Hen­ning We­ber gilt als der „Pa­te“des Kun­st­ra­sen­plat­zes.

Als Vor­sit­zen­der des Null­neun-För­der­ver­eins rührt Hen­ning We­ber die Spen­den-Wer­be­trom­mel zur Fi­nan­zie­rung der An­la­ge. Bis En­de März will er die Mar­ke von 30.000 Eu­ro er­reicht ha­ben.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Wermelskir­chener Anzeiger - VON STEPHAN SIN­GER

WERMELSKIR­CHEN Hen­ning We­ber ist der „Pa­te“– der „Tauf-Pa­te“des im ver­gan­ge­nen Sep­tem­ber ein­ge­weih­ten Kun­st­ra­sen-Fuß­ball­plat­zes im Eifgen-Sta­di­on. Für das Pro­jekt und „sei­ne“Null­neu­ner hat der Vor­sit­zen­de des SV 09/35-För­der­ver­eins und Elek­tro­meis­ter im Ru­he­stand ei­ne Men­ge „Strip­pen ge­zo­gen“: Als Spen­den-Aqui­si­teur in ers­ter Rei­he kämpft We­ber teils auch den er­mü­den­den Kampf des be­rühm­te Don Quichot­te ge­gen die Wind­müh­len – nicht im­mer geht es lo­cker flo­ckig von der Hand, wie der 74-Jäh­ri­ge im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on frank und frei ein­ge­steht. Nach den ers­ten Spie­len auf dem neu­en Eifgen-Grün zog sich Hen­ning We­ber vor­erst ein we­nig zu­rück, krank­heits­be­ding­te Grün­de und die Sor­ge sei­ner Frau um sei­ne Ge­sund­heit mach­ten das nö­tig. Seit dem Jah­res­wech­sel star­tet Hen­ning We­ber al­ler­dings wie­der durch, sein Ziel: Bis zu sei­nem 75. Ge­burts­tag An­fang März will er die 30.000 Eu­ro-Mar­ke bei der SV 09/35-Spen­den-Sam­mel-Ak­ti­on „Herz-Ra­sen“kna­cken.

„Ich ha­be ja kein an­de­res Hob­by als den Null­neun“

Hen­ning We­ber Eh­ren­vor­sit­zen­der und Vor­sit­zen­der des För­der­ver­eins

Wie auf der Spen­den-Home­page zu se­hen ist, sind in­zwi­schen 26.850 Eu­ro zu­sam­men­ge­kom­men. Auf der In­ter­net­sei­te kön­nen Spen­den­wil­li­ge für ei­ne oder meh­re­re Kun­st­ra­sen­platz-Par­zel­len oder Wer­be­ban­den rings um den Platz vir­tu­ell für ein Jahr ei­ne Pa­ten­schaft über­neh­men: Al­les un­ter dem Mot­to „Herz-Ra­sen – für im­mer grün“. Im ers­ten Jahr muss der Sport­ver­ein 50.000 Eu­ro für den neu­en Platz auf­brin­gen, wo­bei Ei­gen­leis­tun­gen der Null­neu­ner an­ge­rech­net wer­den. 30.000 Eu­ro muss der SV 09/35 in den 15 fol­gen­den Jah­ren auf­brin­gen: Die­ser Be­trag ta­xiert die jähr­li­chen Pfle­ge- und Un­ter­halts­kos­ten des Plat­zes, die der Ver­ein laut Ver­trag mit der Stadt über­neh­men muss (ver­gleich­bar mit dem DTV am Da­b­ring­hau­se­ner Hö­fer­hof oder Tura Pohl­hau­sen mit der so­ge­nann­ten „Grü­nen Asche“in Un­ter­pohl­hau­sen). Mit 900.000 Eu­ro trug die Stadt das Gros der Kos­ten des Sta­di­on­um­baus.

Die Zu­sam­men­ar­beit mit der Stadt­ver­wal­tung wä­re „fair“ge­we­sen, kom­men­tiert We­ber: „Was wir in Ei­gen­leis­tung ge­ar­bei­tet ha­ben, wird wie ei­ne Gut­schrift an­ge­rech­net und re­du­ziert un­se­re fi­nan­zi­el­le Be­las­tung.“Ei­ni­ge Pflas­ter­ar­bei­ten, die der Ver­ein ei­gen­stän­dig ma­chen will, stün­den noch aus: Das wer­de im Früh­jahr er­le­digt.

