärmt sind, wenn et­was nicht lief. 2017 ha­be ich so­gar an Hei­lig­abend nach der Ar­beit bei ei­nem Freund pro­biert, die Pro­ble­me mit der To­nie­box zu be­he­ben.

Wie wird das Weih­nachts­ge­schäft dies­mal lau­fen?

FASSBENDER Es wird in Be­zug auf die Wa­ren­ver­füg­bar­keit nicht mehr so dra­ma­tisch sein wie in den Vor­jah­ren, weil wir auch mehr ins Ri­si­ko ge­gan­gen sind und auf his­to­ri­sche Da­ten zu­rück­grei­fen kön­nen. Wir müs­sen die Be­stel­lun­gen schon Mo­na­te im Vor­aus ab­schi­cken und ho­he Mil­lio­nen­be­trä­ge vor­fi­nan­zie­ren. Des­halb ver­su­chen wir na­tür­lich, nicht kom­plett grö­ßen­wahn­sin­nig vor­zu­ge­hen. An der The­ma­tik sind schon vie­le Fir­men ge­schei­tert.

Wie vie­le Bo­xen ver­kau­fen Sie 2019? FASSBENDER Wir ge­hen da­von aus, dass es ins­ge­samt deut­lich mehr als 700.000 sind.

Wel­che To­nie-Fi­gur ist die er­folg­reichs­te?

FASSBENDER Der „Kö­nig der Lö­wen“ist su­per er­folg­reich, ge­ne­rell lau­fen die Dis­ney-Fi­gu­ren sehr gut. Auch die Mu­sik­the­men funk­tio­nie­ren gi­gan­tisch gut. Als wir 2016 an den Start ge­gan­gen sind, hat­te ich Bauch­schmer­zen bei ei­ner Start­auf­la­ge von 5000 Stück pro To­nie, in­zwi­schen gibt es Fi­gu­ren, die in sechs­stel­li­ger Auf­la­ge her­aus­kom­men. 2016 ha­ben Sie die To­nie­box auf den Markt ge­bracht. In­zwi­schen wur­den mehr als ei­ne Mil­li­on Bo­xen ver­kauft und Sie pei­len ei­nen drei­stel­li­gen Mil­lio­nen-Um­satz an. Wie hat sich Ih­re Ar­beit ver­än­dert? FASSBENDER Vor drei Jah­ren ha­ben wir noch fast al­les selbst ge­macht. In­zwi­schen ha­ben wir acht Di­rek­to­ren, die sich um die ein­zel­nen The­men­be­rei­che küm­mern. Da­durch be­kom­men mein Mit­grün­der Mar­cus Stahl und ich auch nicht mehr al­les so­fort mit, weil wir auch viel un­ter­wegs sind, um zum Bei­spiel mit Li­zenz­ge­bern zu ver­han­deln.

Die To­nie­bo­xen gibt es in­zwi­schen auch in Groß­bri­tan­ni­en und Ir­land. FASSBENDER Ge­nau. Mo­men­tan bau­en wir au­ßer­dem ein Bü­ro in Los An­ge­les auf. New York wä­re mir na­tür­lich lie­ber ge­we­sen, weil die Flug­zeit deut­lich kür­zer ist. Aber rund um Los An­ge­les sit­zen die gro­ßen Spiel­zeug­fir­men wie Dis­ney, Mat­tel oder Has­bro – und per­spek­ti­visch wol­len wir ja auch ei­ge­ne In­hal­te ent­wi­ckeln, da­für ist die Re­gi­on ide­al.

Wann geht es los? FASSBENDER Wir wol­len in den USA im Weih­nachts­ge­schäft 2020 star­ten. Ob das klappt, weiß ich nicht, weil der Auf­bau doch sehr kom­plex ist.

Wel­che To­nies muss man in den USA zum Start un­be­dingt an­bie­ten?

FASSBENDER Für uns geht es erst­mal dar­um zu gu­cken, was wir aus dem deut­schen Port­fo­lio ad­ap­tie­ren kön­nen, weil wir sehr lan­ge brau­chen, um neue To­nies auf den Markt zu brin­gen. Bei un­se­ren Kin­der­lie­der-To­nies sind das De­sign und die Werk­zeu­ge für die Her­stel­lung zum Bei­spiel schon fer­tig. Da geht es dann nur noch dar­um, die In­hal­te in der an­de­ren Spra­che auf­zu­neh­men. Dis­ney-Fi­gu­ren oder der Grüf­felo funk­tio­nie­ren na­tür­lich auch pro­blem­los in den USA.

Wie lan­ge dau­ert denn die Ent­wick­lung ei­ner To­nie-Fi­gur? FASSBENDER 18 Mo­na­te – das ist na­tür­lich viel zu lang! Wir ent­wi­ckeln 50 bis 70 Fi­gu­ren gleich­zei­tig, das macht es so kom­plex. Trotz­dem müs­sen wir schnel­ler wer­den.

Wann kommt die To­nie-Box für Er­wach­se­ne? Man könn­te ja auch ei­ne Box her­aus­brin­gen, auf die man zum Bei­spiel Fi­gu­ren von John Lennon oder Paul McCart­ney stel­len kann, wenn man Beat­les-Mu­sik hö­ren will? FASSBENDER Das fänd’ ich su­per! Na­tür­lich spricht man mal mit dem ei­nen oder an­de­ren La­bel über so et­was. Aber das The­ma ist ex­trem kom­plex, man müss­te ei­ne neue Mar­ke auf­bau­en, das Box-De­sign än­dern, vi­el­leicht auch die Fi­gu­ren an­pas­sen. Da­mit wür­den wir uns im Mo­ment kei­nen Ge­fal­len tun. Wir wol­len uns erst­mal auf das Kin­de­r­und Ju­gend­seg­ment kon­zen­trie­ren.

