Was Uni-Ab­sol­ven­ten in NRW ver­die­nen

Stu­di­um ist nicht gleich Stu­di­um: Be­rufs­an­fän­ger ver­die­nen in der Che­mie 25 Pro­zent mehr als in der Wer­be­bran­che oder im öf­fent­li­chen Di­enst. Das zeigt ei­ne Stu­die für NRW. Und je hö­her der Ab­schluss, des­to hö­her das Ge­halt.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Wirtschaft - VON VIK­TOR MARINOV

DÜS­SEL­DORF Stu­die­ren lohnt sich mehr denn je: Be­rufs­an­fän­ger in Nord­rhein-West­fa­len, die ein Stu­di­um ab­ge­schlos­sen ha­ben, ver­die­nen am An­fang ih­rer Kar­rie­re im Schnitt 44.300 Eu­ro brut­to im Jahr. Das sind 9000 Eu­ro mehr, als Ein­stei­ger oh­ne aka­de­mi­sche Aus­bil­dung er­hal­ten. Das ist das Er­geb­nis ei­ner Aus­wer­tung der On­li­ne-Stel­len­bör­se Ste­ps­to­ne, für die in NRW 2300 Aka­de­mi­ker am An­fang ih­res Be­rufs­le­bens be­fragt wur­den.

Un­ter­schie­de nach Stu­di­en­gän­gen Schon im­mer gab es gro­ße Un­ter­schie­de zwi­schen den Stu­di­en­gän­gen, und die­ser Trend setzt sich trotz der all­ge­mei­nen Ent­span­nung am deut­schen Ar­beits­markt fort. Wei­ter­hin ver­die­nen jun­ge Geis­tes­wis­sen­schaft­ler be­son­ders we­nig – sie er­hal­ten in Nord­rhein-West­fa­len durch­schnitt­lich 34.700 Eu­ro im Jahr. Noch­mal 1000 Eu­ro we­ni­ger er­hal­ten jun­ge De­si­gner. Ganz an­ders sieht es mit ei­nem Jah­res­ge­halt von 49.900 Eu­ro für Na­tur­wis­sen­schaft­ler und 48.600 für In­ge­nieu­re aus. Jun­ge Ju­ris­ten er­hal­ten mit durch­schnitt­lich 46.200 Eu­ro et­was mehr als jun­ge Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler mit durch­schnitt­lich 43.100 Eu­ro. Jun­ge Psy­cho­lo­gen star­ten mit durch­schnitt­lich 43.000 Eu­ro in das Be­rufs­le­ben.

Un­ter­schie­de nach Ab­schluss Aka­de­mi­sche An­stren­gun­gen der Ab­sol­ven­ten wer­den be­lohnt. Je hö­her der aka­de­mi­sche Grad, des­to hö­her ist auch das Jah­res­ge­halt. Wer sei­nen Ba­che­lor um ei­nen Mas­ter auf­wer­tet, ver­dient im NRW-Schnitt 16 Pro­zent mehr, der Ge­halts­sprung vom Mas­ter zur Pro­mo­ti­on liegt mit 27 Pro­zent noch hö­her. Wer pro­mo­viert hat, be­kommt als Ein­stei­ger so­gar knapp 60.000 Eu­ro jähr­lich. „Die Ge­halts­lü­cke zwi­schen Ba­che­lor und Mas­ter schließt sich im Lau­fe des Be­rufs­le­bens nicht, im Ge­gen­teil – die Un­ter­schie­de wer­den mit zu­neh­men­der Be­rufs­er­fah­rung eher grö­ßer“, sagt ei­ne Ste­ps­to­ne-Spre­che­rin.

Un­ter­schie­de nach Län­dern Mit dem Durch­schnitts­ver­dienst liegt NRW im Bun­des­ver­gleich an vier­ter Stel­le hin­ter den in­dus­trie­star­ken Län­dern Bay­ern und Ba­den-Würt­tem­berg so­wie der Fi­nanz­me­tro­po­le Hes­sen. In den ost­deut­schen Län­dern zah­len die Fir­men da­ge­gen we­ni­ger gut, das gilt auch für Aka­de­mi­ker. Die sechs öst­li­chen Bun­des­län­der be­le­gen im na­tio­na­len Ver­gleich die letz­ten sechs Plät­ze. Am we­nigs­ten ver­die­nen die Ein­stei­ger in Sach­sen mit 38.700 Eu­ro im Jahr. In Bay­ern sind es da­ge­gen 47.200 Eu­ro. Für den Ar­beits­markt­for­scher Ger­hard Bosch von der Uni Duis­burg-Es­sen steht fest, dass die Lohn­un­ter­schie­de die Ab­wan­de­rung aus dem Os­ten mit­ver­ur­sa­chen. Der Os­ten hat we­nig Che­mie­und Au­to­in­dus­trie, die be­kannt ist für gu­te Löh­ne. „Es gibt in den öst­li­chen Bun­des­län­dern kei­ne ein­zi­ge Dax-Zen­tra­le“, so Bosch.

Un­ter­schie­de in NRW Im Land zeigt sich ei­ne ähn­li­che Spal­tung: Je nach­dem, wel­che Bran­che in ei­ner Stadt füh­rend ist, er­ge­ben sich auch an­de­re ört­li­che Durch­schnitts­löh­ne. Ste­ps­to­ne hat Ab­sol­ven­ten in acht Städ­ten un­ter­sucht: Aa­chen, Bie­le­feld, Bonn, Dort­mund, Düs­sel­dorf, Es­sen, Köln, Müns­ter. Am meis­ten ver­die­nen die Be­rufs­an­fän­ger in der In­ge­nieurs­schmie­de Aa­chen mit 46.700 Eu­ro. Düs­sel­dorf liegt mit 44.400 im Mit­tel­feld. In Müns­ter ver­die­nen Ab­sol­ven­ten durch­schnitt­lich 40.700 Eu­ro, das ist im Ver­gleich der acht NRW-Städ­te der letz­te Platz. Zwar ist Müns­ter pro­spe­rie­rend, doch hier gibt es we­der Che­mie- noch Au­to­in­dus­trie, son­dern viel öf­fent­li­chen Di­enst. Bun­des­weit ist Frank­furt am Main Spit­zen­rei­ter, wo vie­le Ban­ken und die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank zu den gro­ßen Ar­beit­ge­bern zäh­len.

Aka­de­mi­sie­rung Doch was pas­siert auf dem Ar­beits­markt, wenn al­le an die Hoch­schu­len strö­men? Die fort­schrei­ten­de Aka­de­mi­sie­rung sieht Ar­beits­markt­for­scher Bosch kri­tisch. Noch wür­de sich zwar rund die Hälf­te der Ju­gend­li­chen für ei­ne Aus­bil­dung ent­schei­den. Aber im­mer mehr jun­ge Men­schen ge­hen an die Hoch­schu­len. Die stei­gen­de Aka­de­mi­sie­rung ha­be lang­fris­tig das Po­ten­zi­al, „un­se­re Be­rufs­aus­bil­dung zu zer­stö­ren“. Auch für die Wirt­schaft sei es pro­ble­ma­tisch, wenn al­le mit ei­ner aka­de­mi­schen Aus­bil­dung und ent­spre­chend hö­he­rem An­spruch ins Be­rufs­le­ben star­ten. „Wir ha­ben ei­ne Be­fra­gung un­ter Kin­der­gärt­ne­rin­nen durch­ge­führt, die ih­ren Ba­che­lor ma­chen. Sie woll­ten al­le die Ki­ta lei­ten“, be­rich­tet Bosch.

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