Kein Platz für Ha­ken­kreu­ze

Ro­bert Mö­ritz, Kom­mu­nal­po­li­ti­ker mit Neo­na­zi-Ver­gan­gen­heit, ist aus der CDU in Sach­sen-An­halt aus­ge­tre­ten. Die Par­tei Kramp-Kar­ren­bau­ers at­met auf. Aber den Scher­ben­hau­fen muss sie erst noch zu­sam­men­keh­ren.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Politik - VON KRIS­TI­NA DUNZ

Für die Bun­des-CDU kommt die Mit­tei­lung am Mor­gen wie ein vor­ge­zo­ge­nes Weih­nachts­ge­schenk ins Kon­rad-Ade­nau­er-Haus. Ro­bert Mö­ritz, 29 Jah­re alt, bis­lang Mit­glied im CDU-Kreis­vor­stand An­halt-Bit­ter­feld, tritt aus der Par­tei aus. Mit sei­ner of­fen­sicht­li­chen – und so­gar auf der Haut ge­tra­ge­nen – Ver­bin­dung zu Na­zi-In­hal­ten hat­te er die Christ­de­mo­kra­ten ta­ge­lang in Atem ge­hal­ten und bei­na­he die Ke­nia-Ko­ali­ti­on in Sach­sen-An­halt ge­sprengt.

Nun ist die Par­tei von An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er den Kom­mu­nal­po­li­ti­ker los. Al­ler­dings nicht das Pro­blem. Denn jetzt wird um­so sicht­ba­rer, dass die CDU vor Ort lan­ge bei­de Au­gen zu­ge­drückt hat und selbst die auf Mö­ritz’ Arm tä­to­wier­ten Ha­ken­kreu­ze nicht sah oder nicht se­hen woll­te. Und Kramp-Kar­ren­bau­er zeig­te per­sön­lich kei­ne kla­re Kan­te ge­gen rechts, ob­wohl sie jeg­li­cher Nach­sicht ge­gen­über Rechts­ex­tre­men un­ver­däch­tig ist.

Mö­ritz wird von CDU-Mit­glie­dern, die ihn ken­nen, als freund­lich, le­ben­dig, nett be­schrie­ben. Dass er Mit­glied in dem un­ter Rechts­ex­tre­mis­mus-Ver­dacht ste­hen­den Ver­ein Uni­ter war und erst kürz­lich un­ter dem Druck der bun­des­wei­ten Dis­kus­si­on aus­ge­tre­ten ist, hat­te für den Kreis­vor­stand nicht auf ei­ne rechts­ex­tre­mis­ti­sche Ge­sin­nung hin­ge­deu­tet. Vor ei­ner Wo­che noch sprach das Gre­mi­um ihm das Ver­trau­en aus. Mö­ritz hat­te dar­um ge­be­ten, ihm die „Ver­ir­rung sei­ner Ju­gend“– 2011 hat­te er sich als Ord­ner bei ei­ner Neo­na­zi-De­mo ein­tei­len las­sen – nach­zu­se­hen und die Wei­ter­ent­wick­lung sei­ner Per­sön­lich­keit zu glau­ben. Die „Schwar­ze Son­ne“, das Na­zi-Sym­bol auf sei­nem El­len­bo­gen, wur­de wei­ter igno­riert.

Die Grü­nen moch­ten sich die Fra­ge nicht ver­knei­fen, wie vie­le Ha­ken­kreu­ze denn Platz in der CDU hät­ten. Das fand CDU-Lan­des­ge­ne­ral­se­kre­tär Sven Schul­ze „in­ak­zep­ta­bel“und for­der­te ei­ne Ent­schul­di­gung, sonst sei die Fort­set­zung der Ko­ali­ti­on „kaum denk­bar“. Aber die Grü­nen dach­ten gar nicht dar­an. Sie be­ton­ten nur, dass sie nicht die gan­ze Par­tei un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht stell­ten.

Wie ernst die­se Fra­ge dann doch ge­nom­men wur­de, mach­te CDU-Lan­des­chef Hol­ger Stahl­knecht am Don­ners­tag­abend nach ei­ner Kri­sen­sit­zung mit den Kreis­vor­sit­zen­den in Magdeburg deut­lich. Die Fra­ge sei be­ant­wor­tet, wie vie­le Ha­ken­kreu­ze die CDU ver­tra­ge, sag­te Stahl­knecht: „Kei­ne!“Wer Er­ken­nungs­zei­chen tra­ge, die auf ei­ne rechts­ex­tre­me Ge­sin­nung schlie­ßen las­sen, kön­ne eben­so we­nig Mit­glied sein wie je­mand, der in ei­nem rechts­ex­tre­men Ver­ein sei, er­klär­ten die Par­tei­spit­ze und die Kreis­chefs ein­stim­mig. Auch der Vor­sit­zen­de aus An­halt-Bit­ter­feld, Mat­thi­as Egert, stimm­te mit. Mö­ritz wur­de ein Ul­ti­ma­tum ge­setzt: Bis zum 28. De­zem­ber soll­te er schrift­lich Aus­kunft über sei­ne Ak­ti­vi­tä­ten in der rechts­ex­tre­men Sze­ne ge­ben und er­klä­ren, dass Ha­ken­kreu­ze mit den Grund­sät­zen der CDU un­ver­ein­bar sei­en. Es wa­ren

