So wird das Haus kli­ma­freund­lich

Zwei Drit­tel des pri­va­ten Ener­gie­ver­brauchs hän­gen mit dem Hei­zen zu­sam­men. Wer spa­ren will, soll­te auf Wän­de, Fens­ter und Hei­zung schau­en. Die KfW un­ter­stützt die Sa­nie­rung mit güns­ti­gen Kre­di­ten.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Wirtschaft - VON MA­XI­MI­LI­AN PLÜCK

DÜSSELDORF Wäh­rend rund um den Glo­bus die Kli­ma­schüt­zer mit Frei­tags­de­mons­tra­tio­nen für ih­re Be­lan­ge trom­meln, rückt stär­ker das in den Mit­tel­punkt, was der ein­zel­ne leis­ten kann. Ein im­men­ses Ein­spar­po­ten­zi­al schlum­mert in den ei­ge­nen vier Wän­den. Et­was mehr als ein Vier­tel der in Deutsch­land ver­brauch­ten Ener­gie fällt bei den pri­va­ten Haus­hal­ten an. Ein Wert, der trotz fort­schrei­ten­der Tech­nik seit den 1990er Jah­ren na­he­zu un­ver­än­dert ist.

Ein­spa­run­gen kön­nen dort im Klei­nen an­fan­gen, et­wa beim flä­chen­de­cken­den Ein­satz en­er­gie­spa­ren­der LED-Bir­nen, beim dis­zi­pli­nier­ten Warm­was­ser­ver­brauch, mit Ver­zicht auf den Stand-by-Mo­dus am Fern­se­her. Doch das ei­gent­li­che Zau­ber­wort lau­tet „en­er­ge­ti­sche Ge­bäu­de­sa­nie­rung“. Nach An­ga­ben des Um­welt­bun­des­amts hän­gen mehr als zwei Drit­tel des pri­va­ten Ener­gie­ver­brauchs mit dem The­ma Hei­zung zu­sam­men.

Haus­be­sit­zer soll­ten da­bei al­ler­dings mit Be­dacht vor­ge­hen, sagt Chris­ti­an Hand­werk, Ex­per­te fürs The­ma bei der Ver­brau­cher­zen­tra­le NRW: „Bei ei­ner en­er­ge­ti­schen Ge­bäu­de­sa­nie­rung muss nicht je­de öko­lo­gisch sinn­vol­le Maß­nah­me auch öko­no­misch rich­tig sein.“Des­halb ma­che es Sinn, dass Haus­be­sit­zer, die ei­ne äl­te­re Im­mo­bi­lie en­er­ge­tisch er­tüch­ti­gen wol­len, sich zu­nächst ein um­fas­sen­des Bild des Zu­stands ver­schaff­ten.

Doch nicht je­der ver­fügt über aus­rei­chen­des Wis­sen. „Wer selbst nicht vom Fach ist, soll­te sich da­für ex­ter­ne Ex­per­ti­se ho­len“, sagt Hand­werk. Die Ver­brau­cher­zen­tra­len bie­ten bei­spiels­wei­se ei­ne ent­spre­chen­de Ener­gie­be­ra­tung an, die dann di­rekt vor Ort statt­fin­det. Es gibt aber auch vie­le an­de­re Ener­gie­be­ra­ter, die ei­ne sol­che Ein­schät­zung ab­ge­ben kön­nen. Hand­werk weist je­doch dar­auf hin, dass der Be­griff nicht ge­schützt ist: „Man soll­te dann dar­auf ach­ten, dass ein Ener­gie­be­ra­ter als Ex­per­te bei­spiels­wei­se beim Bun­des­amt für Aus­fuhr­kon­trol­le oder der KfW ge­lis­tet ist.“

Wer sich an­schlie­ßend für das gro­ße Pa­ket ent­schei­det, al­so die en­er­ge­ti­sche Kom­plett­sa­nie­rung, die so­wohl die Hei­zungs­an­la­ge als auch die Au­ßen­bau­tei­le um­fasst, soll­te zu­nächst die Ge­bäu­de­hül­le in den Blick neh­men. „Wän­de, Bo­den­plat­te,

das Dach, die obers­te Ge­schoss­de­cke – all die­se las­sen sich durch ei­ne Wär­me­däm­mung auf­wer­ten“, sagt Ver­brau­cher­schüt­zer Hand­werk. „Wo­bei al­ler­dings der tech­ni­sche Auf­wand höchst un­ter­schied­lich ist und da­mit die Be­wer­tung der Wirt­schaft­lich­keit va­ri­ie­ren kann.“

Zur Ge­bäu­de­hül­le ge­hö­ren auch die Fens­ter. „Heu­te durch­aus üb­li­che Drei­fach­ver­gla­sun­gen sind da­bei nur noch un­we­sent­lich teu­rer als Zwei­fach­ver­gla­sun­gen“, sagt Hand­werk, rät je­doch zu­gleich von un­sin­ni­gen Maß­nah­men ab. „Ein Bei­spiel wä­re, auf ei­ne be­reits ge­ring­fü­gig ge­dämm­te Alt­bau­wand ei­ne wei­te­re, di­cke Dämm­schicht auf­zu­brin­gen oh­ne vor­her aus­zu­re­chen, ob das wirt­schaft­lich sinn­voll ist.“Ge­dämmt wer­de in Deutsch­land be­reits seit Jahr­zehn­ten. En­de der 70er Jah­re wur­den erst­mals ge­setz­li­che

