War­um NRW Olym­pia braucht

Der Deut­sche Olym­pi­sche Sport­bund hat sich klar für ei­ne Olym­pia-Be­wer­bung der Re­gi­on Rhein-Ruhr aus­ge­spro­chen. Das ist ein gu­tes Zei­chen für das Land, aber auch ei­ne Her­aus­for­de­rung.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Vorderseit­e - VON CHRIS­TI­NA RENT­MEIS­TER

Der Deut­sche Olym­pi­sche Sport­bund (DOSB) hat sich über­ra­schend­frü­h­und­deut­lich­für ei­ne Olym­pia-Be­wer­bung der Initia­ti­ve „Olym­pia Rhein-Ruhr-Ci­ty 2032“und ge­gen Berlin aus­ge­spro­chen. Das ist ein gu­tes Zei­chen für die olym­pi­sche Be­we­gung in Deutsch­land – und ein Etap­pen-Er­folg für die Initia­ti­ve aus Nord­rhein-West­fa­len. Für ei­ne er­folg­rei­che Be­wer­bung um Olym­pi­sche Spie­le sind kla­re Ver­hält­nis­se wich­tig. Wich­tig, um den Rück­halt in der Be­völ­ke­rung zu stär­ken. Wich­tig aber auch, um die Fi­nan­zie­rung der Spie­le zu si­chern. Denn ein Fi­nanz­plan steht noch nicht. Bis­her wird die Initia­ti­ve, die von Sport­ma­na­ger Micha­el Mronz aus­ging, pri­vat fi­nan­ziert. Das soll und kann aber nicht so blei­ben.

Für das Land wä­ren olym­pi­sche Som­mer­spie­le nicht nur aus sport­li­cher Sicht ein gro­ßes Er­eig­nis. Mi­nis­ter­prä­si­dent Ar­min La­schet (CDU) möch­te NRW zum Sport­land Num­mer eins ma­chen. Das wür­de mit Olym­pia ge­lin­gen. NRW be­kä­me die Chan­ce, sich der gan­zen Welt zu prä­sen­tie­ren – mit sei­nen Men­schen, sei­ner Land­schaft, sei­nen Wer­ten, aber auch mit sei­nen Un­ter­neh­men und Ver­ei­nen. Olym­pi­sche Spie­le ha­ben ei­nen nach­hal­ti­gen Ef­fekt, doch der war zu­letzt nicht im­mer po­si­tiv. Bei den Men­schen blie­ben die Bil­der von lang­wie­ri­gen Bau­stel­len für Sport­stät­ten hän­gen, die nach den Spie­len zu Rui­nen wur­den. Olym­pia in Rio, London oder Pe­king kos­te­ten die Städ­te meh­re­re Mil­li­ar­den Eu­ro und wur­den deut­lich teu­rer als die Or­ga­ni­sa­to­ren ge­plant hat­ten. Da­vor fürch­ten sich vie­le Men­schen.

Mün­chen und Hamburg wa­ren mit ih­ren Be­mü­hun­gen um die Win­ter­spie­le 2018 und 2022 und die Som­mer­spie­le 2024 an der Ab­leh­nung der Be­völ­ke­rung ge­schei­tert. In NRW gab es von Po­li­tik, Um­welt­ver­bän­den und aus der Be­völ­ke­rung bis­her kaum Wi­der­stand ge­gen die Idee von Olym­pia an Rhein und Ruhr. Das liegt zum ei­nen dar­an, dass die Ver­ant­wort­li­chen der Initia­ti­ve seit drei Jah­ren Ver­ei­ne, Po­li­tik und Wirt­schaft über ih­re Idee auf­klä­ren. Das liegt aber auch dar­an, dass rund 90 Pro­zent der be­nö­tig­ten Sport­stät­ten be­reits be­ste­hen, al­so nicht neu ge­baut wer­den müss­ten, und sich vor al­lem die 14 be­tei­lig­ten Städ­te von Olym­pia ei­nen Schub für Wirt­schaft und In­fra­struk­tur er­hof­fen. Wie ge­nau die fi­nan­zi­el­len Las­ten zwi­schen Bund, Land, Kom­mu­nen und pri­va­ten Spon­so­ren auf­ge­teilt wer­den sol­len, müs­sen die Ver­ant­wort­li­chen nun schleu­nigst klä­ren, um den Rück­halt in der Be­völ­ke­rung nicht zu ver­spie­len. Mronz peilt ei­ne „schwar­ze Null bei der Fi­nan­zie­rung an“. Das bis­he­ri­ge Kon­zept und die Un­ter­stüt­zung der Re­gi­on für das Vor­ha­ben ha­ben den DOSB über­zeugt. Der hat mit ei­ner re­prä­sen­ta­ti­ven Um­fra­ge „die Stim­mungs­la­ge an Rhein und Ruhr so­wie an der Spree er­mit­telt“. Die Um­fra­ge er­gab „ein er­freu­lich po­si­ti­ves Bild der Stim­mungs­la­ge in Rhein-Ruhr und in je­der der be­tei­lig­ten Kom­mu­nen“, sag­te DOSB-Prä­si­dent Al­fons Hör­mann. Das gab den Aus­schlag. Die Or­ga­ni­sa­to­ren kön­nen nun bei Wirt­schaft, Po­li­tik und In­ves­to­ren deut­lich kon­kre­ter für ihr Olym­pia-Pro­jekt wer­ben und sich um mög­li­che Grund­stü­cke – zum Bei­spiel für das Olym­pi­sche Dorf – be­mü­hen.

