Bund rich­tet Co­ro­na-Kri­sen­stab ein

In NRW gibt es jetzt vier In­fek­ti­ons­fäl­le, die zu­sam­men­hän­gen, so­gar ein Kli­nik­arzt aus Mön­chen­glad­bach ist be­trof­fen. Da­zu kom­men vier neue Er­kran­kun­gen in Ba­den-Würt­ten­berg. Mi­nis­ter Spahn sieht den Be­ginn ei­ner Epi­de­mie.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Vorderseit­e -

GAN­GELT/DÜS­SEL­DORF (agr/csh/ ja­co/qua) We­gen der Aus­brei­tung des neu­ar­ti­gen Co­ro­na­vi­rus in Deutsch­land bil­det die Bun­des­re­gie­rung ei­nen Kri­sen­stab. Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer (CSU) und Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) wol­len an die­sem Don­ners­tag über die Ein­rich­tung in­for­mie­ren. Spahn sag­te, Deutsch­land ste­he am Be­ginn ei­ner Epi­de­mie.

Am Di­ens­tag und Mitt­woch war be­kannt ge­wor­den, dass sich ein Ehe­paar aus dem Kreis Heins­berg, ein Sol­dat vom Stand­ort KölnWahn, ei­ne Per­son in Mön­chen­glad­bach und vier Men­schen in Ba­den-Würt­tem­berg mit dem Vi­rus in­fi­ziert hat­ten. Ver­dachts­fäl­le wur­den un­ter an­de­rem auch in Le­ver­ku­sen, Mön­chen­glad­bach und Mo­ers ge­mel­det.

Das Ehe­paar aus dem Kreis Heins­berg sei in den ver­gan­ge­nen Ta­gen mit zahl­rei­chen Men­schen in Kon­takt ge­kom­men, sag­te NRW-Ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl-Jo­sef Lau­mann (CDU). Die bei­den, die in der Nacht zu Mitt­woch in die Düs­sel­dor­fer Uni­ver­si­täts­kli­nik ge­bracht wur­den, hät­ten noch zwei Wo­chen am ge­sell­schaft­li­chen Le­ben teil­ge­nom­men. We­gen der lan­gen In­ku­ba­ti­ons­zeit des Vi­rus – in der Re­gel 14 Ta­ge – hät­ten bei­de al­so ei­ne Viel­zahl von Men­schen an­ste­cken kön­nen. Der Ge­sund­heits­zu­stand des 47-jäh­ri­gen Man­nes ist wei­ter­hin kri­tisch.

Wie groß der Per­so­nen­kreis ist, mit dem das Paar Kon­takt hat­te, ist nicht ein­deu­tig. Der Ehe­mann hat­te am Kar­ne­val in der Ge­mein­de Gan­gelt teil­ge­nom­men. Land­rat Ste­phan Pusch nann­te aus­drück­lich den Be­such ei­ner Sit­zung in Gan­gelt-Lang­b­roich. Zahl­rei­che Kon­takt­per­so­nen müss­ten in häus­li­che Qua­ran­tä­ne, sag­te Lau­mann. Haupt­ziel sei es, die In­fek­ti­ons­ket­ten zu un­ter­bre­chen. Ein Bun­des­wehr­sol­dat, der auf der­sel­ben Kar­ne­vals­fei­er war, wur­de auch po­si­tiv auf das Co­ro­na­vi­rus ge­tes­tet. Der Sol­dat be­fin­det sich der­zeit im Bun­des­wehr­kran­ken­haus in Ko­blenz.

Die er­krank­te Ehe­frau des Paa­res aus Gan­gelt ar­bei­tet als Er­zie­he­rin. Die Kin­der und de­ren El­tern aus der Ein­rich­tung, in der die Frau tä­tig ist, sei­en eben­falls an­ge­wie­sen wor­den, zu Hau­se zu blei­ben. Die Ki­ta ist für zwei Wo­chen ge­schlos­sen. Al­le üb­ri­gen Kin­der­gär­ten und Schu­len sind bis ein­schließ­lich Mon­tag dicht. Die bei­den Kin­der des er­krank­ten Ehe­paars zei­gen bis­her kei­ne Sym­pto­me. Sie wur­den auf das Vi­rus ge­tes­tet. Ein Er­geb­nis wird am Don­ners­tag er­war­tet, eben­so im Fall der Kin­der aus der be­trof­fe­nen Ta­ges­stät­te. Wo oder bei wem sich das Ehe­paar an­ge­steckt hat, ist bis­her nicht be­kannt.

Das Paar war am Ro­sen­mon­tag in ei­ner Er­kelen­zer Kli­nik vor­stel­lig ge­wor­den. Der Mann ha­be be­reits seit dem 16. Fe­bru­ar über Sym­pto­me wie Fie­ber und Hus­ten ge­klagt, sag­te der ärzt­li­che Di­rek­tor des Her­mann-Jo­sef-Kran­ken­hau­ses, Har­ry Els­bernd. „Bei der Auf­nah­me fiel be­reits ei­ne deut­lich ein­ge­schränk­te Lun­gen­funk­ti­on auf“, be­rich­te­te Els­bernd. Der Pa­ti­ent sei auf die In­ten­siv­sta­ti­on des Kran­ken­hau­ses ver­legt wor­den. Kurz da­nach ver­schlech­ter­te sich sein Zu­stand ra­pi­de. Nach­dem ei­ne Grip­pe-In­fek­ti­on aus­ge­schlos­sen wer­den konn­te, sei schnell der Ver­dacht auf ei­ne Co­ro­na­vi­rus-In­fek­ti­on auf­ge­kom­men – der sich auch be­stä­tig­te. Am Mitt­woch wur­de das Ehe­paar dann in die Uni­k­li­nik Düs­sel­dorf trans­por­tiert. Der Mann lei­det an ei­ner Vo­r­er­kran­kung. Da­mit in Zu­sam­men­hang steht auch der ers­te be­stä­tig­te Fall in Mön­chen­glad­bach. Be­trof­fen ist ein Arzt aus den Kli­ni­ken Ma­ria Hilf, der im Kreis Heins­berg wohnt und sich bei dem 47-Jäh­ri­gen aus Gan­gelt an­ge­steckt ha­ben soll. Das be­stä­tig­te ein Spre­cher der Kli­ni­ken Ma­ria Hilf un­se­rer Re­dak­ti­on. Bei dem Arzt sei ein Ab­strich ge­nom­men wor­den, weil er mit dem 47-Jäh­ri­gen in Kon­takt ge­stan­den hat­te. Am Mitt­woch­abend in­for­mier­te das La­bor dann über das po­si­ti­ve Tes­t­er­geb­nis die Kli­nik­lei­tung. „Jetzt wer­den al­le Per­so­nen ge­tes­tet wer­den, die Kon­takt zu un­se­rem ärzt­li­chen Mit­ar­bei­ter hat­ten“, sag­te ein Kli­nik­spre­cher. Noch am Abend kam der Kri­sen­stab in Mön­chen­glad­bach zu­sam­men.

Der Chef der Kas­sen­ärzt­li­chen Bun­des­ver­ei­ni­gung, Andre­as Gas­sen, sieht den Hö­he­punkt an Co­ro­na­vi­rus-In­fek­tio­nen in Deutsch­land noch nicht er­reicht: „Ich rech­ne da­mit, dass die Zahl der ge­mel­de­ten Fäl­le noch stei­gen wird.“

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