„Ehr­gei­zig war ich im­mer schon, auch als jun­ger Mann auf dem Fuß­ball­platz“, sagt Hen­ning We­ber mit ei­nem La­chen. Und ge­steht ein, dass das Sam­meln von Spen­den ei­ne „müh­se­li­ge“Ar­beit sei: „Et­wa 90 Pro­zent der bis­her ein­ge­gan­ge­nen Spen­den ha­be ich ge­holt. Manch­mal ist man für 200 Eu­ro mehr als ei­nen Vor­mit­tag be­schäf­tigt.“Be­kä­me man am Mor­gen gleich zwei Ab­sa­gen von den ers­ten bei­den Ge­sprächs­part­ner, kön­ne sich je­der vor­stel­len, dass man dann für den Rest des Ta­ges „auch nicht mehr so gut drauf ist“.

Rück­bli­ckend er­in­nert We­ber an den Spät­herbst 2018 als die ers­ten

eh­ren­amt­li­chen Ar­bei­ten zur Vor­be­rei­tung des Sta­di­on­um­baus star­te­ten. „Von März bis Sep­tem­ber im ver­gan­ge­nen Jahr bin ich min­des­tens drei Mal pro Wo­che nach Wermelskir­chen in das Eifgen-Sta­di­on ge­fah­ren“, be­rich­tet Hen­ning We­ber, der in­zwi­schen in Bad Go­des­berg lebt: „Ich ha­be ja kein an­de­res Hob­by als den Null­neun.“

We­ber selbst bau­te un­ter an­de­rem die Be­schal­lungs­an­la­ge neu auf, die Fir­ma sei­nes Nach­fol­gers im ei­ge­nen Be­trieb die Flut­licht-An­la­ge. „Ich ha­be na­tür­lich mei­ne al­ten Freun­de an­ge­ru­fen und um Spen­den ge­be­ten. Au­ßer­dem ha­ben Ed­gar Mül­ler vom För­der­ver­ein und ich ei­ne Lis­te mit 300 Adres­sen bzw. An­sprech­part­ner zu­sam­men­ge­stellt – die ha­be ich noch nicht al­le ab­ge­ar­bei­tet“, hat sich Hen­ning We­ber für die nächs­ten Wo­chen selbst ei­ne „sport­li­che“Auf­ga­be ge­stellt.

Aus Sicht des Null­neun-För­der­ver­eins­vor­sit­zen­den und Null­neun-Eh­ren­vor­sit­zen­den ist der Kun­st­ra­sen­platz un­ab­ding­bar ge­we­sen: „Vie­le Kin­der sind uns weg­ge­lau­fen und zu be­nach­bar­ten Ver­ei­nen mit bes­se­ren Plät­zen ge­wech­selt.“Die­se Ent­wick­lung schei­ne sich zur Zeit be­reits zu ega­li­sie­ren: „Wir rech­nen da­mit, in der Sai­son 2020/2021 mit viel mehr Ju­gend­mann­schaf­ten als jetzt an­tre­ten zu kön­nen.“Ge­nau­so wie ein För­der­ver­ein wä­re ein Kun­st­ra­sen­platz ei­ne Vor­aus­set­zung für ei­nen flo­rie­ren­den Sport- und

Fuß­ball­ver­ein, meint Hen­ning We­ber: „Es ist ei­ne har­te, an­stren­gen­de Auf­ga­be, die un­heim­li­chen Idea­lis­mus von den Ak­ti­ven ver­langt. Al­le Funk­tio­nä­re müs­sen sich auch dar­über Ge­dan­ken ma­chen, was ne­ben dem Platz an­ge­bo­ten wird – nur so lässt sich Nach­wuchs ge­win­nen, för­dern und hal­ten.“

Der Sport-Ver­ein 09/35 als Haupt­ver­ein ha­be die Auf­ga­be, die Um­klei­de­ka­bi­nen im un­te­ren Ver­eins­heim zu sa­nie­ren und sau­ber zu hal­ten – da lie­ge noch ei­ni­ges im Ar­gen. „Aber an den an­de­ren Um­klei­den ist ja schon et­was ge­macht wor­den – ge­nau­so wie am Im­biss oder im Ver­eins­heim selbst.“

Der Ar­beits­kreis „Kun­st­ra­sen“, den die Null­neu­ner zum Plat­zum­bau grün­de­ten und dem der Eh­ren­vor­sit­zen­de Hen­ning We­ber an­ge­hört, wer­de im Lau­fe die­sen Jah­res „Ge­schich­te“: „Da ha­be ich mit wun­der­ba­ren Leu­ten und fei­nen Ker­len zu­sam­men­ge­ar­bei­tet – ich bin stolz dar­auf, da­bei ge­we­sen zu sein.“

FO­TO: STEPHAN SIN­GER

Hen­ning We­ber legt sich für den Eifgen-Kun­st­ra­sen­platz ins Zeug. Sein Herz schla­ge für Null­neun und Wermelskir­chen.

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