Die Initia­ti­ve „Rhein-Ruhr-Ci­ty“muss mehr denn je mit den Men­schen in der Re­gi­on spre­chen, sie be­tei­li­gen und sich Be­fürch­tun­gen an­hö­ren. Denn im lan­gen Pro­zess bis zu mög­li­chen Olym­pi­schen Spie­len wird es Kri­tik und Wi­der­stand ge­ben. Es wird nicht oh­ne Be­las­tun­gen für die Men­schen in der Re­gi­on ge­hen. Auch in NRW wer­den Stra­ßen­ar­bei­ten nö­tig sein, Bäu­me ge­fällt und Grund­stü­cke be­baut wer­den müs­sen. Die Men­schen müs­sen auf die­sem Weg mit­ge­nom­men wer­den. Denn nur dann kann das Pro­jekt Olym­pia er­folg­reich sein.

DÜSSELDORF Vi­el­leicht hat kei­ner beim Deut­schen Olym­pi­schen Sport­bund (DOSB) mit der Hart­nä­ckig­keit von Micha­el Mronz ge­rech­net. Man hat dem Ma­na­ger je­den­falls ziem­lich lan­ge die kal­te Schul­ter ge­zeigt. Mronz hat sich da­von nicht be­ir­ren las­sen und hin­ter den Ku­lis­sen Lob­by­ar­beit für sein An­lie­gen be­trie­ben: Olym­pi­sche Spie­le 2032 in der Re­gi­on RheinRuhr. Die Be­mü­hun­gen des Ma­na­gers ha­ben sich nun schon mal in Stu­fe eins aus­ge­zahlt: Der DOSB hat sich auf NRW als mög­li­chen deut­schen Be­wer­ber für das Groß­er­eig­nis fest­ge­legt.

„Wir freu­en uns, dass un­ser Kon­zept öko­lo­gisch und öko­no­misch nach­hal­ti­ger Spie­le an Rhein und Ruhr den DOS B über­zeugt “, sagt Micha­el Mronz,der­Be grün­der der Initia­ti­ve. Und Düs­sel­dorfs Ober bür­ger­meis­ter Tho­mas Gei­sel( SPD) sagt: „Wir kön­nen selbst­be­wusst den Hut in den Ring wer­fen.“Man wer­de al­les dar­an set­zen, „dass Olym­pia an Rhein und Ruhr Rea­li­tät wer­den kann“. Die Initia­ti­ve wer­de noch in die­sem Jahr über 200 Bür­ger dialog ver­an­stal­tun­gen in der Me­tro­pol­re­gi­on durch­füh­ren, sagt Mronz. Es soll nicht noch ein­mal der Feh­ler wie zum Bei­spiel bei der Be­wer­bung von Hamburg ge­macht wer­den, die Steu­er­zah­ler ein­fach nicht mit­zu­neh­men. Mönchengla­dbachs Ober bür­ger­meis­ter

