Co­ro­na­vi­rus be­las­tet Wirt­schaft im­mer stär­ker

Der Ver­si­che­rungs­kon­zern schafft ope­ra­tiv zum fünf­ten Mal in Fol­ge ei­nen Re­kord­ge­winn und er­höht die Di­vi­den­de ein wei­te­res Mal. Das soll 2020 so wei­ter­ge­hen. Der Um­bau des Un­ter­neh­mens ist in vol­lem Gan­ge.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Vorderseit­e -

PE­KING/FRANKFURT (rtr) Die Aus­brei­tung des Co­ro­na­vi­rus schürt zu­neh­mend Sor­gen vor ei­ner nach­hal­ti­gen Be­las­tung der Wirt­schafts­ent­wick­lung vor al­lem in Asi­en. Wäh­rend der Ex­port­welt­meis­ter Chi­na we­gen der Epi­de­mie ei­nen Dämp­fer für den Au­ßen­han­del er­war­tet, ver­scho­ben die ja­pa­ni­schen Au­to­bau­er Nis­san und Hon­da am Frei­tag die Wie­der­auf­nah­me ih­rer Pro­duk­ti­on in der Volks­re­pu­blik, die zu­gleich der größ­te Au­to­markt der Welt ist. Ak­ti­en­märk­te in Asi­en und Eu­ro­pa ge­rie­ten un­ter Druck. Zu­gleich stieg der Preis der Kri­sen­an­la­ge Gold auf ein Sie­ben­jah­res­hoch.

Um die Epi­de­mie ein­zu­däm­men, ste­hen in Chi­na zahl­rei­che Fa­b­ri­ken still. An­de­re ha­ben Schwie­rig­kei­ten, ih­re Pro­duk­ti­on wie­der hoch­zu­fah­ren, da es we­gen der Zwangs­pau­se und der Ver­kehrs­be­schrän­kun­gen an Ar­beits­kräf­ten, Roh­stof­fen und Vor­pro­duk­ten man­gelt. In der ers­ten Fe­bru­ar­hälf­te brach der Au­to­ab­satz in Chi­na um 92 Pro­zent ein. In den ers­ten 16 Ta­gen des Mo­nats wur­den le­dig­lich 4909 Fahr­zeu­ge ver­kauft, nach­dem es im Vor­jah­res­zeit­raum 59.930 wa­ren, wie der Bran­chen­ver­band CPCA mit­teil­te.

Das Han­dels­mi­nis­te­ri­um lässt un­ter­su­chen, wel­che steu­er­li­chen, fi­nan­zi­el­len und ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Maß­nah­men ge­eig­net sind, um den Un­ter­neh­men zu hel­fen. Vie­le er­war­ten, dass aus­län­di­sche Fir­men in den meis­ten Tei­len des Lan­des bis En­de Fe­bru­ar ih­re Pro­duk­ti­on wie­der auf­neh­men wer­den.

MÜN­CHEN (rtr) Die Al­li­anz lässt sich von Pro­ble­men in der In­dus­trie-Ver­si­che­rungs-Spar­te kaum brem­sen. Eu­ro­pas größ­ter Ver­si­che­rer er­wirt­schaf­te­te im ver­gan­ge­nen Jahr zum fünf­ten Mal in Fol­ge ope­ra­tiv ei­nen Re­kord­ge­winn. Mit rund 11,9 Mil­li­ar­den Eu­ro lag das Be­triebs­er­geb­nis am obe­ren Rand der ei­ge­nen Er­war­tun­gen. Da­bei muss­te die In­dus­trie­ver­si­che­rungs-Toch­ter AGCS 600 Mil­lio­nen Eu­ro für Schä­den nach­re­ser­vie­ren.“Es gibt im­mer die ei­ne oder an­de­re Sa­che, die nicht so läuft,“sag­te Vor­stands­chef Oli­ver Bä­te am Frei­tag in Mün­chen. Doch mach­ten ihn mas­siv an­zie­hen­de Prei­se für die Spar­te zu­ver­sicht­lich. Im neu­en Jahr soll das Er­geb­nis trotz der nied­ri­gen Zin­sen wei­ter stei­gen. Dann will die Al­li­anz ope­ra­tiv ei­nen Ge­winn von bis zu 12,5 Mil­li­ar­den Eu­ro schaf­fen.

