Ra­tin­ger ver­liert Kampf ge­gen ALS

Oli­ver Moß­mann ist mit 50 Jah­ren an der töd­li­chen Ner­ven­krank­heit ge­stor­ben.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Nordrhein - Westfalen - VON SU­SAN­NE HAMANN

RATINGEN Sein letz­ter gro­ßer Wunsch wur­de ihm noch er­füllt. Mit­te Au­gust konn­te Oli­ver Moß­mann die Ge­burt sei­nes Soh­nes mit­er­le­ben. Selbst­ver­ständ­lich war das nicht. Der Ra­tin­ger litt un­ter Amyo­tro­pher La­te­ral­skle­ro­se (ALS), ei­ne töd­lich ver­lau­fen­de Ner­ven­krank­heit, die den Be­trof­fe­nen im­mer be­we­gungs­un­fä­hi­ger macht, bis schließ­lich auch die Atem­mus­ku­la­tur so an­ge­grif­fen ist, dass er er­stickt. Schon ei­ne Schwan­ger­schaft hiel­ten die Ärz­te ei­gent­lich für un­wahr­schein­lich. Doch Ma­ri­na Moß­mann wur­de schwan­ger und Oli­ver Moß­mann durf­te sei­nen Sohn se­hen. Vier Mo­na­te lang konn­te er „Klein Oli­ver“strei­cheln und sei­ne Hand hal­ten. „Oli­ver hat der Krank­heit je­de Se­kun­de ab­ge­run­gen und muss­te am Diens­tag nun doch von mir ge­hen“, schrieb Ma­ri­on Moß­mann am 5. De­zem­ber auf Face­book. „In tie­fer Trau­er und Dank­bar­keit, Ma­ri­na.“

Für Oli­ver en­de­te da­mit ein lan­ger Über­le­bens­kampf. Vor drei Jah­ren

be­merk­te er zum ers­ten Mal, dass er den lin­ken Fuß nicht mehr an­he­ben konn­te. Ab dann hol­te sich die Krank­heit re­gel­mä­ßig ein wei­te­res Stück sei­nes Kör­pers. Sich künst­lich be­at­men zu las­sen, war für ihn von An­fang an kei­ne Op­ti­on. Sei­ne Kin­der soll­ten nicht se­hen, dass er nur noch durch ei­ne Ma­schi­ne lebt. Was der klei­ne Oli­ver aber ir­gend­wann se­hen und hö­ren wird, sind Vi­deo- und Sprach­auf­nah­men von sei­nem Va­ter, die er für ihn hin­ter­las­sen hat.

Auf Face­book pos­te­te Ma­ri­na au­ßer­dem auf Oli­vers Wunsch ei­nen Spruch für al­le, die sein Schick­sal mit­ver­folgt ha­ben:

„Tot ist über­haupt nichts: Ich glitt le­dig­lich über in den nächs­ten Raum. Ich bin ich, und ihr seid ihr. War­um soll­te ich aus dem Sinn sein, nur weil ich aus dem Blick bin? Was auch im­mer wir für­ein­an­der wa­ren, sind wir auch jetzt noch. Spielt, lä­chelt, denkt an mich. Le­ben be­deu­tet auch jetzt all das, was es auch sonst be­deu­tet hat.

Es hat sich nichts ver­än­dert, ich war­te auf euch, ir­gend­wo sehr nah bei euch. Al­les ist gut.“

Das Ge­dicht stammt von An­net­te von Dros­te-Hüls­hoff.

Welt­weit sind et­wa 350.000 Men­schen an ALS er­krankt. Meist bricht die Krank­heit bei Er­wach­se­nen aus. Es kön­nen aber auch Kin­der be­trof­fen sein. Die Hälf­te der Pa­ti­en­ten stirbt in­ner­halb von drei Jah­ren nach Krank­heits­be­ginn. Ein Heil­mit­tel gibt es bis­her nicht. Oli­ver wur­de 50 Jah­re alt.

FO­TO: ABZ

Ma­ri­na und Oli­ver Moß­mann mit ih­rem Sohn.

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