Ta­la­re aus der Werk­zeug­stadt

Fir­ma Assmann-Lü­den­scheid be­lie­fert Kir­chen­ge­mein­den in al­ler Welt.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Bergische Wirtschaft - VON SVEN SCHLICKOWE­Y

REM­SCHEID Der Na­me Assmann Lü­den­scheid ist deutsch­land­weit ein Be­griff. Zu­min­dest un­ter evan­ge­li­schen Kir­chen­ge­mein­den und Pfar­rern. Als Ta­lar-Schnei­der vor al­lem, aber auch als Lie­fe­rant für Kir­chen­be­darf. Und ob­wohl die Orts­be­zeich­nung im Na­men auf ei­ne Stadt im Mär­ki­schen Kreis hin­weist, steckt da­hin­ter schon seit vie­len Jah­ren ein Rem­schei­der Un­ter­neh­men.

„Wir gel­ten als der Mer­ce­des und den Ta­lar-Her­stel­lern“, sagt Ri­ta Bart­hel­mes, Ehe­frau des In­ha­bers. Und das nicht oh­ne Stolz. Et­was un­schein­bar im In­dus­trie­ge­biet Groß­hüls­berg in Lüttring­hau­sen sitzt die Fir­ma. Rund 2000 ver­schie­de­ne Ar­ti­kel wer­den von dort aus nach ganz Eu­ro­pa mit Schwer­punkt auf den deutsch­spra­chi­gen Raum ver­schickt. „Vom Fahr­rad­stän­der vor der Kir­che bis zur be­heiz­ba­ren Sitz­auf­la­ge für Kir­chen­bän­ken kön­nen wir al­les lie­fern“, sagt In­ha­ber Chris­ti­an Pe­ter Bart­hel­mes. Doch das Aus­hän­ge­schild des Un­ter­neh­mens blei­ben Ta­la­re.

Ge­grün­det wur­de F. W. Jul. Assmann 1890 in Lü­den­scheid. Bis 2006 be­fand sich das Un­ter­neh­men, das zwi­schen­zeit­lich zum kö­nig­li­chen Hof­lie­fe­rant auf­ge­stie­gen war, im Fa­mi­li­en­be­sitz – bis Chris­ti­an Pe­ter Bart­hel­mes es kauf­te. Nach vie­len Jah­ren als Ge­schäfts­füh­rer in der Tex­til­bran­che ha­be er sich da­mals selbst­stän­dig ma­chen wol­len, er­in­nert sich der heu­te 64-Jäh­ri­ge. Durch ei­ne An­zei­ge er­fuhr er, dass die Fir­ma Assmann ei­nen neu­en In­ha­ber such­te.

„Ich hat­te mich mit der gan­zen The­ma­tik vor­her nie be­schäf­tigt“, sagt Bart­hel­mes. Ent­spre­chend wuss­te er auch nichts vom gu­ten Ruf der Fir­ma. Das än­der­te sich durch ei­ne Nach­fra­ge bei sei­nem Schwie­ger­va­ter, selbst evan­ge­li­scher Pfar­rer.

„Na­tür­lich kennt er die Fir­ma, hat er ge­sagt, schließ­lich war sein ei­ge­ner Ta­lar ein Assmann.“2014 schließ­lich ver­leg­te der neue In­ha­ber den Fir­men­sitz nach Rem­scheid. Nur die Nä­he­rei blieb in Lü­den­scheid.

Je­der Ta­lar wird maß­ge­fer­tigt, meist aus rei­ner Schur­wol­le. Die Ma­ße neh­men die Kun­den oft selbst. „Wir über­prü­fen das aber im­mer noch ein­mal“, sagt Chris­ti­an Pe­ter Bart­hel­mes. „Wenn et­was nicht stimmt, ru­fen wir noch mal an.“Beim Ver­mes­sen des ers­ten Talars ei­nes neu­en Geist­li­chen legt der Fach­mann aber meist selbst Hand an. Zum En­de ei­nes Vi­kars- oder Pre­di­ger­se­mi­nars im Rah­men der pas­to­ra­len Aus­bil­dung be­sucht Bart­hel­mes die an­ge­hen­den Pfar­rer, um ih­nen die Erst­aus­stat­tung zu ver­pas­sen. Frü­her ha­be je­des Se­mi­nar um die 100 Teil­neh­mer ge­habt, sagt Bart­hel­mes. „Heu­te sind es meist nur noch zehn bis 15.“

Dass die Kir­chen schrump­fen, merkt auch der Kir­chen­be­darfs­lie­fe­rant. Im Be­reich der Frei­kir­chen ge­be es noch ge­le­gent­li­che Neu­grün­dun­gen von Ge­mein­den. An­sons­ten wer­den die aber eher zu­sam­men­ge­legt. „Und dann ha­ben die Ge­mein­den na­tür­lich al­les dop­pelt und brau­chen nichts Neu­es.“

Und auch die Pfar­re­rin­nen und Pfar­rer kann die Fir­ma Assmann nicht all­zu oft als Kun­den be­grü­ßen. Denn sei­ne Ta­la­re hal­ten im Schnitt 25 bis 30 Jah­re, sagt Bart­hel­mes: „Um­ge­rech­net auf die Nut­zungs­dau­er ein sehr güns­ti­ges Klei­dungs­stück.“Trotz rund 600 Eu­ro Durch­schnitts­preis.

Die Fir­ma Assmann be­lie­fert aus­schließ­lich pro­tes­tan­ti­sche Ge­mein­den, die Lie­fe­ran­ten sind al­le kon­fes­sio­nell spe­zia­li­siert. Für Ri­ta und Chris­ti­an Pe­ter Bart­hel­mes be­deu­tet das, sich mit den Re­geln der ein­zel­nen Lan­des­kir­chen aus­ein­an­der­set­zen zu müs­sen. Mal braucht der Ta­lar ei­ne ver­deck­te Knopf­leis­te, mal muss ein Teil aus Samt sein und auch die Kra­gen sind un­ter­schied­lich.

Wie al­le an­de­ren Pro­duk­te im Sor­ti­ment sind auch die Assmann-Ta­la­re „Ma­de in Ger­ma­ny“, in­klu­si­ve der Stof­fe, die bei deut­schen We­be­rei­en ein­ge­kauft wer­den. Ei­ne Pro­duk­ti­ons­ver­la­ge­rung in ein Bil­lig­lohn-Land sei un­denk­bar, sagt Chris­ti­an Pe­ter Bart­hel­mes. We­gen der Qua­li­tät vor al­lem. Aber auch we­gen der ver­gleichs­wei­se ge­rin­gen Stück­zahl: „Wenn ich in Chi­na zu je­man­dem sa­ge, dass er mir 200 Ta­la­re pro Jahr pro­du­zie­ren soll, lacht der mich doch aus. Das nä­hen die am Tag.“

FO­TO: RO­LAND KEUSCH

Ri­ta und Chris­ti­an Pe­ter Bart­hel­mes be­trei­ben den Ver­sand­han­del für Kir­chen­be­darf, der im In­dus­trie­ge­biet Groß­hüls­berg sitzt.

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