An­for­de­run­gen an Neu­bau­ten in die­ser Hin­sicht for­mu­liert. „In sol­chen Fäl­len ist es mög­lich, dass die zu­sätz­lich Dämm­schicht nicht die zweck­mä­ßi­ge Er­spar­nis bringt.“

Erst wenn fest­steht, in­wie­fern die Ge­bäu­de­hül­le sa­niert wer­den soll, lässt sich be­rech­nen wie viel Heiz­ener­gie das Ge­bäu­de zu­künf­tig be­nö­ti­gen wird. Des­halb könn­te dann im zwei­ten Schritt die Hei­zungs­an­la­ge von mög­li­cher­wei­se ver­al­te­ter auf ei­ne kli­ma­freund­li­che­re Tech­nik um­ge­stellt wer­den. „Es gibt da­bei aber nicht das ei­ne Heiz­sys­tem, das al­len an­de­ren über­le­gen ist. Das ist ei­ne in­di­vi­du­ell recht un­ter­schied­li­che Ent­schei­dung“, sagt der Sa­nie­rungs­fach­mann. Ist bei­spiels­wei­se ge­nü­gend Stau­raum vor­han­den, um den Brenn­stoff (et­wa Holz-Pel­lets) vor­zu­hal­ten? Gibt es am Stand­ort ei­nen Zu­gang zu ei­nem ef­fi­zi­en­ten Fern­wär­me­netz? Oder bie­tet sich doch ei­ne Wär­me­pum­pe in Ver­bin­dung mit ei­ner Pho­to­vol­ta­i­k­la­ge auf dem Dach an? „Es gibt vielfältig­e Mög­lich­kei­ten, um am En­de ver­hält­nis­mä­ßig kli­ma­freund­lich und ef­fi­zi­ent zu ope­rie­ren. Ei­ne kom­plett aut­ar­ke Ener­gie­ver­sor­gung ei­nes Ge­bäu­des wä­re al­ler­dings mit er­heb­li­chem tech­ni­schem Auf­wand ver­bun­den und ist im Fall von Alt­bau-Sa­nie­run­gen oft kaum zu rea­li­sie­ren“, sagt Hand­werk.

Vie­le Im­mo­bi­li­en­be­sit­zer schie­len na­tür­lich bei al­le­dem auf die ver­schie­de­nen För­der­mög­lich­kei­ten, die es für en­er­ge­ti­sche Sa­nie­run­gen von Ge­bäu­den bei­spiels­wei­se von Sei­ten der staat­li­chen För­der­bank KfW gibt. At­trak­tiv sind die­se im Üb­ri­gen nicht nur für die­je­ni­gen, die gleich das ge­sam­te Ge­bäu­de kli­ma­freund­lich um­bau­en

wol­len. „Die­se För­der­mög­lich­kei­ten sind schon für Ein­zel­maß­nah­men, et­wa für das Ein­bau­en neu­er Fens­ter, mög­lich. Deut­lich grö­ße­re För­der­sum­men gibt es na­tür­lich bei ei­ner um­fang­rei­che­ren Kom­plett­sa­nie­rung“, sagt Hand­werk. In je­dem Fall sind solch fi­nan­zi­el­le För­de­run­gen mit ei­nem fest vor­ge­ge­be­nen, zu er­rei­chen­den Ener­gie­ef­fi­zi­enz­ni­veau ver­bun­den.

Da­zu hat es mit dem Jah­res­wech­sel ei­ne Rei­he von Än­de­run­gen ge­ge­ben. Im Zu­ge des Kli­ma­pa­kets der Bun­des­re­gie­rung wer­den bei­spiels­wei­se über die KfW kei­ne Öl­hei­zun­gen mehr ge­för­dert. Als för­der­wür­dig gel­ten da­ge­gen der Ein­bau von Solar­ther­mie-An­la­gen, Bio­mas­se-An­la­gen (Pel­let und Holz­ver­ga­ser), Wär­me­pum­pen, Gas-Brenn­wert­hei­zun­gen in Kom­bi­na­ti­on mit ei­ner Hei­zung auf Ba­sis er­neu­er­ba­rer Ener­gi­en. Der Haus­be­sit­zer kann für die Maß­nah­me nicht nur ei­nen zins­güns­ti­gen Kre­dit in An­spruch neh­men, son­dern auch in den Ge­nuss ei­ner Son­der­til­gung von bis zu 27.500 Eu­ro kom­men. Zu­dem gibt es ei­nen Zu­schuss von 50 Pro­zent für die Kos­ten ei­nes Ener­gie­ef­fi­zi­enz-Ex­per­ten, der nicht nur die Pla­nung, son­dern auch die Bau­be­glei­tung über­nimmt. Bis zu 4000 Eu­ro sind da­für drin.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.