Zwei­fel auf­ge­kom­men, dass Mö­ritz sich wirk­lich von der Neo­na­zi-Sze­ne ab­ge­wen­det hat. Der MDR ent­deck­te ein Fo­to von ihm mit ei­ner Neo­na­zi-Band 2014.

Mat­thi­as Egert nann­te den Par­tei­aus­tritt von Mö­ritz nun den rich­ti­gen Schritt. Er sei da­mit ei­nem Par­tei­aus­schluss zu­vor­ge­kom­men, sag­te Egert der Deut­schen Pres­se-Agen­tur. Sein Ver­band ha­be vor ei­ner Wo­che auf Grund­la­ge an­de­rer

Fak­ten ent­schie­den. „Was uns die Din­ge jetzt an­ders be­wer­ten lässt, ist vor al­lem die Sa­la­mi­tak­tik, Din­ge ein­zu­räu­men.“

Kramp-Kar­ren­bau­er hat­te zu­vor ge­warnt, soll­te das Ver­trau­en des Kreis­vor­stands „miss­braucht“wor­den sein, müss­ten Kon­se­quen­zen ge­zo­gen wer­den. Als Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin stell­te sie im Zu­sam­men­hang mit dem Ver­ein Uni­ter auch klar, dass sie je­den Ver­dacht auf rechts­ex­tre­me Netz­wer­ke in der Bun­des­wehr ver­fol­gen wer­de. Je­der sol­le sich be­wusst sein, dass man sich mit ei­ner Mit­glied­schaft bei Uni­ter selbst dem Ver­dacht aus­set­ze, rechts­ex­tre­men Netz­wer­ken na­he zu ste­hen. Uni­ter wur­de nach ei­ge­nen An­ga­ben 2010 aus zwei Netz­wer­ken für Kom­man­do­ein­hei­ten der Bun­des­wehr und Po­li­zei so­wie ei­ner Grup­pe aus dem eu­ro­päi­schen Na­to-Kom­man­do Sha­pe ge­grün­det.

Der Ver­ein steht im Ver­dacht, To­des­lis­ten über Po­li­ti­ker zu füh­ren und sich als Schat­ten­ar­mee auf­stel­len zu wol­len. Be­hör­den prü­fen das.

Der Lan­des­vor­sit­zen­de der NRW-Grü­nen, Fe­lix Ba­nasz­ak, sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on: „Frau Kramp-Kar­ren­bau­er hät­te um­ge­hend klar­stel­len müs­sen: Wer Ha­ken­kreu­ze auf der Haut trägt, kann nicht Mit­glied der CDU sein.“Ei­ne der wich­tigs­ten Auf­ga­ben der Kon­ser­va­ti­ven sei, die Flan­ke nach rechts zu schlie­ßen. Im Fall Mö­ritz ha­be die CDU viel zu lan­ge ge­schwie­gen.

Mö­ritz schrieb in sei­ner Aus­tritts­er­klä­rung, er wol­le wei­te­ren Scha­den von der CDU ab­wen­den und po­li­ti­sche Dis­kus­sio­nen be­frie­den. Manch­mal be­dür­fe es der „Be­sin­nung auf die wah­ren Prio­ri­tä­ten im Le­ben“. Was er mit wah­ren Prio­ri­tä­ten meint, ließ er of­fen. Vi­el­leicht sieht man ihn dem­nächst doch wie­der bei Uni­ter oder in der Na­zi-Sze­ne. Denn sei­ne In­te­gra­ti­on in ei­ne de­mo­kra­ti­sche Par­tei ist ge­schei­tert.

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Ein Po­li­zist mit ei­nem Hund durch­sucht die Hal­le und das CDU-Zei­chen vor dem Par­tei­tag im No­vem­ber in Leip­zig nach ver­däch­ti­gen Ge­gen­stän­den.

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Der Kom­mu­nal­po­li­ti­ker Ro­bert Mö­ritz aus Löb­nitz an der Lin­de.

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Hol­ger Stahl­knecht ist Vor­sit­zen­der der CDU Sach­sen-An­halt.

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