Das Ei­gen­heim al­ters­ge­recht um­bau­en

Wer als al­ter Mensch noch in sei­nen ei­ge­nen vier Wän­den woh­nen will, soll­te recht­zei­tig an nö­ti­ge Maß­nah­men den­ken und da­für Geld zu­rück­le­gen. Die bun­des­ei­ge­ne För­der­bank KfW be­tei­ligt sich per Kre­dit oder Zu­schuss an den Kos­ten.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Wirtschaft - VON GE­ORG WIN­TERS

DÜS­SEL­DORF

In 30 Jah­ren wird nach Schät­zun­gen des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes je­der ach­te Deut­sche min­des­tens 80 Jah­re alt sein. Vie­le von ih­nen wer­den dann se­nio­ren­ge­rech­te Häu­ser und Woh­nun­gen brau­chen. Das heißt: Die Räu­me müs­sen bar­rie­re­frei sein, vie­le be­nö­ti­gen Hil­fe beim Du­schen, viel­leicht – je nach­dem, wie die Tech­nik sich in Zu­kunft ent­wi­ckeln wird – ei­nen Trep­pen­lift, ei­nen Roll­stuhl, der brei­te­re Ein­gän­ge er­for­dert, oder et­wa auch ein Haus­not­ruf­sys­tem. Das kos­tet Geld. Wer als Se­ni­or in sei­ner ver­trau­ten Um­ge­bung blei­ben will (wenn das ge­sund­heit­lich mög­lich ist), soll­te da­her recht­zei­tig an ei­nen al­ters­ge­rech­ten Um­bau den­ken und da­für spa­ren.

Was kann man än­dern?

Was für Men­schen, die ge­sund und fit sind, kein Pro­blem ist, kann für Al­te, Kran­ke und Be­hin­der­te zum un­über­wind­ba­ren Hin­der­nis wer­den: Trep­pen­stu­fen, Bo­den­schwel­len, zu we­nig Platz für den Roll­stuhl. Das schränkt die Le­bens­qua­li­tät ein und er­höht die Ge­fahr von Un­fäl­len. Hel­fen kön­nen zum Bei­spiel ein neu­es Wasch­be­cken, ein hö­hen­ver­stell­ba­res WC oder Hal­te­grif­fe in der mög­lichst bo­den­glei­chen Du­sche. Die­se Grif­fe zahlt wo­mög­lich der Kran­ken­ver­si­che­rer, wenn der Arzt sie ver­schreibt. An man­chen Stel­len müs­sen Wän­de raus­ge­bro­chen und der Zu­schnitt der Räu­me ver­än­dert wer­den, da­mit mehr Be­we­gungs­frei­heit ent­steht, oder es braucht ei­ne Bord­stein­kan­ten-Ram­pe, so dass Roll­stuhl­fah­rer aus dem Haus kom­men. Zu den ty­pi­schen Maß­nah­men zählt laut KfW auch der Ein­bau von Auf­zü­gen. Sinn­voll kön­nen zu­dem Fern­be­die­nun­gen für Tü­ren, Ja­lou­si­en und Lam­pen sein. Und, und, und.

Wie wird ge­för­dert?

Das Geld für den Um­bau muss man nicht al­lein auf­brin­gen. Die bun­des­ei­ge­ne För­der­bank KfW zum Bei­spiel be­tei­ligt sich an den Kos­ten. Sie hat seit 2009 den Um­bau von knapp 410.000 Woh­nun­gen und Häu­sern mit ins­ge­samt 3,85 Mil­li­ar­den Eu­ro ge­för­dert. 2019 wa­ren es rund 63.000 Wohn­ein­hei­ten mit ei­nem För­der­vo­lu­men

von fast 400 Mil­lio­nen Eu­ro. Über das Pro­gramm „Al­ters­ge­recht um­bau­en“ge­währt die Bank wahl­wei­se ei­nen Kre­dit von 50.000 Eu­ro mit ei­nem Zins­satz von ak­tu­ell 0,78 Pro­zent oder ei­nen In­ves­ti­ti­ons­zu­schuss von 6250 Eu­ro je Wohn­ein­heit. För­der­fä­hig ist auch der Ein­bau von Si­che­rungs­sys­te­men als Ein­bruch­schutz – bei­spiels­wei­se Nach­rüst­sys­te­me für Tü­ren und Fens­ter, Alarm­an­la­gen, Git­ter, Roll­lä­den, Be­we­gungs­mel­der. Da­für gibt es 1600 Eu­ro Zu­schuss zu­sätz­lich.

