386 Un­fall­fluch­ten pro Tag in NRW

Die Zahl der Fäl­le steigt, die Auf­klä­rungs­quo­te sinkt. Bei vie­len Au­to­fah­rern gibt es Wis­sens­lü­cken, wie man sich et­wa nach ei­nem Par­kremp­ler kor­rekt ver­hält.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Vorderseit­e - VON CHRIS­TI­AN SCHWERDTFE­GER

DÜS­SEL­DORF Die Zahl der Fah­rer­fluch­ten in Nord­rhein-West­fa­len steigt wei­ter. So zähl­te die Po­li­zei in den ers­ten sechs Mo­na­ten die­ses Jah­res 69.895 sol­cher De­lik­te, wie das NRW-In­nen­mi­nis­te­ri­um auf An­fra­ge mit­teil­te. Kör­per­lich zu Scha­den ka­men da­bei 2666 Per­so­nen, fünf Men­schen star­ben. Im glei­chen Zei­t­raum des Vor­jah­res wa­ren es rund 68.000 ge­we­sen; im ge­sam­ten ver­gan­ge­nen Jahr 138.936. Die Auf­klä­rungs­quo­te ver­schlech­ter­te sich von 44,8 auf 42,3 Pro­zent. Ab­schlie­ßen­de Zah­len für die­ses Jahr lie­gen erst An­fang 2020 vor. Ex­per­ten ge­hen al­ler­dings da­von aus, dass die­se wie die Halb­jah­res­zah­len eben­falls hö­her aus­fal­len wer­den, weil in den Herbst­mo­na­ten Ok­to­ber, No­vem­ber und De­zem­ber in der Re­gel die meis­ten Un­fall­fluch­ten be­gan­gen wer­den.

„Un­fall­flucht ent­wi­ckelt sich im­mer mehr zu ei­nem schlim­men Volks­sport“, sag­te NRW-In­nen­mi­nis­ter Her­bert Reul (CDU) un­se­rer Re­dak­ti­on. Es sei schä­big, an­de­re mit dem Scha­den zu­rück­zu­las­sen, den man selbst ver­ur­sacht ha­be. Die Po­li­zei set­ze da­her al­les dar­an, die­se Straf­ta­ten auf­zu­klä­ren. „Ich ra­te je­dem, die Po­li­zei zu ru­fen und den Scha­den zu mel­den, auch bei ei­nem klei­nen Park­platz­remp­ler“, so der In­nen­mi­nis­ter.

Ei­ner Um­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on un­ter al­len Bun­des­län­dern zu­fol­ge dürf­te NRW wei­ter­hin das Land sein, in dem die meis­ten Fah­rer­fluch­ten be­gan­gen wer­den – und das wohl mit Ab­stand. So zähl­te Bay­ern als in et­wa ver­gleich­ba­res Bun­des­land in die­sem Jahr 65.616 Ver­kehrs­un­fäl­le mit un­er­laub­tem Ent­fer­nen vom Un­fall­ort – aber das bis zum 31. Ok­to­ber. In Sach­sen re­gis­trier­te man rund 30.000 Fah­rer­fluch­ten (Stand 30. No­vem­ber). Erich Ret­ting­haus, Lan­des­vor­sit­zen­der der Deut­schen Po­li­zei­ge­werk­schaft, ap­pel­lier­te an die Ver­nunft der Ver­ur­sa­cher. „Letzt­lich wer­den die Zah­len nur sin­ken, wenn mehr Selbst­er­kennt­nis vor­han­den ist. Man soll­te in sol­chen Si­tua­tio­nen fair blei­ben und sich ver­ge­gen­wär­ti­gen, wie es an­ders­her­um wä­re, wenn man nicht der Ver­ur­sa­cher, son­dern das Op­fer ist“, so Ret­ting­haus. Der Po­li­zei blie­ben be­grenz­te Mög­lich­kei­ten zur Auf­klä­rung. „Wir gu­cken, ob es Zeu­gen gibt, even­tu­ell ei­ne Vi­deo­über­wa­chung oder Spu­ren am Lack, de­nen man nach­ge­hen kann“, sagt er.

Schon wer nach ei­nem Par­kremp­ler weg­fährt, be­geht Un­fall­flucht.

Da­bei han­delt es sich um ei­ne Straf­tat. Be­reits in we­ni­ger schwe­ren Fäl­len dro­hen Geld­stra­fe, Punk­te, Fahr­ver­bot oder so­gar Füh­rer­schein­ent­zug. Es ge­be kaum ein an­de­res Ver­kehrs­de­likt, bei dem die Un­wis­sen­heit grö­ßer sei als beim Par­kremp­ler, so ein Spre­cher des ADAC: „Vie­le glau­ben, dass der Zet­tel oder die Vi­si­ten­kar­te an der Schei­be ge­nügt.“Wie­der an­de­re Fah­rer ba­ga­tel­li­sier­ten den Scha­den nach dem Mot­to „Es war doch nur ein klei­ner Krat­zer“, so der Spre­cher. Und dann ge­be es die­je­ni­gen, die nicht be­merkt ha­ben wol­len, dass sie ein Au­to an­ge­fah­ren ha­ben.

Noch gra­vie­ren­der sind Fäl­le von Fah­rer­flucht nach Un­fäl­len, bei de­nen Men­schen ver­letzt oder ge­tö­tet wer­den. Dann dro­hen Ge­fäng­nis­stra­fen. „Es ist un­er­träg­lich, wenn je­mand ster­ben muss, nur weil der Ver­ur­sa­cher ab­haut, weil er die Stra­fe scheut“, sag­te Ste­fan Heg­ger, Spre­cher der Ge­werk­schaft der Po­li­zei in NRW. „Manch­mal ha­ben die Leu­te in sol­chen Si­tua­ti­on auch ei­nen Black­out und han­deln völ­lig ir­ra­tio­nal.“

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.