Früh­er­zie­hung m tie­ri­schen Mu­si­ke

Die „Ele­fan­ten­pups“-Ge­schich­ten fei­ern als fröh­li­che mu­si­ka­li­sche Früh­er­zie­hung auch in­ter­na­tio­na­le Er­fol­ge.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Kultur - VON LOTHAR SCHRÖ­DER

DÜS­SEL­DORF Klar, „Pe­ter und der Wolf“kennt fast je­der. Mit die­sem Mär­chen hat die klas­si­sche Mu­sik und ih­re In­stru­men­te tri­um­pha­len Ein­zug in die Kin­der­zim­mer die­ser Welt ge­hal­ten. Al­ler­dings hat Ser­gei Pro­kof­je­ws Werk in­zwi­schen mehr als acht Jahr­zehn­te auf dem Bu­ckel. Lang, lang ist’s her, dach­te sich auch Hei­di Lee­nen. Die 57-Jäh­ri­ge ist Mu­sik­päd­ago­gin, lebt in Gel­dern und hat­te vor zehn Jah­ren das drin­gen­de Be­dürf­nis, Kin­dern auch päd­ago­gisch Zeit­ge­mä­ßes vor die Na­se zu set­zen. Und das war das Mär­chen vom „Ele­fan­ten­pups“, ge­nau­er ge­sagt ist es die Ge­schich­te ei­nes ziem­lich spek­ta­ku­lä­ren Zoo-Orches­ters, bei dem die Tie­re fröh­lich in die Tas­ten und Sai­ten grei­fen, in die Hör­ner bla­sen und or­dent­lich auf die Pau­ke hau­en.

Der ers­te „Ele­fan­ten­pups“er­schien vor zehn Jah­ren und war auf An­hieb er­folg­reich: Phil­har­mo­ni­ker aus ver­schie­de­nen Städ­ten nah­men es in ihr Re­per­toire auf und lock­ten ein Pu­bli­kum in die schnie­ken Kon­zert­sä­le, das sonst haupt­säch­lich in Ki­tas an­zu­tref­fen ist. Das Bes­te war und ist: Je­dem Orches­ter steht es völ­lig frei, wie es sei­ne tie­ri­schen Mu­si­ker­kol­le­gen aus dem Bil­der­buch prä­sen­tiert: ob mit oder oh­ne

Er­zäh­ler, ob mit sin­gen­dem oder nur zu­hö­ren­dem Pu­bli­kum. Der „Ele­fan­ten­pups“ist von Be­ginn an an­ar­chisch ge­we­sen; viel­leicht macht er auch des­halb so viel Spaß.

Die Ge­schich­te des Zoo-Orches­ters fand schnell ei­ne Fort­set­zung, 2011 so­gar ei­nen drit­ten Teil. Da­mit war die Tri­lo­gie per­fekt. Wä­re kürz­lich nicht der Brief aus Shang­hai ein­ge­trof­fen mit ei­ner Ein­la­dung für Mei Yue zum Lam­pion­fest. Die Rei­se dort­hin ist für die Pan­da-Da­me aus dem Zoo ei­ne klei­ne Un­mög­lich­keit, aber eben nur ei­ne klei­ne. Schnell ist ein Con­tai­ner­schiff ge­fun­den fürs ge­sam­te Zoo-Orches­ter, das an Bord Gra­tis­kon­zer­te gibt. So­gar ein blin­der Pas­sa­gier ist da­bei, das ist der Igel Pik­si.

Mit dem vier­ten Band geht das Orches­ter der Tie­re al­so auf gro­ße Rei­se – und na­tür­lich auch mu­si­ka­lisch. Zu hö­ren sind Pe­pes Fla­men­co, Sir­ta­ki aus Grie­chen­land, ein Bauch­tanz aus dem Ori­ent und ein Schlan­gen­tanz aus In­di­en; nicht zu ver­ges­sen der „Eis­bär Mo­ve“. Es gibt Lie­der zum Mit­sin­gen, zum Mit­tan­zen und Zu­hö­ren.

Al­les ist mög­lich, und auch das ge­hört zum fröh­li­chen Ele­fan­ten­pups-Pro­gramm. Die Be­geg­nung mit klas­si­scher Mu­sik soll ein­fach sein und Spaß ma­chen, sagt Hei­di Lee­nen. Und da­zu ge­hört auch die Be­geg­nung mit all die­sen „ko­mi­schen“In­stru­men­ten. Auch die wer­den zu Be­ginn des Bu­ches und der bei­lie­gen­den CD mit den ent­spre­chen­den Mu­si­kern vor­ge­stellt:

Der Pan­da-Bär schlägt den Gong und das Ze­bra die Tri­an­gel, der Pa­pa­gei spielt die Kla­ri­net­te, die Eu­le das Fa­gott, die Schild­krö­te die Trom­pe­te, der Lö­we den Kon­tra­bass und der Ele­fant die Tu­ba. Für Pik­si, den Igel, bleibt im­mer­hin noch der Job des Orches­ter­warts.

Die Epi­so­den rund ums Zoo-Orches­ter sind kei­ne Pro­blem­ge­schich­ten. Und am En­de gibt es im­mer ein Hap­py End. Hei­di Lee­nen, Il­lus­tra­tor Mar­tin Bern­hard und Kom­po­nist Ste­fan Mal­zew geht es vor al­lem um die Be­geg­nung mit Mu­sik. Aber auch die ist nicht ganz so un­schul­dig: Em­pa­thie soll ge­weckt und ge­för­dert wer­den, so Lee­nen, wie et­wa in dem Ohr­wurm „Wir tei­len das Glück“. Die Zoo-Orches­ter-Rei­se nach Chi­na ist auch ein mu­si­ka­li­scher Gruß in je­nes Land, in de­nen der „Ele­fan­ten­pups“in­ter­na­tio­nal sei­ne größ­ten Er­fol­ge fei­ern konn­te. Al­lein im ver­gan­ge­nen Jahr gab es dort 50 Kon­zer­te aus der Rei­he. In gro­ßen Kon­zert­hal­len wer­den die Ge­schich­ten auf­ge­führt, und manch­mal ver­wan­deln sich die Mu­si­ker mit auf­wen­di­gen Ko­s­tü­men ins je­wei­li­ge Tier. Kürz­lich gab es die Urauf­füh­rung des vier­ten Ele­fan­ten­pups-Aben­teu­ers; mit Fern­seh­mo­de­ra­tor Ju­ri Tetzlaff als Er­zäh­ler und mit den Mu­si­kern der Neu­en Phil­har­mo­nie Ber­lin. Im Fe­bru­ar ge­hen die Ele­fan­ten­pups-Lie­der selbst auf Rei­sen, nach Chi­na.

ILLUSTRATI­ON: MAR­TIN BERN­HARD

Das tie­ri­sche Zoo-Orches­ter in Ak­ti­on.

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