Klöck­ner lobt sich für Tier­schutz

Die Land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin nennt Ver­bes­se­run­gen bei der Nutz­tier­hal­tung – ih­re Amts­vor­gän­ge­rin Re­na­te Kü­n­ast be­klagt da­ge­gen Qua­len für Kü­ken und Schwei­ne.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Politik - VON KRIS­TI­NA DUNZ

BER­LIN Un­ter der schwarz-ro­ten Bun­des­re­gie­rung ist der Tier­schutz nach ei­nem Be­richt von Land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Ju­lia Klöck­ner (CDU) seit 2015 deut­lich ver­bes­sert wor­den – die Grü­nen und der Deut­sche Tier­schutz­bund zie­hen da­ge­gen ein düs­te­res Fa­zit.

Wäh­rend Klöck­ner in ih­rem am Mitt­woch in Ber­lin ver­öf­fent­lich­ten Be­richt vor al­lem Ver­bes­se­run­gen bei der Nutz­tier­hal­tung her­vor­hebt, wirft ihr Amts­vor­gän­ge­rin Re­na­te Kü­n­ast (Grü­ne) vor, hier „nichts“er­reicht zu ha­ben. Bei­de be­zie­hen sich zum Bei­spiel auf das Kü­ken­tö­ten. Laut Ko­ali­ti­ons­ver­trag soll­te zur Halb­zeit der Le­gis­la­tur­pe­ri­ode – al­so in die­sem Herbst – das Schred­dern männ­li­cher Ein­tags­kü­ken be­en­det wer­den, doch die da­für er­forsch­te Ge­schlechts­be­stim­mung im Ei wird bis­her nur ver­ein­zelt an­ge­wandt. Markt­reif ist das Sys­tem noch nicht.

Die Mi­nis­te­rin spricht nun von ei­nem „Er­folg auf dem Weg zum Aus­stieg aus dem ethisch nicht ver­tret­ba­ren Kü­ken­tö­ten“. Mit der vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um maß­geb­lich mit­fi­nan­zier­ten For­schung ha­be es ei­nen Durch­bruch ge­ge­ben, be­tont sie. „Seit No­vem­ber 2018 sind in den ers­ten Su­per­märk­ten Eier er­hält­lich, in de­ren Pro­duk­ti­ons­ket­te das Ver­fah­ren der Ge­schlechts­be­stim­mung im Ei an­ge­wandt wur­de. So wird ver­hin­dert, dass männ­li­che Kü­ken über­haupt erst schlüp­fen.“Ziel sei, bis En­de 2021 als ers­tes Land aus dem Kü­ken­tö­ten aus­zu­stei­gen.

Kü­n­ast er­klärt da­ge­gen: „Um Pro­fi­te zu si­chern, wird un­ter Mi­nis­te­rin Klöck­ner wei­ter mil­lio­nen­fach ge­gen das Tier­schutz­recht ver­sto­ßen.“Klöck­ner le­ge ih­re schüt­zen­de Hand nur über die Ti­er­nut­zer. „Das un­se­li­ge Schred­dern von 45 Mil­lio­nen männ­li­chen Kü­ken pro Jahr wird auch nicht – wie ver­ein­bart En­de 2019 – be­en­det.“Sie ha­be fer­ner die be­täu­bungs­lo­se Fer­kel­kas­tra­ti­on um zwei Jah­re ver­län­gert und wol­le jetzt ei­ne Ver­län­ge­rung des um­strit­te­nen Kas­ten­stands für Sau­en um bis zu 17 Jah­re er­mög­li­chen.

In dem Be­richt ist von ei­ner Über­gangs­frist von zehn Jah­ren für al­le Be­stands­be­trie­be, ei­ner Ver­län­ge­rung um wei­te­re fünf Jah­re bei Vor­la­ge ei­nes Um­stel­lungs­kon­zepts so­wie im Ein­zel­fall ei­ner Ver­län­ge­rung um wei­te­re zwei Jah­re die Re­de, um „un­bil­li­ge Här­ten“für die Bau­ern zu ver­mei­den. Klöck­ner ar­gu­men­tiert, ei­ne Neu­re­ge­lung der Kas­ten­stand­hal­tung müs­se den Tier­schutz, „aber auch öko­no­mi­sche Ge­sichts­punk­te be­rück­sich­ti­gen, um wei­te­re Struk­tur­brü­che zu ver­mei­den“. Das Mi­nis­te­ri­um ha­be aber ei­nen Ver­ord­nungs­ent­wurf vor­ge­legt, dass künf­tig die zu­läs­si­ge Fixa­ti­ons­dau­er im Kas­ten­stand deut­lich re­du­ziert wer­den sol­le.

Klöck­ner ver­weist dar­auf, dass Le­ge­hen­nen und Mast­pu­ten in­zwi­schen nicht mehr die Schnä­bel ge­kürzt wür­den. Sie kün­digt fer­ner an, dass der Han­del von Tie­ren im In­ter­net stär­ker re­gu­liert und die Sach­kun­de­nach­weis­pflicht für das Per­so­nal im Zoo­fach­han­del aus­ge­wei­tet und ein staat­li­ches Tier­wohl­la­bel ein­ge­führt wer­den sol­le. Für Tier­trans­por­te und die Ent­wick­lung von Stäl­len für die Zu­kunft wür­den „kon­kre­te Maß­nah­men zur Ver­bes­se­rung des Tier­schut­zes ge­prüft und um­ge­setzt“.

Der Deut­sche Tier­schutz­bund wer­tet Klöck­ners Be­richt, der un­ter der Über­schrift „Ver­bes­se­run­gen im Nutz­tier­be­reich“ver­öf­fent­licht wur­de, so: „Die Klöck­ner­sche Bi­lanz ist ei­ne Ti­er­nut­zer­bi­lanz, kei­ne Tier­schutz­bi­lanz“. Wirt­schaft­li­chen In­ter­es­sen wer­de stets Vor­rang ein­räumt.

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