Klas­sen­fahr­ten we­gen Mob­bings ab­ge­sagt

Weil Leh­rer des Düs­sel­dor­fer Max-Planck-Gym­na­si­ums in so­zia­len Me­di­en be­lei­digt wur­den, hat die Schu­le ei­ni­ge Rei­sen ge­stri­chen. El­tern for­dern des­halb die Ab­set­zung der Schul­lei­tung. Die Rek­to­rin ist ent­setzt.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Nordrhein-westfalen - VON CHRISTIAN SCHWERDTFE­GER

DÜSSELDORF Co­rin­na Lo­win, seit drei Jah­ren Schul­lei­te­rin des Düs­sel­dor­fer Max-Planck-Gym­na­si­ums, ist er­schüt­tert über die zahl­rei­chen ne­ga­ti­ven Ein­trä­ge in den so­zia­len Me­di­en, die sich ge­gen Leh­rer ih­rer Schu­le rich­ten. In ei­nem Brief an die El­tern und Schü­ler, der un­se­rer Re­dak­ti­on vor­liegt, spricht sie des­halb von ei­ner schu­li­schen Kri­se. „In den ver­gan­ge­nen Wo­chen sind uns zahl­rei­che Ein­trä­ge in den so­zia­len Me­di­en (Ins­ta­gram, Whatsapp u.a.) be­kannt ge­wor­den, die sich in be­lei­di­gen­der, dif­fa­mie­ren­der und ruf­schä­di­gen­der Art ge­gen ei­ne gro­ße Zahl der Lehr­kräf­te rich­tet“, heißt es in dem Schrei­ben.

Es sei­en Per­sön­lich­keits­rech­te Ein­zel­ner ver­letzt und un­ter an­de­rem Bil­der ver­brei­tet wor­den, die un­er­laubt wäh­rend des Un­ter­richts ge­macht wor­den sei­en. „Die für uns bis­her na­ment­lich zu­ge­ord­ne­ten Ein­trä­ge sind in un­ter­schied­li­chen Jahr­gangs­stu­fen ver­or­tet und er­fah­ren ei­ne gro­ße Zu­stim­mung wei­te­rer Nut­zer durch be­wusst ge­setz­tes Li­ken.“

Um was für Be­lei­di­gun­gen es sich kon­kret han­delt, möch­te Lo­win auf An­fra­ge nicht sa­gen. „Sie sind aber sehr hef­tig“, sagt sie. Das Kol­le­gi­um sei tief be­trof­fen, zu­mal es an der Schu­le an­sons­ten im­mer ei­ne gu­te und of­fe­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Leh­rern und Schü­lern ge­ge­ben ha­be. „Wir emp­fin­den die Vor­fäl­le als zu­tiefst krän­kend und be­dau­ern es, dass das ge­sam­te Schul­le­ben zur­zeit sehr dar­un­ter lei­det“, heißt es in dem Brief an die El­tern und Schü­ler. Das Ver­trau­ens­ver­hält­nis zwi­schen Leh­rern und Schü­lern sei er­heb­lich ge­stört, das Si­cher­heits­ge­fühl an der Schu­le stark be­ein­träch­tigt.

Des­we­gen will die Schul­lei­tung ein deut­li­ches Zei­chen set­zen: Zu­nächst an­ste­hen­de au­ßer­un­ter­richt­li­che Ak­ti­vi­tä­ten wer­den nicht statt­fin­den, Klas­sen­fahr­ten wer­den ge­stri­chen. „Die Fach­schaf­ten Latein und Fran­zö­sisch wer­den die Fahr­ten nach Tri­er und Frank­reich im 9. Jahr­gang aus die­sem Grund nicht durch­füh­ren“, heißt in dem Schrei­ben. Ein Schü­ler­aus­tausch mit ei­ner Schu­le in Al­me­ría wür­de nur statt­fin­den, um die spa­ni­schen Kol­le­gen nicht zu ir­ri­tie­ren; au­ßer­dem ha­be man Sor­ge, den Kon­takt nach Spa­ni­en sonst zu ver­lie­ren.

