Ver­dop­pelt Schul­den

Im ers­ten Quar­tal fährt der Kon­zern ei­nen hö­he­ren Ver­lust ein als im ge­sam­ten letz­ten Ge­schäfts­jahr. Das er­höht den Ver­kaufs­druck.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Wirtschaft - VON MA­XI­MI­LI­AN PLÜCK

ES­SEN Thys­sen­krupp ent­wi­ckelt sich zu­se­hends zu ei­ner Geld­ver­bren­nungs­ma­schi­ne. In den ers­ten drei Mo­na­ten des Ge­schäfts­jah­res hat der In­dus­trie­kon­zern mit ei­nem Net­to­ver­lust von 372 Mil­lio­nen Eu­ro ein hö­he­res Mi­nus ein­ge­fah­ren als im ge­sam­ten Vor­jahr. Ver­ant­wort­lich war da­für vor al­lem das Stahl­ge­schäft mit ei­nem ne­ga­ti­ven Er­geb­nis von 166 Mil­lio­nen Eu­ro. Die Schul­den stie­gen ge­gen­über dem vor­an­ge­gan­ge­nen Quar­tal von 3,7 auf 7,1 Mil­li­ar­den Eu­ro, wie Fi­nanz­vor­stand Jo­han­nes Dietsch er­klär­te. Das ist na­he­zu ei­ne Ver­dopp­lung. Die Ei­gen­ka­pi­tal­quo­te sank auf er­schre­ckend nied­ri­ge 5,4 Pro­zent. „Un­ge­wöhn­lich für ei­nen Kon­zern“, räum­te der Ma­na­ger ein. Noch Mit­te der 2000er Jah­re ha­be sie bei mehr als 30 Pro­zent ge­le­gen. „Ei­ne sol­che Quo­te wä­re durch­aus aus­kömm­lich für ei­nen breit auf­ge­stell­ten In­dus­trie­kon­zern wie Thys­sen­krupp“, kom­men­tier­te Dietsch.

Er er­klär­te, dass ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro des Ver­lus­tes auf­grund neu­er Bi­lan­zie­rungs­re­geln für Lea­sing-Ver­pflich­tun­gen ent­stan­den sei­en. Der Rest kommt je­doch auf­grund von Mit­tel­ab­flüs­sen zu­stan­de (ne­ga­ti­ver Cash-Flow). Da­rin ent­hal­ten ist die Kar­tell­stra­fe, die Thys­sen­krupp nach Preis­ab­spra­chen mit Wett­be­wer­bern bei Grob­ble­chen be­glei­chen muss­te.

Dem Es­se­ner Kon­zern läuft die Zeit da­von. Bis En­de Sep­tem­ber hat der Fi­nanz­vor­stand Zeit, um den Ver­schul­dungs­grad zu drü­cken.

Mit dem Ablauf des Ge­schäfts­jah­res En­de Sep­tem­ber wird of­fi­zi­ell das so­ge­nann­te Gea­ring fest­ge­stellt, al­so das Ver­hält­nis von Fi­nanz­schul­den zum Ei­gen­ka­pi­tal. Der­zeit liegt es bei er­schre­cken­den 380 Pro­zent. Für ei­ne Kre­dit­li­nie hat­te der Kon­zern den Ban­ken die Zu­sa­ge ge­macht, dass das Gea­ring nicht über 200 Pro­zent stei­gen wer­de. Dietsch gab als Ziel aus, dass der Kon­zern wie­der kurz­fris­tig un­ter die­se Mar­ke kom­men müs­se.

Ge­lin­gen soll dies durch die Ver­sil­be­rung der Auf­zug­s­par­te. „ Auf­grund des sehr kom­pe­ti­ti­ven Bie­ter­um­fel­des sind wir im Mo­ment sehr stark un­ter­wegs, die Ver­kaufs­op­tio­nen ein­ge­hend mit den ver­blei­ben­den Bie­tern zu ver­han­deln. Das ist das, was uns der­zeit sehr stark be­schäf­tigt“, sag­te Dietsch. Den­noch sei auch ein Bör­sen­gang wei­ter mög­lich. Ei­ne Ent­schei­dung sol­le noch in die­sem Mo­nat fal­len. „Wir sind auf der Ziel­ge­ra­den. Im Mo­ment ana­ly­sie­ren wir die An­ge­bo­te.“

Dietsch wies dar­auf hin, dass der

Ver­kauf an ei­nen stra­te­gi­schen In­ves­tor da­zu füh­ren wer­de, dass das Geld erst nach ei­ner um­fang­rei­chen Kar­tell­prü­fung flie­ßen wer­de. „Das muss be­rück­sich­tigt wer­den, wenn wir zu der Ent­schei­dung kom­men.“

Deu­tet al­so al­les auf ei­nen Zu­schlag für ei­nen Fi­nanz­in­ves­tor hin? Im La­ger der stra­te­gi­schen In­ves­to­ren herrscht Kopf­schüt­teln dar­über, dass aus­ge­rech­net die Ar­beit­neh­mer sich für ei­ne sol­che Lö­sung stark ma­chen statt auf ei­nen di­rek­ten Kon­kur­ren­ten wie Ko­ne oder Hit­a­chi zu set­zen. Bei den Pri­va­te-Equi­ty-Fir­men be­ste­he die Ge­fahr, so die Ar­gu­men­ta­ti­on, dass die­se den Un­ter­neh­mens­kauf über­wie­gend mit Kre­di­ten fi­nan­zier­ten, die auf­ge­nom­me­nen Schul­den dann an­schlie­ßend mit dem von Ele­va­tor ver­dien­ten Geld wie­der be­glei­chen wür­den und sich dann wie­der aus dem Un­ter­neh­men zu­rück­zö­gen.

„Wir wol­len ei­ne nach­hal­ti­ge Stand­ort- und Ar­beits­platz­si­cher­heit im Auf­zug­ge­schäft von Thys­sen­krupp“, hielt der NRW-Be­zirks­lei­ter der IG Me­tall, Knut Gies­ler, dem ent­ge­gen. „Das schließt ein kurz­fris­ti­ges pro­fit­ori­en­tier­tes En­ga­ge­ment von In­ves­to­ren ge­nau­so aus, wie ein Zer­schla­gen der be­währ­ten Struk­tu­ren bei Ele­va­tor.“Man wer­de nicht zu­las­sen, dass die Be­schäf­tig­ten dem Fi­nanz­markt zum Fraß vor­ge­wor­fen wer­den. „Des­halb for­dern wir ja ei­ne lang­jäh­ri­ge Be­schäf­ti­gungs­si­che­rung in al­len Fäl­len. Das ist der Maß­stab, mit dem wir in die Ge­sprä­che mit al­len Bie­tern ge­hen.“

FOTO: DPA

Ein Stahl­ar­bei­ter steht in Duis­burg am Hoch­ofen. Die Stahl­spar­te ist maß­geb­lich für das schlech­te Er­geb­nis ver­ant­wort­lich.

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