Bie­sen­bach be­strei­tet Ein­fluss­nah­me

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Politik -

DÜS­SEL­DORF (tor) Hat NRW-Jus­tiz­mi­nis­ter Pe­ter Bie­sen­bach (CDU) Ein­fluss auf staats­an­walt­schaft­li­che Er­mitt­lun­gen ge­nom­men, um ei­ne Ka­bi­netts­kol­le­gin zu schüt­zen? Bei sei­ner Ver­neh­mung als Zeu­ge im Par­la­men­ta­ri­schen Un­ter­su­chungs­aus­schuss am Mon­tag be­stritt Bie­sen­bach den Ver­dacht hart­nä­ckig, ob­wohl die Aus­schuss­mit­glie­der der Op­po­si­ti­on ihm meh­re­re Hin­wei­se ge­nau dar­auf vor­hiel­ten.

Der Aus­schuss will das Re­gie­rungs­han­deln im Um­feld der so­ge­nann­ten Ha­cker-Af­fä­re auf­klä­ren: Die in­zwi­schen zu­rück­ge­tre­te­ne Agrar­mi­nis­te­rin Chris­ti­na Schul­ze Fö­cking (CDU) hat­te im Früh­jahr 2018 die Po­li­zei alar­miert, als sie ei­nen Ha­cker­an­griff auf ihr pri­va­tes Com­pu­ter­netz­werk ver­mu­te­te. We­nig spä­ter stell­te sich her­aus, dass ein Be­di­en­feh­ler ei­nes Fa­mi­li­en­mit­glie­des da­hin­ter­steck­te. Trotz­dem er­hielt die Lan­des­re­gie­rung den Ein­druck ei­nes Ha­cker­an­griffs öf­fent­lich auch da­nach noch lan­ge auf­recht. Schul­ze Fö­cking stand da­mals we­gen ih­rer Amts­füh­rung po­li­tisch un­ter Druck.

Just als der Staats­an­walt der Mi­nis­te­rin die ab­seh­ba­re Ein­stel­lung der Er­mitt­lun­gen persönlich mit­tei­len woll­te, be­kam er ei­nen An­ruf von Bie­sen­bach. Die­sen An­ruf hat­te der Mi­nis­ter be­reits ein­ge­räumt und er­klärt, er ha­be sich nur tech­ni­sche Zu­sam­men­hän­ge er­klä­ren las­sen. An­de­ren Zeu­gen zu­fol­ge gab es aber rund zwei St­un­den zu­vor min­des­tens ein wei­te­res Te­le­fo­nat zwi­schen Bie­sen­bach und dem Staats­an­walt. Zu­dem weist ei­ne Da­ten­bank ei­ne ein­mi­nü­ti­ge Te­le­fon­ver­bin­dung zu Schul­ze Fö­cking in un­mit­tel­ba­rer zeit­li­cher Nach­bar­schaft auf.

Bie­sen­bach räum­te ein, meh­re­re Te­le­fo­ne zu nut­zen. Für sein pri­va­tes Han­dy ha­be er aber kei­ne Ver­bin­dungs­nach­wei­se. Es blieb of­fen, ob und mit wem er von an­de­ren als sei­nem dienst­li­chen Te­le­fon aus ge­spro­chen hat. Die Ver­bin­dung zu Schul­ze Fö­cking kön­ne auch mit ei­ner halb­au­to­ma­ti­schen Rück­ruf-SMS oder ei­ner Ver­bin­dung zu ei­ner Mail­box zu­sam­men­hän­gen, so Bie­sen­bach in der von ei­nem un­ge­wöhn­lich auf­ge­reg­ten Ton ge­präg­ten Sit­zung.

FO­TO: DPA

NRW-Jus­tiz­mi­nis­ter Pe­ter Bie­sen­bach (CDU) steht un­ter Druck.

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