Wie fin­de ich den rich­ti­gen Fonds?

Ein Fonds­in­vest­ment ist kein Selbst­läu­fer, be­to­nen Ex­per­ten – ver­steht ein An­le­ger ei­nen Fonds nicht, soll­te er nicht in­ves­tie­ren. Wich­tig ist ein ho­her, fle­xi­bler Ak­ti­en­an­teil, um das Ver­mö­gen lang­fris­tig wei­ter­zu­ent­wi­ckeln.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Immobilien & Geld - VON PATRICK PE­TERS

Die Zah­len sind für Geld­an­le­ger er­schre­ckend. Das In­sti­tut der deut­schen Wirt­schaft (IW) in Köln hat in ei­ner Stu­die ge­zeigt, dass nied­ri­ge Zin­sen noch bis zum Jahr 2050 ein Dau­er­the­ma sein wer­den. Wer al­so ge­hofft hat, der Nied­rig­zins wer­de in ei­ni­gen Jah­ren der Ver­gan­gen­heit an­ge­hö­ren, könn­te sich ge­täuscht se­hen. Der wich­tigs­te Grund ist der de­mo­gra­phi­sche Wan­del. Für die Stu­die hat der Wis­sen­schaft­ler mit Hil­fe von Be­völ­ke­rungs­pro­gno­sen bis zum Jahr 2050 die Zins­ent­wick­lung vor­aus­be­rech­net. Das Er­geb­nis: Wenn die EZB aus der ex­pan­si­ven Geld­po­li­tik aus­steigt, er­hö­hen sich die Zin­sen bis 2025 ge­ra­de ein­mal auf 1,3 Pro­zent. Dann be­stimmt der de­mo­gra­phi­sche Trend wie­der die Zin­sen – bis zum Jahr 2050 sinkt der Re­al­zins­satz dann auf 0,0 Pro­zent. Das be­deu­tet: In den kom­men­den Jahr­zehn­ten wird sich kaum et­was für An­le­ger än­dern.

Und ge­ra­de des­halb be­nö­ti­gen Spa­rer ge­ra­de bei klei­ne­ren und mitt­le­ren Ver­mö­gen pro­fes­sio­nel­le Lösungen, mit de­nen sie ihr Ver­mö­gen schüt­zen und lang­fris­tig ent­wi­ckeln kön­nen. Ei­ne da­von: In­vest­ment­fonds. „Fonds sind für vie­le Geld­an­le­ger ei­ne sehr gu­te Mög­lich­keit, ihr vor­han­de­nes und künf­ti­ges Ver­mö­gen zu in­ves­tie­ren. Ein- und Aus­zah­lun­gen

sind in der Re­gel je­der­zeit mög­lich, es kön­nen Spar­plä­ne ein­ge­rich­tet wer­den und die meis­ten Fonds sind so kon­zi­piert, dass An­le­ger auch mit ei­nem klei­nen Be­trag ein­stei­gen kön­nen“, sagt Mar­co Bät­zel, Port­fo­lio­ma­na­ger bei der Düs­sel­dor­fer WBS Hü­ni­cke Ver­mö­gens­ver­wal­tung

und Mit­ver­ant­wort­li­cher für den In­vest­ment­fonds „Stra­te­gie Welt Select“.

Er be­tont aber auch, dass ein Fonds­in­vest­ment kein Selbst­läu­fer sei und dass An­le­ger ei­ni­ge Vor­aus­set­zun­gen bei der Aus­wahl be­ach­ten soll­ten, um mög­li­cher­wei­se teu­re Feh­ler zu ver­mei­den. Sei­ne Hal­tung:

„Je pro­fes­sio­nel­ler und er­fah­re­ner ein Fonds­ma­nage­ment und je fle­xi­bler ein Fonds ist, des­to bes­ser sind die Aus­sich­ten auf ein nach­hal­tig po­si­ti­ves Er­geb­nis“, sagt der Ex­per­te und emp­fiehlt: „An­le­ger soll­ten da­her vor je­dem In­vest­ment be­stimm­te Fra­gen klä­ren. Ist die Ge­sell­schaft se­ri­ös? Ver­fügt sie über ei­nen or­dent­li­chen Track Re­cord im Ma­nage­ment von In­vest­ment­fonds und wie lan­ge sind die Pro­duk­te be­reits am Markt? Hal­ten die Kenn­zif­fern über die rei­ne Ren­di­te­be­trach­tung hin­aus ei­ner kri­ti­schen Ana­ly­se stand? Ver­trau­en und Fle­xi­bi­li­tät sind Trumpf.“