Hans Wil­helm Rei­ners (CDU) dürf­te das be­grü­ßen. Er for­dert ei­ne kla­re Bür­ger­be­tei­li­gung: „Die soll­te aber lan­des­weit statt­fin­den. Es hilft nicht, wenn je­de Kom­mu­ne das ein­zeln macht. Der Rück­halt in der Be­völ­ke­rung ist sehr wich­tig.“

Auch NRW-Mi­nis­ter­prä­si­dent Ar­min La­schet zeigt sich er­freut über die DOSB-Ent­schei­dung: „Das Si­gnal des DOSB ist ei­ne groß­ar­ti­ge und er­mu­ti­gen­de Nach­richt für das Sport­land NRW. Wir in Nord­rhein-West­fa­len sind im bes­ten Sin­ne sport­ver­rückt und kön­nen au­ßer­dem die Nach­hal­tig­keit le­ben, die das IOC in sei­ner Agen­da 2020 als Ziel für die Zu­kunft for­mu­liert hat“, sagt La­schet. Olym­pi­sche Spie­le könn­ten ein ein­ma­li­ger Mo­tor für die ge­sam­te Me­tro­pol­re­gi­on Rhein-Ruhr sein, et­wa bei Mo­bi­li­tät, In­fra­struk­tur und Di­gi­ta­li­sie­rung.

„Im nächs­ten Schritt gilt es, na­tio­nal und dann mög­li­cher­wei­se in­ter­na­tio­nal die not­wen­di­gen Haus­auf­ga­ben zu ma­chen“, er­klär­te Mronz. Ei­ne vom DOSB in Auf­trag ge­ge­be­ne For­sa-Um­fra­ge hat­te „ein er­freu­lich po­si­ti­ves Bild der Stim­mungs­la­ge in Rhein-Ruhr und in je­der der be­tei­lig­ten Kom­mu­nen ge­zeich­net. DOSB-Prä­si­dent Al­fons Hör­mann hat­te er­klärt, dass da­mit Nord­rhein-West­fa­len mit die­ser Initia­ti­ve „ein­deu­tig die bes­se­re Aus­gangs­la­ge als der­zeit Berlin“für ei­ne mög­li­che Olym­pia-Kan­di­da­tur ha­be.

„Die Initia­ti­ve Rhein-Ruhr geht mit ei­nem be­mer­kens­wer­ten Pro­jek­t­an­satz an ei­ne mög­li­che Olym­pia-Be­wer­bung her­an“, sagt die SPD-Po­li­ti­ke­rin Dag­mar Frei­tag, Vor­sit­zen­de des Sport­aus­schus­ses im Bun­des­tag. Auch Andrea Milz, Staats­se­kre­tä­rin für Sport und Eh­ren­amt des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len, hält das Kon­zept der Initia­ti­ve für ge­nau rich­tig. Für die nächs­ten Schrit­te müs­se man aber die end­gül­ti­ge Ent­schei­dung des DOSB ab­war­ten. „Zu­nächst be­darf es ei­nes förm­li­chen Be­schlus­ses sei­tens des DOSB, sich wirk­lich für Olym­pi­sche und Pa­ralym­pi­sche Spie­le zu be­wer­ben. Ei­nen sol­chen Be­schluss kann nur die Mit­glie­der­ver­samm­lung des DOSB her­bei­füh­ren, die in die­sem Jahr am 5. De­zem­ber in Mün­chen zu­sam­men­kommt“, sagt Milz. Es sei wich­ti­ge, das ge­sam­te Land „bei die­ser groß­ar­ti­gen Idee von Olym­pi­schen und Pa­ralym­pi­schen Spie­len mit­zu­neh­men. Die Wir­kung gin­ge da­bei weit über Nord­rhein-West­fa­len hin­aus“.