Der glo­ba­le Mu­sik­markt ist deut­lich grö­ßer als der Hör­spiel­markt. Ha­ben Sie kei­ne Angst, dass je­mand an­ders schnel­ler ist?

FASSBENDER Ge­nau des­we­gen ist das The­ma In­ter­na­tio­na­li­sie­rung für uns so wich­tig, um zu­min­dest im Kin­der­be­reich schnell die Pf­lö­cke ein­zu­schla­gen, be­vor an­de­re kom­men.

Ge­ra­ten Sie durch Ih­re Grö­ße in­zwi­schen auch ver­stärkt in den Fo­kus von Ha­ckern?

FASSBENDER Bis­lang hat­ten wir da­mit glück­li­cher­wei­se kei­ne Pro­ble­me, wir ha­ben auch re­la­tiv star­ke Si­che­rungs­vor­keh­run­gen. Aber klar, das ist ein sen­si­bles The­ma, spe­zi­ell weil wir in den Kin­der­zim­mern sind. Des­we­gen ha­ben wir uns da­mals ja auch be­wusst da­ge­gen ent­schie­den, Mi­kro­fo­ne in den Bo­xen zu ver­bau­en, um ja nicht sol­che Pro­ble­me zu be­kom­men wie Mat­tel, wo vor ein paar Jah­ren mal ei­ne Pup­pe ge­hackt wur­de.

Zu­letzt wur­de die To­nie­box auch von der Stiftung Wa­ren­test ge­prüft…

FASSBENDER … das war wirk­lich auf­re­gend für uns. Wir er­le­ben so was ja auch zum ers­ten Mal. Na­tür­lich ha­ben wir dar­auf ver­traut, dass wir ein tol­les Pro­dukt ge­baut ha­ben. Wir wa­ren da­her froh, dass die Rück­mel­dun­gen im Test su­per wa­ren. Trotz­dem bin ich na­tür­lich et­was ent­täuscht, dass die To­nie­box nur mit „be­frie­di­gend“be­wer­tet wur­de.

Die Tes­ter ha­ben die Laut­stär­ke be­män­gelt.

FASSBENDER Die Laut­stär­ke ist re­gel­kon­form, nur bei ein­zel­nen Mo­del­len von Kopf­hö­rern wa­ren die Wer­te zu hoch. Das kön­nen wir sel­ber na­tür­lich nicht im­mer be­ein­flus­sen. El­tern ha­ben au­ßer­dem die Mög­lich­keit, die Laut­stär­ke über die zur Box ge­hö­ren­de App zu re­geln. Wir ach­ten un­ab­hän­gig von sol­chen Tests ge­nau dar­auf, wel­che Rück­mel­dun­gen wir von den Kun­den be­kom­men, da­mit es erst gar nicht zu gro­ßen Pro­ble­men kommt.

Mel­den die sich auch ver­stärkt zum The­ma Nach­hal­tig­keit? Im­mer­hin ist je­de Fi­gur ein­zeln in Plas­tik ver­schweißt.

FASSBENDER Die CO2-Bi­lanz der Po­ly-Beu­tel ist iro­ni­scher­wei­se so­gar bes­ser als die der be­schich­te­ten Papp­kar­tons, in die wir die Fi­gu­ren vor­her ver­packt ha­ben. Die wa­ren nicht re­cy­cel­bar. Aber klar, Nach­hal­tig­keit ist ein gro­ßes The­ma, auch für uns. Wir be­schäf­ti­gen uns kon­ti­nu­ier­lich da­mit, wie wir un­se­re Pro­duk­te nach­hal­ti­ger ma­chen kön­nen.

Vor ei­ni­gen Wo­chen wur­de be­kannt, dass die Münch­ner In­dus­trie­hol­ding Ar­mi­ra die Mehr­heit in Ih­rem Un­ter­neh­men über­nom­men hat – an­geb­lich für ei­nen mitt­le­ren drei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag. Hat sich durch den Ein­stieg et­was ge­än­dert? FASSBENDER Ja und Nein. Wir mer­ken na­tür­lich schon, dass Ar­mi­ra ge­ra­de im Hin­blick auf die In­ter­na­tio­na­li­sie­rung vie­le Kon­tak­te mit­bringt. Wir klop­fen ge­ra­de noch ein biss­chen ab, an wel­cher Stel­le wir die Un­ter­stüt­zung von Ar­mi­ra brau­chen und wo nicht. Wir hat­ten über vie­le Jah­re ei­nen su­per Ge­sell­schaf­ter­kreis, aber wir brauch­ten jetzt ei­nen an­de­ren Part­ner, um das Tem­po, was nö­tig ist, wei­ter ge­hen zu kön­nen.

FLO­RI­AN RINKE FÜHR­TE DAS GE­SPRÄCH.

FO­TO: ORTHEN

Für das Fo­to hat Patric Faß­ben­der ge­nau hin­ge­schaut – da­mit kei­ne Fi­gur da­bei ist, die noch un­ver­öf­fent­licht ist.

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