In der In­dus­trie­ver­si­che­rung schreibt die Al­li­anz schon seit ei­ni­ger Zeit Ver­lus­te. „Wir ha­ben ein biss­chen Haus­auf­ga­ben zu er­le­di­gen“, räum­te Fi­nanz­vor­stand Gi­ulio Terza­ri­ol ein. Das sei aber nicht nur ein Pro­blem von AGCS. Al­le In­dus­trie­ver­si­che­rer lit­ten dar­un­ter, dass die Schä­den wüch­sen. Die Al­li­anz hat im Herbst den AGCS-Chef aus­ge­tauscht; der von Al­li­anz Deutsch­land ge­kom­me­ne Joa­chim Mül­ler soll die Spar­te wie­der auf Vor­der­mann brin­gen. Seit An­fang des Jah­res sind die Prei­se nach An­ga­ben von Ana­lys­ten um fast zehn Pro­zent ge­stie­gen.

Die 600 Mil­lio­nen Eu­ro an Rück­stel­lun­gen drück­ten AGCS 2019 mit 284 Mil­lio­nen Eu­ro in die ro­ten Zah­len. Das be­scher­te der er­folgs­ver­wöhn­ten Scha­den- und Un­fall-Spar­te ei­nen Rück­gang des Ge­winns um zwölf Pro­zent auf fünf Mil­li­ar­den Eu­ro. Ge­tra­gen wur­de das Kon­zern­er­geb­nis 2019 von der Le­bens­und Kran­ken­ver­si­che­rungs-Spar­te, in der die Al­li­anz seit Jah­ren mit Er­folg auf Po­li­cen oh­ne le­bens­lan­ge Ga­ran­ti­en setzt, die viel we­ni­ger Ka­pi­tal bin­den. Sie ver­bes­ser­te den ope­ra­ti­ven Ge­winn um 500 Mil­lio­nen auf 4,7 Mil­li­ar­den Eu­ro. Die Ver­mö­gens­ver­wal­ter Pim­co und Al­li­anz Glo­bal In­ves­tors sam­mel­ten zu­sam­men 76 Mil­li­ar­den Eu­ro fri­sches Ka­pi­tal ein. Ins­ge­samt ver­wal­ten sie nun 2,27 Bil­lio­nen Eu­ro – so viel wie nie zu­vor.

Der Um­bau des Ver­si­che­rungs­kon­zerns ist in vol­lem Gang. Vor­stands­chef Bä­te durch­fors­tet die Pro­dukt­viel­falt und ver­sucht über die Au­to­ver­si­che­rung hin­aus län­der­über­grei­fend ein­heit­li­che Po­li­cen an­zu­bie­ten. „In dem Mo­ment, wo wir Kom­ple­xi­tät her­aus­neh­men, wird al­les schnel­ler und güns­ti­ger. Dann kom­men Kun­den wie­der, die wir ver­lo­ren ha­ben.“Das „sys­te­ma­ti­sche Ab­schal­ten von al­ten Pro­duk­ten und Sys­te­men“ste­he im Vor­der­grund. Da­bei sei­en auch Rück­schlä­ge mög­lich, räum­te Bä­te ein: „Wenn man sich so ein Neu­schwan­stein ge­baut hat, ist das nicht so ein­fach. Wir wol­len ja nicht ab­rei­ßen, son­dern um­bau­en.“Auch im Ver­trieb soll sich die Pro­duk­ti­vi­tät ver­bes­sern.

Gro­ßen Über­nah­men er­teil­te Bä­te ei­ne Ab­sa­ge: „Ich wer­de oft ge­fragt: Wann kommt der nächs­te Me­ga-De­al? Auch über­mor­gen kommt er nicht.“Statt­des­sen ar­bei­tet die Al­li­anz dar­an, die Po­si­ti­on in ein­zel­nen Län­dern mit klei­ne­ren Zu­käu­fen wie zu­letzt in Groß­bri­tan­ni­en und Bra­si­li­en zu ver­bes­sern.

2019 blie­ben un­ter dem Strich rund 7,9 Mil­li­ar­den Eu­ro Ge­winn, sechs Pro­zent mehr als ein Jahr zu­vor. Die Di­vi­den­de soll auf 9,60 (2018: 9,00) Eu­ro stei­gen. Daysx wä­re die sieb­te Er­hö­hung in Fol­ge. Da­zu kommt ein wei­te­res Ak­ti­en­rück­kauf­pro­gramm über 1,5 Mil­li­ar­den Eu­ro. Das Ka­pi­tal­pols­ter ist dick ge­nug: Die Sol­vency-II-Quo­te lag En­de 2019 trotz der nied­ri­gen Zin­sen bei 212 (2018: 229) Pro­zent. Der Um­satz - Ver­si­che­rungs­prä­mi­en und Fonds­ge­büh­ren - wuchs um acht Pro­zent auf 142,4 Mil­li­ar­den Eu­ro.

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