Sie­ben Wo­chen kei­nen Keks beim Kaf­fee.

Christine Eg­ger­mann ver­zich­tet ab heu­te auf Sü­ßig­kei­ten – bis Os­tern wird ge­fas­tet.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Wermelskir­chener Anzeiger - VON THE­RE­SA DEMSKI

WER­MELS­KIR­CHEN Manch­mal greift Christine Eg­ger­mann nach dem Mit­tag­es­sen fast au­to­ma­tisch zu der Keks­do­se. Wenn der Kaf­fee im Bü­ro durch­ge­lau­fen ist, gönnt sie sich für ge­wöhn­lich den sü­ßen Mo­ment, be­vor sie an den Schreib­tisch zu­rück­kehrt. „In der Fas­ten­zeit wer­de ich spä­tes­tens in die­sem Mo­ment dar­an er­in­nert: Bald ist Kar­frei­tag und bald ist Os­tern“, sagt die 41-Jäh­ri­ge. Denn Christine Eg­ger­mann ver­zich­tet in den nächs­ten sie­ben Wo­chen auf Sü­ßig­kei­ten. Das gilt für den Keks zum Kaf­fee und das gilt für die Scho­ko­la­de, zu der sie an stres­si­gen Ta­gen sonst ger­ne mal greift. Leicht wer­de das nicht. „Und wenn ich zu Ge­burts­ta­gen ein­ge­la­den wer­de, neh­me ich aus Höf­lich­keit auch mal das Stück Tor­te an“, sagt sie. Aber die Scho­ko­la­de ist fürs ers­te aus der Schreib­tisch­schub­la­de der Da­ten­bank­ad­mi­nis­tra­to­rin ver­schwun­den, ge­nau­so wie die Kek­se.

„Ich bin mit der Tra­di­ti­on des Fas­tens auf­ge­wach­sen“, er­zählt sie und er­in­nert sich an Kin­der­ta­ge, in de­nen El­tern und Groß­el­tern wäh­rend der Fas­ten­zeit kon­se­quent auf Al­ko­hol ver­zich­te­ten. „Wir kann­ten die

Ge­schich­te von Je­sus, der in der Wüs­te 40 Ta­ge fas­tet“, er­in­nert sich Christine Eg­ger­mann. Und nun ta­ten es ihm die Er­wach­se­nen eben nach. Erst als sie äl­ter wur­de, auch mit Freun­den und Kol­le­gen mit ka­tho­li­scher Tra­di­ti­on ins Ge­spräch kam und sich ih­re ei­ge­nen Ge­dan­ken zur Fas­ten­zeit mach­te, ent­schied sie sich für den Ver­zicht auf

Sü­ßig­kei­ten. Und sie ent­deck­te: Das Fas­ten sorg­te gleich für meh­re­re Er­kennt­nis­se. „Man wird sich sei­ner ei­ge­nen Ge­wohn­hei­ten et­was be­wuss­ter“, sagt sie. Wel­che Din­ge sind ei­nem wich­tig? Wor­auf kann man ver­zich­ten? Au­ßer­dem set­ze die Zeit auch Krea­ti­vi­tät frei: „Denn ich woll­te es nicht beim Ver­zich­ten be­las­sen“, er­zähl­te sie. Kör­per und Geist soll­ten von den sie­ben Wo­chen vor Os­tern pro­fi­tie­ren. Bei­de sei­en oft so über­sät­tigt. In der Fas­ten­zeit wol­le sie nun ge­gen­wir­ken: Al­so ent­schied sie sich, dem Ver­zicht auch ein „Mehr“von an­de­ren Din­gen ent­ge­gen­zu­set­zen.

Für Christine Eg­ger­mann be­deu­tet das, mehr Zeit mit der Fa­mi­lie und Freun­den zu ver­brin­gen, statt die CD ein­zu­le­gen ein Kon­zert zu be­su­chen und auch ein­fach mal ei­nen Aus­flug zu ma­chen, statt die Bei­ne hoch­zu­le­gen.

Auch für ih­ren ei­ge­nen Glau­ben wur­de das Fas­ten zum Ge­winn: „Ich ha­be Os­tern schon vor Au­gen“, sagt sie. Und da­mit ver­bun­den die gro­ße Heils­bot­schaft: „Je­sus hat mei­ne Sün­den auf sich ge­nom­men und ist da­für ge­stor­ben. Seit­dem ist mir Got­tes Gna­de ge­wiss.“Und um die­se Hoff­nung nicht aus dem Blick zu ver­lie­ren, sucht Christine Eg­ger­mann wäh­rend des Fas­tens wie den Rest des Jah­res auch, den Kon­takt zu ih­rer Ge­mein­de in Neu­en­haus. Im Ste­pha­nus-Ge­mein­de­zen­trum fin­det je­den Mitt­woch­abend um 19 Uhr ei­ne Pas­si­ons­an­d­acht statt. Auch zu Ge­sprächs­aben­den lädt die Ge­mein­de ein. Die ste­hen un­ter dem Ti­tel „Zu­ver­sicht – Sie­ben Wo­chen oh­ne Pes­si­mis­mus“und rich­ten sich an der Fas­ten­ak­ti­on „Sie­ben Wo­chen oh­ne“der Evan­ge­li­schen Kir­che aus.

Und noch et­was be­glei­tet Christine Eg­ger­mann im Fas­ten: „In die­sen Wo­chen be­rei­ten wir un­ser Kin­der­pro­gramm für die Os­ter­fe­ri­en vor“, sagt sie. Da rich­te sich dann schon der Blick auf die vie­len ver­schie­de­nen Men­schen in der Pas­si­ons­ge­schich­te. „Das al­les macht die Zeit vor Os­tern für mich zu be­son­de­ren Wo­chen“, sagt sie. Und sie schü­ren die Vor­freu­de – auf die Os­ter­nacht im Al­ten­ber­ger Dom, wenn aus der Dun­kel­heit der Nacht erst hel­ler Ker­zen­schein und dann Ta­ges­licht wird, auf das fröh­li­che Os­ter­läu­ten und auf den ers­ten Keks zum Kaf­fee. „Und der schmeckt dann viel bes­ser als al­le Kek­se zu­vor“, sagt Christine Eg­ger­mann la­chend.

FOTO: THE­RE­SA DEMSKI

Sie­ben Wo­chen oh­ne: Christine Eg­ger­mann ver­zich­tet wäh­rend der Fas­ten­zeit auf Sü­ßig­kei­ten - und pflegt die Vor­freu­de auf die Os­ter­nacht.

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