Al­tro Mon­do re­agiert auf kri­tik

Nach Pro­tes­ten schwenkt das Un­ter­neh­men auf ei­nen mie­ter­freund­li­che­ren Kurs ein.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Radevormwa­ld - VON STE­FAN GILSBACH

WUPPERORTE Der Ver­mie­ter Al­tro Mon­do hat nach Pro­tes­ten und brei­ter Be­richt­er­stat­tung in den Me­di­en of­fen­sicht­lich ei­ne neue Li­nie ge­gen­über den Mie­tern ein­ge­schla­gen – zu­min­dest im Wohn­ge­biet Auf der Bre­de. Wie An­woh­ne­rin Tan­ja Behn­ke be­rich­tet, sei­en in den ver­gan­ge­nen Ta­gen Aus­hän­ge mit ei­ner Mail-Adres­se plat­ziert wor­den, über die Mie­ter Pro­ble­me mit­tei­len kön­nen. Hat­te das Un­ter­neh­men bis­lang eher dick­fel­lig auf Pro­tes­te re­agiert, klin­ge der Ton jetzt an­ders. Die Mie­ter sei­en in dem Schrei­ben so­gar er­mun­tert wor­den, „aus­sa­ge­kräf­ti­ge Fo­tos zu schi­cken“, be­rich­tet Behn­ke. Es wer­de in Aus­sicht ge­stellt, die Män­gel zu be­sei­ti­gen.

Den Be­woh­nern der Sied­lung war im Herbst über­ra­schend mit­ge­teilt wor­den, man wer­de die Gasther­men aus- und ei­ne Zen­tral­hei­zung ein­bau­en. Die Mie­ter be­fürch­te­ten be­reits, dass sie in der kal­ten Jah­res­zeit oh­ne Hei­zung da­ste­hen wür­den. Zu­dem hin­ter­lie­ßen die Hand­wer­ker, die in ei­ni­gen Woh­nun­gen tat­säch­lich die Ther­men aus­bau­ten, er­heb­li­che Schä­den in den Woh­nun­gen.

Die Mie­ter setz­ten sich zur Wehr und ver­stän­dig­ten un­ter an­de­rem die Stadt­ver­wal­tung. Vol­ker Gross­mann, der Lei­ter des So­zi­al­am­tes, mach­te sich vor Ort ein Bild. „Die Stadt hat da­mit ein gu­tes Zei­chen ge­setzt“, lobt Tan­ja Behn­ke. Sie und ih­re Mit­strei­ter setz­ten sich auch mit Mie­ter­schutz­ver­ei­nen in Ver­bin­dung und schrie­ben Zei­tun­gen und Sen­der an.

„Durch die Be­rich­te in vie­len Me­di­en ist of­fen­bar Druck auf­ge­baut wor­den“, meint sie. Nicht nur die BM hat­te das The­ma auf­ge­grif­fen, auch das re­gio­na­le und das über­re­gio­na­le Fern­se­hen hat­te über die

Zu­stän­de in Ge­bäu­den, die von dem Un­ter­neh­men ver­wal­tet wer­den, be­rich­tet.

Nach ih­ren di­ver­sen Er­fah­run­gen mit Al­tro Mon­do bleibt Tan­ja Behn­ke al­ler­dings vor­sich­tig und will nicht vor­schnell ju­beln. „In mei­ner Woh­nung ha­be ich seit dem Fe­bru­ar ei­ne of­fe­ne Bau­stel­le, ich ha­be nun ein Fo­to ge­schickt, und es dau­er­te ei­ne Wo­che, bis ei­ne Re­ak­ti­on kam“, be­rich­tet sie. Ei­ne Da­me von der Scha­dens­ab­tei­lung ha­be sich ge­mel­det, ein Hand­wer­ker­ter­min sei ver­ein­bart wor­den. Lei­der sei­en die Ar­bei­ten noch nicht ab­ge­schlos­sen wur­den, so dass die Bau­stel­le in der Woh­nung „jetzt noch grö­ßer“sei. Sie ha­be noch ein­mal ei­ne Mail ge­schickt, die­ses Mal sei die Re­ak­ti­on rasch ge­kom­men, nun

war­te sie auf ei­nen neu­en Ter­min. „Ich bin mal ge­spannt“, sagt Behn­ke la­ko­nisch.

Was die Hei­zun­gen in den Ge­bäu­den be­tref­fe, so sei die Si­tua­ti­on zwar bes­ser ge­wor­den, aber wie sie ge­hört ha­be, lau­fe „noch nicht al­les rund“. Man­che Zim­mer blie­ben kalt, auch sei­en Wär­me­men­gen­zäh­ler nicht in­stal­liert wor­den, ob­wohl die­se den Mie­tern zu­ge­sagt wor­den sei­en. Da­her sind die Be­trof­fe­nen wei­ter­hin in Kon­takt mit dem Mie­ter­schutz­ver­ein und mit An­wäl­ten. Für den Ja­nu­ar ha­be sich der SPD-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Sven Wolf an­ge­mel­det, er wol­le sich vor Ort ein Bild der La­ge ma­chen.

So ge­nann­te „Pro­blem­ver­mie­ter“be­kom­men in NRW seit ei­ni­gen Mo­na­ten mehr Druck von Be­hör­den. In meh­re­ren Städ­ten gab es Be­ge­hun­gen in Ge­bäu­den, die von Al­tro Mon­do ver­wal­tet wer­den. Das Un­ter­neh­men ist un­ter an­de­rem in Dort­mund, Her­ne, Castrop-Rau­xel, Wuppertal und Duisburg ver­tre­ten. Das zu­stän­di­ge Mi­nis­te­ri­um hat zu­dem ei­ne Ar­beits­grup­pe ins Le­ben ge­ru­fen, zu der auch Ver­tre­ter je­ner Kom­mu­nen zäh­len, in der „Pro­blem­ver­mie­ter“Im­mo­bi­li­en be­sit­zen.

FO­TO: STE­FAN GILSBACH

Wohn­häu­ser Auf der Bre­de, die von Al­tro Mon­do ver­wal­tet wer­den.

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