Bo­ris Johnson will die un­mög­li­che Brü­cke

Der bri­ti­sche Pre­mier möch­te Schott­land und Nord­ir­land per See­brü­cke ver­bin­den. Da­zu bräuch­te es die höchs­ten Brü­cken-Tür­me der Welt.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Politik - VON JO­CHEN WITT­MANN

LONDON Bo­ris Johnson hat­te schon ei­ni­ge schrä­ge Ide­en, aber die­se kann teu­er wer­den: Der bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­ter plant, ei­ne Brü­cke zwi­schen Schott­land und Nord­ir­land quer über die Iri­sche See zu bau­en. Kos­ten: ge­schätzt 24 Mil­li­ar­den Eu­ro. „Das Pro­blem“, hat­te Johnson vor gut ei­nem Jahr ge­sagt, „ist nicht Man­gel an Geld. Das Pro­blem ist ein feh­len­der po­li­ti­scher Wil­le.“Jetzt will er das Pro­jekt an­ge­hen. Ein Spre­cher der Re­gie­rung be­stä­tig­te, dass ein Be­am­ten­stab da­mit be­auf­tragt wur­de, ei­ne Mach­bar­keits­stu­die für die See­brü­cke vor­zu­neh­men.

Die Idee ist nicht neu, schon seit Jahr­zehn­ten gab es ähn­li­che Über­le­gun­gen, die Lan­des­tei­le im Nor­den mit­ein­an­der zu ver­bin­den. Für Johnson, der sich nach Amts­an­tritt selbst den zu­sätz­li­chen Ti­tel „Mi­nis­ter für die Uni­on“ge­ge­ben hat­te, wä­re ei­ne sol­che Brü­cke zwi­schen Schott­land und Nord­ir­land von enor­mer Sym­bol­kraft, will er doch nach er­folg­tem Br­ex­it die aus­ein­an­der­drif­ten­den Lan­des­tei­le zu­sam­men­hal­ten. Doch die prak­ti­schen

Pro­ble­me sind ex­or­bi­tant. Die bis zu 45 Ki­lo­me­ter lan­ge Brü­cke zwi­schen dem schot­ti­schen Port­pa­trick und dem nord­iri­schen Lar­ne wür­de über ei­nem Teil der Iri­schen See ver­lau­fen, wo sie bis zu 300 Me­ter tief ist. Das be­deu­tet, dass man Tür­me, die die Brü­cke hal­ten, bau­en müss­te, die bis zu 460 Me­ter hoch sind. Das wur­de bis­her noch nir­gends auf der Welt ver­sucht. Da­zu kommt, dass im Was­ser­gra­ben Be­aufort Dy­ke nach dem Zwei­ten Welt­krieg mehr als ei­ne Mil­li­on Ton­nen Bom­ben ent­sorgt wur­den – ein Alb­traum für je­den In­ge­nieur, dort zu boh­ren. Und

Atom­müll aus bri­ti­schen Nu­kle­ar­kraft­wer­ken liegt dort auch her­um.

Das schreckt Johnson nicht, der schon im­mer ei­ne Vor­lie­be für Groß­pro­jek­te ge­habt hat. Als er noch Bür­ger­meis­ter von London war, schlug er ei­nen Flug­ha­fen in der Them­se­mün­dung vor. Auch für ei­ne „Gar­ten­brü­cke“über der Them­se er­wärm­te er sich und in­ves­tier­te da­für rund 44 Mil­lio­nen Pfund an öf­fent­li­chen Geldern. Ge­baut wur­de sie eben­so we­nig wie der Flug­ha­fen. Selbst für ei­ne Brü­cke zwi­schen Groß­bri­tan­ni­en und Frank­reich über dem Är­mel­ka­nal hat er sich stark ge­macht.

Doch Johnson meint es ernst mit ei­nem an­de­ren, noch wei­t­aus am­bi­tio­nier­te­rem Pro­jekt. Er gab am Di­ens­tag im Par­la­ment grü­nes Licht für den Aus­bau der Bahn­li­nie „High Speed 2“(HS2). Die Hoch­ge­schwin­dig­keit­stras­se soll London mit Bir­ming­ham, Manchester und Leeds ver­bin­den. „Kon­nek­ti­vi­tät“, sei es beim Bahn- und Bus­ver­kehr oder beim Aus­bau des Mo­bil­funk­net­zes, ist sein Zau­ber­wort, um den struk­tur­schwa­chen Re­gio­nen im Nor­den des Lan­des auf die Bei­ne zu hel­fen. Frei­lich ist auch HS2, im­mer­hin das größ­te In­fra­struk­tur­pro­jekt Eu­ro­pas, nicht un­um­strit­ten. Vor al­lem das Preis­schild be­un­ru­higt: Seit der Pla­nung 2011 ha­ben sich die Kos­ten des Pro­jekts ver­drei­facht auf zu­letzt 106 Mil­li­ar­den Pfund, um­ge­rech­net sat­te 125 Mil­li­ar­den Eu­ro.

Was die Bo­ris-Brü­cke in der Iri­schen See an­geht, so hält die schot­ti­sche Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Ni­co­la Stur­ge­on da­von nicht viel. Johnson sol­le lie­be das vie­le Geld Schott­land ge­ben. „Bo­ris Johnson hat in sei­ner Kar­rie­re schon vie­le Brü­cken ver­spro­chen“, ätz­te sie, „aber mei­nes Wis­sens hat er nie ei­ne ge­lie­fert.“

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