Beim Lan­des­sport­bund (LSB) NRW ist man eben­falls ma­xi­mal be­geis­tert. Ste­fan Klett, Prä­si­dent des LSB, be­grüßt die DOSB-Vor­ent­schei­dung für die Re­gi­on RheinRuhr

aus­drück­lich. „Dies ist zu­nächst vor al­lem ein wun­der­ba­res Si­gnal für die wei­te­re Dy­na­mik in NRW als füh­ren­dem Sport­land bei die­sem The­ma, das al­le Sport­an­hän­ger elek­tri­siert. Gleich­zei­tig han­delt es sich um ei­ne Be­stä­ti­gung für die über­zeu­gen­de Kon­zep­ti­on – es sind bis­lang die rich­ti­gen Din­ge ge­macht wor­den“, sagt er im Ge­spräch mit die­ser Redaktion. „Als Lan­des­sport­bund wol­len wir ei­nen we­sent­li­chen Teil da­zu bei­tra­gen, dass die gro­ßen Chan­cen durch nach­hal­ti­ge Spie­le in NRW auch wirk­lich ge­nutzt wer­den – für un­se­re Sport­stät­ten, aber ins­be­son­de­re für die sport­li­che Ba­sis in den rund 18.300 Sport­ver­ei­nen im Land. Weil gleich 14 Städ­te ge­mein­sam über al­le Par­tei­gren­zen hin­weg die­se Be­geis­te­rung tei­len, ist es aus mei­ner Sicht be­reits schon ge­lun­gen, ei­ne un­ab­ding­ba­re po­si­ti­ve Stim­mungs­la­ge der Be­völ­ke­rung an Rhein und Ruhr zu er­zeu­gen – auch des­halb ist NRW ein­fach ei­ne gu­te Wahl. Dem DOSB bie­ten wir so­mit ger­ne an, ihm als star­ker Part­ner an der Ver­wirk­li­chung zur Sei­te zu ste­hen.“

Der LSB war nicht im­mer so eu­pho­risch. Denn es geht am En­de auch um die Fra­ge, wer die Macht in sei­nen Hän­den hält: der or­ga­ni­sier­te Sport, die Po­li­tik oder ei­ne Initia­ti­ve? Un­ter Wal­ter Schnee­loch, Vor­gän­ger von Klett, war es im­mer mal wie­der zu Dis­har­mo­ni­en ge­kom­men. Schnee­loch hat­te sich an dem for­schen Mronz ge­stört, der an Gre­mi­en vor­bei sei­ne In­ter­es­sen kon­se­quent um­setz­te. Mitt­ler­wei­le ha­ben sich die Par­tei­en auf­ein­an­der ab­ge­stimmt. Wie fest die Al­li­anz ist, wird sich zei­gen, wenn es ans Ein­ge­mach­te geht: die Ver­tei­lung der zen­tra­len Ele­men­te von Spie­len – dem olym­pi­schen Dorf, dem Me­di­en­zen­trum und ei­nem (kom­bi­nier­ten) Leichtathl­etik-Sta­di­on. Mronz hat im Vor­feld jeg­li­che Dis­kus­sio­nen um die­se emo­tio­na­len und po­li­tisch bri­san­ten Po­si­tio­nen nach Kräf­ten ver­mie­den. Nun wird er nicht mehr dar­um her­um kom­men, sich zu be­ken­nen.

Beim DOSB hat man auch des­halb so­lan­ge mit dem The­ma Olym­pia ge­ha­dert, weil die Be­mü­hun­gen in den ver­gan­ge­nen Jah­ren mit­un­ter an Dil­le­tan­tis­mus nicht mehr zu über­bie­ten wa­ren. Die­ses Mal sind die Vor­zei­chen min­des­tens viel­ver­spre­chend. Fin­det auch Hör­mann: „Wir ge­hen si­cher da­von aus, dass ei­ne deut­sche Be­wer­bung in der in­ter­na­tio­na­len Sport­fa­mi­lie erst ein­mal grund­sätz­lich ernst ge­nom­men und auch mit ei­nem ge­wis­sen Wohl­wol­len be­glei­tet wird.“In die glei­che Ker­be schlägt auch Ath­le­ten­spre­cher Max Har­tung aus Dormagen. Er sagt: „Ath­le­ten und Zu­schau­er ha­ben Ver­trau­en in die Or­ga­ni­sa­to­ren Olym­pi­scher Spie­le ver­lo­ren. Olym­pi­sche Spie­le in Deutsch­land mit neu­en Kon­zep­ten könn­ten ei­ne Chan­ce sein, die­ses Ver­trau­en wie­der her­zu­stel­len.“

FO­TO: BAUCH/KREBS.

Im Mön­chen­glad­ba­cher Bo­rus­sia-Park soll 2032 Ho­ckey ge­spielt wer­den.

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