Mehr als 4000 Lach­se in NRW

In ei­ni­gen Flüs­sen ist die Wie­der­an­sied­lung dank ei­nes Lan­des­pro­gramms ge­glückt.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Politik - VON KIRS­TEN BIALDIGA

DÜS­SEL­DORF In nord­rhein-west­fä­li­schen Ge­wäs­sern le­ben wie­der mehr als 4000 Lach­se. Nach­dem der Fisch in den 1980er Jah­ren als aus­ge­stor­ben galt, sei die Wie­der­an­sied­lung in ei­ni­gen Flüs­sen, et­wa der Sieg, der Rur, der Wup­per und der Dhünn, ge­glückt, teil­te das NRW-Um­welt­mi­nis­te­ri­um auf An­fra­ge mit. Bei den 4000 Lach­sen han­de­le es sich nur um je­ne, die an den Kon­troll­sta­tio­nen der Sieg re­gis­triert wor­den sei­en. „Die tat­säch­li­che Zahl ist si­cher­lich deut­lich hö­her, da auf­stei­gen­de Lach­se auch über die Weh­re sprin­gen und nicht den Weg durch die Kon­troll­sta­ti­on neh­men“, hieß es.

Die Wie­der­an­sied­lung ist Er­geb­nis des 1998 auf­ge­leg­ten Wan­der­fisch­pro­gramms der Lan­des­re­gie­rung zur Um­set­zung der EU-Was­ser­rah­men­richt­li­nie. Sein Ziel ist es, die Le­bens­räu­me wie­der­her­zu­stel­len. Der Lachs, Fisch des Jah­res 2019, gilt da­bei als Leit- und Sym­bolart. Die Lan­des­re­gie­rung stellt jähr­lich rund 70 Mil­lio­nen Eu­ro aus dem Was­ser­ent­nah­me­ent­gelt be­reit, die aber nicht nur dem Lachs zu­gu­te kom­men.

Aus Sicht von Marg­ret Bun­zel-Drü­ke, Bio­lo­gin bei der Ar­beits­ge­mein­schaft Bio­lo­gi­scher Um­welt­schutz im Kreis Soe­stund Spre­che­rin des Na­bu, ist der Be­stand der Lach­se noch zu klein: „Die Wie­der­an­sied­lung der Lach­se ist ins­ge­samt in NRW auf gu­tem We­ge. Es ist aber noch nicht si­cher, ob der jet­zi­ge

Fisch­be­stand aus­reicht, da­mit sie dau­er­haft blei­ben.“In vie­len Ge­wäs­sern ge­be es Hin­der­nis­se, die Lach­se nicht über­win­den könn­ten: „Ein gro­ßes Pro­blem sind die Weh­re und die Was­ser­kraft.“Was­ser­kraft­wer­ke leis­te­ten nur ei­nen ge­rin­gen Bei­trag zur Ener­gie­ge­win­nung, mach­ten aber in den Ge­wäs­sern viel ka­putt. Der Lan­des­re­gie­rung zu­fol­ge liegt der An­teil der Was­ser­kraft an der Strom­pro­duk­ti­on bei nur 0,3Pro­zent.

Ei­ne flä­chen­de­cken­de Wie­der­an­sied­lung des Lach­ses hält auch Bun­zel-Drü­ke

nicht für ziel­füh­rend: „Es gibt Flüs­se, in de­nen die Wie­der­an­sied­lung des Lach­ses kei­nen Sinn macht wie et­wa in der Ruhr. Die Lan­des­re­gie­rung soll­te erst ein­mal da an­fan­gen, wo die Vor­aus­set­zun­gen güns­tig sind.“Et­wa in der Lip­pe. Ei­ne gro­ße Ge­fahr für den Fisch­be­stand geht heu­te aus Sicht der Bio­lo­gin aber von Fein­s­edi­ment aus, das die Lü­cken im Fluss­kies ver­stop­fe und so dem Fisch­laich Sau­er­stoff ent­zie­he. Fein­s­edi­ment wird bei Hoch­was­ser in die Flüs­se ge­spült und ent­hält Staub von Äckern oder Rei­fen­ab­rieb: „Sinn­voll wä­re es vor al­lem, von den Land­wir­ten grö­ße­re Flä­chen an­zu­kau­fen, um die Ge­wäs­ser zu re­na­tu­rie­ren. Da­zu braucht es mehr per­so­nel­le und fi­nan­zi­el­le Res­sour­cen in den Be­zirks­re­gie­run­gen“, for­der­te Bun­zel-Drü­ke.

Da­von ist je­doch in ei­nem An­trag, den CDU- und FDP-Frak­ti­on in den Land­tag ein­ge­bracht ha­ben, bis­her kei­ne Re­de. Die Re­gie­rungs­frak­tio­nen for­dern hin­ge­gen un­ter an­de­rem, dass die Lan­des­re­gie­rung kein zu­sätz­li­ches Geld für Wan­der­fi­sche ein­set­zen sol­le und die In­dus­trie nicht be­las­ten dür­fe.

„Die tat­säch­li­che Zahl ist si­cher­lich deut­lich hö­her“

NRW-Um­welt­mi­nis­te­ri­um

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