Ge­ne­rell kann je­der Pri­vat­nut­zer die Art der För­de­rung wäh­len, die er für sinn­voll hält. Wer ge­nug ei­ge­ne Mit­tel hat, dem ist mit ei­nem Zu­schuss mög­li­cher­wei­se mehr ge­dient als mit ei­nem Kre­dit. Den Zu­schuss, den man nicht zu­rück­zah­len muss, gibt es aber nur für Pri­vat­per­so­nen, wäh­rend das Dar­le­hen auch an an­de­re In­ves­to­ren geht – Ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaf­ten, Woh­nungs­un­ter­neh­men, Ge­nos­sen­schaf­ten, Bau­trä­ger. Wich­tig: Mie­ter be­nö­ti­gen für Ve­rän­de­run­gen die Zu­stim­mung des Ver­mie­ters.

Wo gibt es Geld?

Den Kre­dit be­an­tra­gen In­ter­es­sen­ten über ih­re Haus­bank, die auch das Kre­dit­ri­si­ko trägt. Die Zu­schüs­se wer­den über das Kfw-Zu­schusspor­tal be­an­tragt. Über die Be­wil­li­gung des Zu­schus­ses ent­schei­det die För­der­bank nach ei­ge­nen An­ga­ben rasch. „Das dau­ert in der Re­gel nur ein paar Ta­ge, es sei denn, es müss­ten Un­ter­la­gen nach­ge­reicht wer­den“, sagt ei­ne Spre­che­rin der Bank. Nach der Ge­neh­mi­gung kön­nen die Um­bau­ar­bei­ten be­gin­nen. Al­le ent­stan­de­nen Kos­ten müs­sen spä­ter mit Rech­nun­gen be­legt wer­den, da­mit der Zu­schuss tat­säch­lich aus­ge­zahlt wird. Der Kre­dit wer­de über Ge­schäfts­ban­ken in Deutsch­land be­an­tragt, sagt die KfW-Spre­che­rin.

Wie viel ist vor­han­den?

Da die Nach­fra­ge nach den Zu­schüs­sen groß ist, hat das Bun­des­bau­mi­nis­te­ri­um die­se Mit­tel für das lau­fen­de Jahr um ein Drit­tel auf 100 Mil­lio­nen Eu­ro auf­ge­stockt hat. Aber: Wer zu­erst kommt, mahlt zu­erst. „Da gilt das Wind­hund­prin­zip“, sagt die

KfW-Spre­che­rin. Im ver­gan­ge­nen Jahr sei für die Zeit von Ok­to­ber bis De­zem­ber ein An­trags­stopp ver­fügt wor­den, weil die vor­ge­se­he­nen Mit­tel ver­braucht ge­we­sen sei­en.

Gibt es noch an­de­re Qu­el­len?

Bund, Län­der und Kom­mu­nen le­gen auch ei­ge­ne Woh­nungs­bau­för­de­rungs­pro­gram­me auf, mit de­nen ent­spre­chen­des (Um-)Bau­en ge­för­dert wird. In NRW ge­schieht dies bei­spiels­wei­se über das Wohn­raum­mo­der­ni­sie­rungs­pro­gramm der NRW.Bank, die Kre­di­te un­ter an­de­rem für den Ab­bau von Bar­rie­ren ge­währt. An­sprech­part­ner sind die Bank selbst oder ei­ne Stadt- re­spek­ti­ve Kreis­ver­wal­tung.

Was gilt für Pfle­ge­be­dürf­ti­ge?

Pfle­ge­be­dürf­ti­ge An­ge­hö­ri­ge (min­des­tens Pfle­ge­stu­fe I) kön­nen von der Pfle­ge­kas­se für wohn­um­feld­ver­bes­sern­de Maß­nah­men ein­ma­lig 4000 Eu­ro er­hal­ten und noch ein­mal 4000 Eu­ro, wenn Um­bau­ten sein müs­sen, die bei der ers­ten För­de­rung noch nicht not­wen­dig wa­ren.

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