Bei ei­ni­gen El­tern, de­ren Kin­der auf die Schu­le ge­hen, stößt die Maß­nah­me der Schul­lei­tung auf hef­ti­ge Kri­tik. In ei­nem Brief an das Gym­na­si­um und an das NRW-Schul­mi­nis­te­ri­um, der un­se­rer Re­dak­ti­on eben­falls vor­liegt, wird so­gar die Ab­set­zung der Rek­to­rin ge­for­dert. „Hier wird mit päd­ago­gi­schen

Fä­hig­kei­ten aus den 70er Jah­ren agiert. Dies ent­spricht nicht dem heu­ti­gen An­spruch an ei­ne mo­der­ne zu­kunfts­ge­rich­te­te Schul­lei­tung“, heißt es in dem mit „be­sorg­te El­tern“un­ter­schrie­be­nen, zwei­sei­ti­gen Brief. Wie vie­le El­tern an dem Schrei­ben be­tei­ligt sind, geht dar­aus nicht her­vor. Nur so viel: „Un­se­re Kin­der sind Schü­ler die­ser Schu­le. Wir kön­nen nicht dar­auf ver­trau­en, dass es kei­ne in­di­vi­du­ell ne­ga­ti­ven

Kon­se­quen­zen für die Kin­der gibt, wenn sie die­sem Schrei­ben zu­ge­ord­net wer­den kön­nen“, heißt es zur Er­klä­rung. Des­halb ha­be man das Schrei­ben an­onym ver­fasst. Die El­tern be­zeich­nen die Strei­chung der Klas­sen­fahr­ten als Kol­lek­tivstra­fe, die auch un­be­tei­lig­te Schü­ler trifft. „Es ist schon sehr na­iv, an­zu­neh­men, dass durch sol­che Maß­nah­men die An­fein­dun­gen ge­gen die Leh­rer auf­hö­ren. Das Ge­gen­teil wird ein­tre­ten“, so die El­tern. Dem­zu­fol­ge wür­den sich nun auch die zu Un­recht be­straf­ten Schü­ler ge­gen die be­trof­fe­nen Leh­rer wen­den.

Die El­tern he­ben in ih­rem Brief aber auch deut­lich her­vor, dass sie Mob­bing jeg­li­cher Art ver­ur­tei­len. „Wir sel­ber ken­nen die er­wähn­ten Bei­trä­ge nicht. Uns fehlt es je­doch nicht an Vor­stel­lungs­kraft, wie ver­let­zend und be­lei­di­gend das sein kann.“Aber die El­tern wür­den an der Schu­le Kon­zep­te ver­mis­sen, wie mit An­fein­dun­gen in den so­zia­len Me­di­en um­zu­ge­hen sei.

Lo­win will jetzt ver­su­chen, das Ver­trau­en zwi­schen Leh­rern und Schü­ler­schaft wie­der her­zu­stel­len. „Aber was da pas­siert ist, ist ein Ver­trau­ens­bruch. Das muss man klar so sa­gen“, er­klärt die Schul­lei­te­rin. „Ich ste­he hin­ter mei­nen Leh­rern. Und das Kol­le­gi­um steht auch hin­ter der Ent­schei­dung, die Klas­sen­fahr­ten nicht statt­fin­den zu las­sen.“Zu­vor ha­be es das Mob­bing-Pro­blem an der Schu­le nicht ge­ge­ben, zu­min­dest nicht in der Zeit, in der sie das Gym­na­si­um lei­te.

Um die Kri­se zu be­wäl­ti­gen, wür­den un­ter an­de­rem in den ach­ten und neun­ten Jahr­gän­gen Me­dien­schu­lun­gen durch ein Prä­ven­ti­ons­team der Po­li­zei statt­fin­den.

Zu­dem setzt die Rek­to­rin auch dar­auf, dass sich El­tern und Schü­ler zu Hau­se mit dem The­ma aus­ein­an­der­set­zen. „Wir hof­fen, durch die­se Maß­nah­men nach­hal­tig für ei­nen kri­ti­schen Um­gang mit so­zia­len Me­di­en zu sen­si­bi­li­sie­ren und bit­ten dar­um, dies auch zum The­ma im häus­li­chen Rah­men zu ma­chen“, heißt es ab­schlie­ßend in ih­rem Brief.

FOTO: ANDRE­AS ENDERMANN

Rund 900 Schü­ler be­su­chen das Max-Planck-Gym­na­si­um im Düs­sel­dor­fer Stadt­teil Stockum.

Brief der Schul­lei­tung an die El­tern und Schü­ler des Max-Planck-Gym­na­si­ums.

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