Weih­nachts­spiel­tag spal­tet En­g­land

Pre­mier-Le­ague-Spie­le am „Bo­xing Day“– Un­sinn oder gern ge­pfleg­te Tra­di­ti­on?

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Sport -

LON­DON (dpa) Jür­gen Klopp lässt der Fuß­ball-Weih­nachts-Tru­bel noch kalt. Die Be­las­tung durch die Rei­se zur Club-WM nach Ka­tar? Das stram­me Pro­gramm zum Jah­res­wech­sel? „Es ist al­les gut“, sag­te der vom Er­folg be­seel­te Trai­ner des FC Li­ver­pool, als er auf die Stra­pa­zen an­ge­spro­chen wur­de. Das war in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auch schon an­ders. Da mo­ser­te Klopp über die ho­he Be­las­tung zum Jah­res­wech­sel. Am zwei­ten Fei­er­tag (21 Uhr, Sky), dem Bo­xing Day, tritt der Ta­bel­len­füh­rer der Pre­mier Le­ague dies­mal zum Spit­zen­spiel beim zehn Zäh­ler zu­rück­lie­gen­den Ver­fol­ger Leices­ter Ci­ty an. Für Leices­ters Trai­ner Bren­dan Rod­gers ist das eng­li­sche Fuß­ball­pro­gramm zum Jah­res­wech­sel hin­ge­gen schlicht „Un­sinn“. Ähn­lich deut­lich hat­te es Klopp in den Vor­jah­ren auch aus­ge­drückt. „Die Spie­ler sind kei­ne Ro­bo­ter, das ist kein Com­pu­ter­spiel“, sag­te Rod­gers nun über die en­ge Tak­tung.

Pep Guar­dio­la, des­sen Club Man­ches­ter Ci­ty wie vier wei­te­re Ver­ei­ne ab Frei­tag zwei Spie­le in 48 St­un­den be­strei­ten muss, flüch­tet sich in Sar­kas­mus. „Ich ha­be ei­nen Dan­kes­brief an die Pre­mier Le­ague ge­schrie­ben“, sag­te er, „nach dem Spiel ge­gen Wol­ver­hamp­ton set­zen wir uns in den Küh­schrank, um uns auf Sh­ef­field vor­zu­be­rei­ten.“

Schal­kes eng­lan­der­fah­re­ner Trai­ner Da­vid Wa­gner sprach sich mit Nach­druck ge­gen die Ein­füh­rung ei­nes Bo­xing Day in Deutsch­land aus. „Ich hof­fe nicht, dass das ir­gend­wann kommt“, sag­te Wa­gner, der von No­vem­ber 2015 bis Ja­nu­ar 2019 für Hud­ders­field Town ver­ant­wort­lich war. „Ich ha­be es er­lebt, und ich möch­te es nicht ha­ben“, sag­te Wa­gner.

Spa­ni­en pau­siert bis zum 3. Ja­nu­ar, Ita­li­en bis zum 5. Ja­nu­ar, und die Bun­des­li­ga fängt erst am 17. Ja­nu­ar mit der Rück­run­de an. En­g­land ackert aber durch. Chris­ti­an Sei­fert, der Chef der Deut­schen Fuß­ball Li­ga, sieht „kei­ne Not­wen­dig­keit, an den Weih­nachts­fei­er­ta­gen zu spie­len“. Die Pre­mier-Le­ague-Spie­le am Bo­xing Day sei­en „ei­ne Al­lein­stel­lung bei den Fans welt­weit“, sag­te er am Jah­res­an­fang der „Bild“.

Mit der Sport­art Bo­xen hat der Na­me des Spiel­tags frei­lich nichts zu tun. Bo­xing ist das eng­li­sche Wort für Ein­pa­cken. Der „Bo­xing Day“ent­stand im 19. Jahr­hun­dert zu Zei­ten von Kö­ni­gin Vic­to­ria. Da­mals war es üb­lich, dass die rei­che­re Be­völ­ke­rung Weih­nachts­pa­ke­te schnür­te, um sie är­me­ren Men­schen und An­ge­stell­ten zu ge­ben. Be­diens­te­te hat­ten am 26. De­zem­ber frei und be­ka­men an die­sem Tag von ih­ren Her­ren ihr Weih­nachts­pa­ket.

FO­TO: DPA

Im weih­nacht­li­chen Ter­min­stress: Jür­gen Klopp.

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