Grö­ne­mey­er kehrt heim Cordula Ka­b­litz-Post be­fasst sich nach ih­rer Kin­odo­ku­men­ta­ti­on über die To­ten Ho­sen als Nächs­tes mit der Tech­no­band Scoo­ter.

Der Sän­ger ar­bei­tet im Schau­spiel­haus Bochum an dem Stück „Her­bert“. In dem Thea­ter ver­dien­te er als 15-Jäh­ri­ger sein ers­tes Geld als Mu­si­ker.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Kultur - VON MAX FLO­RI­AN KÜH­LEM

BOCHUM

Her­bert Grö­ne­mey­er und Bochum – ob­wohl der 63-jäh­ri­ge Deutsch­rock-Barde seit den 1980er Jah­ren nicht mehr in der Ruhr­ge­biets­stadt lebt, ist das ei­ne hei­ße Lie­bes­be­zie­hung. Es macht dort schnell die Run­de, wenn er die Stadt, in der sei­ne Mut­ter bis zu ih­rem Tod im ver­gan­ge­nen Jahr ge­lebt hat und in der sein Bru­der Dietrich ein In­sti­tut für Mi­kro­the­ra­pie be­treibt, mal wie­der be­sucht, wenn er zu ve­ge­ta­ri­schem Su­shi und Ap­fel­schor­le in der Kn­ei­pen- und Re­stau­rant­mei­le Ber­mu­da-Drei­eck ein­ge­kehrt ist. Wenn das ört­li­che Ruhr­sta­di­on auf sei­nen Tour­ne­en au­ßen vor bleibt, ist das ein Skan­dal. Und wenn er nach Jahr­zehn­ten jetzt wie­der an ei­ner Pro­duk­ti­on am Schau­spiel­haus Bochum mit­wirkt, ist es ei­ne Sen­sa­ti­on. Die ist nun da: „Her­bert“soll sie hei­ßen, Re­gie führt Her­bert Fritsch, und am 21. März soll sie Pre­mie­re ha­ben.

Am Schau­spiel­haus Bochum, da hat­te al­les an­ge­fan­gen. Schon An­fang der 1970er Jah­re war man dort auf den jun­gen Mann auf­merk­sam ge­wor­den, der in Bands spiel­te seit er zwölf Jah­re alt war. Mit 15 ver­dien­te er am Thea­ter im Schlepp­tau sei­nes Schul­freun­des Clau­de-Oli­ver Ru­dolph sein ers­tes Geld als Pia­nist. Von den 23 Se­mes­tern, die er als Stu­dent der Mu­sik- und Rechts­wis­sen­schaf­ten an der Ruhr-Uni­ver­si­tät ein­ge­schrie­ben war, stu­dier­te er nur sechs. Den Rest der Zeit mu­si­zier­te und schau­spiel­te er auf der Büh­ne und im Fern­se­hen, ar­bei­te­te mit Pe­ter Za­dek, Pi­na Bausch und

Jür­gen Flimm. Bei den Dreh­ar­bei­ten zu Flimms Film „Uns reicht das nicht“lern­te er sei­ne spä­te­re Frau ken­nen, die Schau­spie­le­rin An­na Hen­kel, der er erst das Lied „An­na“und spä­ter, nach ih­rem Tod, „Der Weg“wid­me­te.

„An­na“war auf dem Al­bum „To­tal egal“(1982), des­sen Ti­tel die Auf­merk­sam­keit auf den Punkt bringt, die Grö­ne­mey­ers ers­te drei Plat­ten von Kri­tik und Pu­bli­kum be­kom­men ha­ben. „Der Weg“hin­ge­gen be­fin­det sich auf dem Al­bum „Mensch“(2002), mit dem er zum kom­mer­zi­ell er­folg­reichs­ten deut­sche Sän­ger al­ler Zei­ten wur­de.

Sei­nen Durch­bruch schaff­te Grö­ne­mey­er

1984 mit dem Al­bum „4630 Bochum“. Das Lied „Bochum“ist für die Men­schen der Stadt bis heu­te iden­ti­täts­stif­tend. Die Fans des VfL Bochum sin­gen es seit den 1990er Jah­ren vor je­dem Spiel im Sta­di­on, Eras­mus-Stu­die­ren­de ler­nen sei­nen Re­frain be­vor sie „Hal­lo“und „Auf Wie­der­se­hen“sa­gen kön­nen und tra­gen die­se Bot­schaft in die Welt: „Bochum, ich komm‘ aus dir! Bochum, ich häng‘ an dir!“Als Her­bert Grö­ne­mey­er den Song schrieb, war er schon nach Köln ge­zo­gen, das er­zähl­te er vor kur­zem Chris­toph Amend für des­sen Buch „Wie geht’s dir, Deutsch­land?“Der Au­tor ver­mu­tet: „Manch­mal braucht man Dis­tanz,