Mar­co Bät­zel ver­tritt ge­ne­rell ei­ne kla­re Hal­tung. „Ver­steht ein An­le­ger ei­nen Fonds nicht, soll­te er nicht in­ves­tie­ren. Nur ein trans­pa­ren­tes Kon­zept wird auch den Zei­ten, in de­nen es vi­el­leicht ein­mal nicht so gut läuft, beim Kun­den trag­fä­hig sein. Da­her soll­ten In­ter­es­sen­ten sich die An­ga­ben zum Fonds genau an­schau­en und beim Be­ra­ter nach­fra­gen, wenn sie et­was nicht ver­ste­hen.“Der Port­fo­lio­ma­na­ger weiß üb­ri­gens aus der Pra­xis, dass Misch­fonds bei An­le­gern be­son­ders gut an­kom­men. Das sind In­vest­ment­fonds, die in meh­re­re An­la­ge­klas­sen wie Ak­ti­en, An­lei­hen, Geld­markt­ti­tel, Roh­stof­fe, Edel­me­tal­le und Im­mo­bi­li­en gleich­zei­tig an­le­gen kön­nen. Ein Misch­fonds kom­bi­niert da­mit Wachs­tums­chan­cen von ris­kan­te­ren An­la­gen wie Ak­ti­en mit Er­trä­gen aus ri­si­koär­me­ren An­la­gen wie An­lei­hen.

Jens Hart­mann von der Düs­sel­dor­fer Ver­mö­gens­ver­wal­tung Fi­con be­tont vor al­lem den Wert von Ak­ti­en in je­dem An­la­ge­kon­zept. „Ge­ra­de Klein­spa­rer lei­den wei­ter­hin un­ter dem Nied­rig­zins. Mit ty­pi­schen Spar­ein­la­gen schä­di­gen sie ihr Ver­mö­gen und set­zen sich wei­ter­hin so­gar dem Ri­si­ko von Straf­zin­sen aus. Wer hin­ge­gen be­reits in die­sem Jahr über sei­nen Schat­ten ge­sprun­gen ist und auch mit klei­ne­ren Sum­men vor al­lem auf Ak­ti­en ge­setzt hat, kann sich über ein or­dent­li­ches Ver­mö­gens­wachs­tum freu­en.“Im­mer­hin lie­ge bei­spiels­wei­se der deut­sche Leit­in­dex Dax seit Jah­res­be­ginn mit rund 25 Pro­zent im Plus.

Na­tür­lich kennt der An­la­ge­ex­per­te die Sor­gen vor den Ab­wärts­be­we­gun­gen an den Bör­sen, aber er mahnt zu Ru­he und Ge­las­sen­heit, auch wenn es ein­mal nicht so gut läuft. „Die Ent­wick­lun­gen der ver­gan­ge­nen bei­den Jah­re zei­gen ein­mal mehr, dass es wich­tig ist, bei sei­nen Ak­ti­en­in­vest­ments ge­dul­dig da­bei zu blei­ben, um von lang­fris­ti­gen Auf­wärts­be­we­gun­gen pro­fi­tie­ren zu kön­nen. Schwan­kun­gen, wie wir sie im vier­ten Quar­tal 2018 ge­se­hen ha­ben, ge­hö­ren ein­fach da­zu. Er sagt: „Sach­wer­te, vor al­lem Ak­ti­en, ste­hen mehr denn je im Mit­tel­punkt für lang­fris­tig aus­ge­rich­te­te In­ves­to­ren. Mit pro­fes­sio­nell und stra­te­gisch aus­ge­wähl­ten Ti­teln las­sen sich De­pots sta­bi­li­sie­ren, Wer­te schüt­zen und Ver­mö­gen wei­ter­ent­wi­ckeln. Da­her soll­ten auch Fonds so aus­ge­wählt wer­den, dass sie über ei­nen ho­hen Ak­ti­en­an­teil ver­fü­gen.“

FO­TO: DPA

Ge­ra­de Klein­spa­rer lei­den wei­ter­hin un­ter dem Nied­rig­zins. Fonds sind für vie­le Geld­an­le­ger da­her ei­ne sinn­vol­le Al­ter­na­ti­ve, ihr vor­han­de­nes und künf­ti­ges Ver­mö­gen zu in­ves­tie­ren.

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