um zu ver­ste­hen, wo­her man kommt, wer man ist und war­um.“

Der Wunsch nach Dis­tanz wur­de im­mer grö­ßer, nach Berlin und Lon­don trieb es den Sän­ger. Aber zu­letzt lässt er sich wie­der häu­fi­ger in der Hei­mat bli­cken. Wenn Her­bert Grö­ne­mey­er heu­te zu öf­fent­li­chen An­läs­sen in Bochum er­scheint – wie 2016 zur Er­öff­nung des Mu­sik­fo­rums der Bochu­mer Sym­pho­ni­ker, für das er im Vor­feld mit ei­nem gro­ßen Be­ne­fiz­kon­zert Spen­den ge­sam­melt hat­te –, dann muss man ihn ir­gend­wann ab­schir­men. Sonst muss er hun­der­ten Men­schen er­klä­ren, war­um er nicht ein Konzert zu­guns­ten des ört­li­chen Ro­ta­ri­er-Clubs oder ei­ner Ki­ta-Grup­pe in ih­rer Ga­ra­ge spie­len kann. Aber die Men­schen ver­ste­hen das tat­säch­lich nicht: Er ist doch ei­ner von ih­nen – und gibt sich auch so.

An­ders als bei Lutz Hüb­ners „Bochum“, das 2013 un­ter An­selm We­bers In­ten­danz zwei Du­zend Songs von Grö­ne­mey­er zu ei­nem ruhr­pott-ro­man­ti­schen Sing­spiel ver­band, wird Grö­ne­mey­er an der Ins­ze­nie­rung „Her­bert“wirk­lich be­tei­ligt sein und Pro­ben be­su­chen. Seit Jah­ren ist er Fan des Ber­li­ner-Volks­büh­nen-Ge­wäch­ses Her­bert Fritsch, der erst als Schau­spie­ler, dann als Re­gis­seur („Mur­mel Mur­mel“) für Fu­ro­re sorg­te. Die bei­den ken­nen sich auch per­sön­lich, und Her­bert Grö­ne­mey­er lässt ver­lau­ten: „Fritsch darf al­les. Er darf mich zer­le­gen, zer­fled­dern, oh­ne Ehr­furcht, mit Witz. Wenn er mich da­bei braucht, bin ich zur Stel­le. Wenn nicht, bin ich ein­fach nur neu­gie­rig. Es le­be das Cha­os, der Fritsch‘sche Wahn­sinn.“

Her­bert Fritsch, der be­kannt ist für schrä­gen Hu­mor, Slap­stick und Mu­si­ka­li­tät in sei­nen Ins­ze­nie­run­gen, wird den Abend mit ei­nem En­sem­ble aus 15 Leu­ten ge­stal­ten – al­ler­dings oh­ne In­stru­men­te. „Ei­ne Spra­choper für Kopf, Bauch, Stimm­bän­der, Zwerch­fell und Glied­ma­ßen“, ver­kün­det das Schau­spiel­haus, „für Chor, oh­ne Orches­ter. Kein Mu­si­cal, ein View­si­cal, viel­leicht.“Was im­mer die deng­li­sche Wort­schöp­fung auch be­deu­ten mag, klar ist: Auf die Büh­ne kom­men „ex­ten­ded Hits“, al­so Hits in län­ge­ren oder an­de­ren Ver­sio­nen, und ly­ri­sche Ra­ri­tä­ten aus Grö­ne­mey­ers Fe­der, von Fritsch ge­formt zu neu­en Klang- und Ge­s­angs­er­leb­nis­sen.

Thea­ter-Spre­cher Alex­an­der Kru­se möch­te sich zwar nicht zu weit aus dem Fens­ter leh­nen, aber er lässt die Mög­lich­keit of­fen, dass Her­bert Grö­ne­mey­er für den Abend auch neue Mu­sik kom­po­niert oder Tex­te schreibt. „Und wir ge­hen da­von aus, dass er zur Pre­mie­re kommt.“

FO­TO: ROLAND WEIH­RAUCH/DPA

Her­bert Grö­ne­mey­er bei sei­nem Auf­tritt im Mai 2003 im Bochu­mer Ruhr­sta­di­on.

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