Ra­fa­ti for­dert Spiel­ab­bruch bei Ras­sis­mus

Der ehe­ma­li­ge Fifa-Schieds­rich­ter spricht sich für stren­ge­res Han­deln bei Dis­kri­mi­nie­rung und Hass im Sta­di­on aus.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Sport - VON SE­BAS­TI­AN HOCHRAINER

MÖN­CHEN­GLAD­BACH Am ver­gan­ge­nen Wo­che­n­en­de un­ter­brach Fe­lix Brych die Par­tie zwi­schen Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach und 1899 Hof­fen­heim, nach­dem hei­mi­sche Fans be­lei­di­gen­de Ban­ner und Spruch­bän­der über TSG-Mä­zen Diet­mar Hopp aus­ge­brei­tet hat­ten. Der Schieds­rich­ter hielt sich da­bei an ei­nen Drei-Punk­te-Plan, den der DFB für sol­che Vor­komm­nis­se ent­wi­ckelt hat. Die­ses Un­ter­bre­chen und An­ord­nen ei­ner Sta­di­on­durch­sa­ge ist da­bei die ers­te Stu­fe. Hät­ten die we­ni­gen Glad­bach-Fans wei­ter mit ih­ren An­fein­dun­gen ge­macht, hät­te Brych da­nach die Par­tie noch­mal un­ter­bre­chen und die Spie­ler in die Ka­bi­nen schi­cken müs­sen, au­ßer­dem ei­ne wei­te­re An­sa­ge über die Mi­kro­fo­ne ver­an­las­sen müs­sen. Erst bei da­nach fol­gen­den Be­lei­di­gun­gen sieht die­ser Plan im drit­ten Schritt den Ab­bruch des Spiels vor. Das gilt üb­ri­gens auch bei ras­sis­ti­schen Be­lei­di­gun­gen.

Für den ehe­ma­li­gen Bun­des­li­ga-Schieds­rich­ter Ba­bak Ra­fa­ti ist die­ser Plan viel zu sanft. Er for­dert, die Par­tie schon nach dem ers­ten Ver­ge­hen die­ser Art zu be­en­den. „So er­zielt der Plan kei­ne Wir­kung. Dass zwei­mal Be­lei­di­gen prak­tisch frei ist, muss ab­ge­schafft wer­den“, sagt der 49-Jäh­ri­ge im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on. „Wir müs­sen die ers­ten bei­den Stu­fen kom­plett weg­las­sen und das Spiel dann so­fort ab­bre­chen!“

Ra­fa­ti ver­spricht sich von die­sem ri­go­ro­sen Han­deln, dass die Tä­ter noch mehr in die Ver­ant­wor­tung ge­nom­men wer­den. Es geht nicht nur um die Be­stra­fung nach sol­chen Ver­ge­hen, son­dern auch um Prä­ven­ti­on. „Wenn sich ein Ein­zel­ner oder ei­ne Grup­pe dis­kri­mi­nie­rend oder ras­sis­tisch äu­ßern und das Spiel da­durch ab­ge­bro­chen wird, kom­men nicht nur das Op­fer, son­dern auch die Teams und al­le an­de­ren Zu­schau­er im Sta­di­on zu scha­den. Dann wird sich je­der drei­mal über­le­gen, ob er sich die­ser Mehr­zahl und Wucht von meh­re­ren tau­send wü­ten­den Men­schen stel­len will“, er­klärt Ra­fa­ti.

Der 84-ma­li­ge Bun­des­li­ga-Re­fe­ree

for­dert bei al­len gra­vie­ren­den An­fein­dun­gen ge­gen Ein­zel­per­so­nen das har­te Durch­grei­fen in Form des Spiel­ab­bruchs. „Ob Af­fen­lau­te wie ge­gen Hert­has Tor­u­na­rig­ha auf Schal­ke, Ban­ner ge­gen Hopp oder wenn Spie­ler wie Ti­mo Wer­ner wie­der als ‚Hu­ren­sohn‘ be­sun­gen wer­den – wir müs­sen gera­de in der ak­tu­el­len De­bat­te in der brei­ten Ge­sell­schaft kon­se­quent han­deln, be­vor ein sol­ches Ver­hal­ten über­hand­nimmt“, sagt Ra­fa­ti, der auf die Vor­bild­funk­ti­on des Fuß­balls als be­lieb­tes­te Sport­art in Deutsch­land setzt. „Der Fuß­ball kann mit sei­ner Strahl­kraft wahn­sin­nig viel da­zu bei­tra­gen, dass wir wie­der ver­nünf­tig und re­spekt­voll mit­ein­an­der um­ge­hen. Ich will To­re se­hen, egal ob der Tor­schüt­ze Mül­ler oder eben bei­spiels­wei­se Tor­u­na­rig­ha heißt.“

Doch ist es über­haupt um­zu­set­zen, ein gan­zes Fuß­ball­spiel so­fort

zu be­en­den, wenn es zu Dis­kri­mi­nie­run­gen oder ras­sis­ti­schen An­fein­dun­gen kommt? Ra­fa­ti ist die­ser Mei­nung, weil er auch ei­nen ganz kla­ren sport­li­chen Ein­fluss sieht. „Man muss auch mal die emo­tio­na­le Si­tua­ti­on der be­trof­fe­nen Per­so­nen ver­ste­hen. Vie­le ver­ges­sen oft­mals, dass Fuß­bal­ler auch Men­schen sind, die Ge­füh­le ha­ben. Und ich den­ke, wir sind al­le ver­letzt, wenn wir be­lei­digt wer­den, vor al­lem wenn es ras­sis­tisch mo­ti­viert ist, aber auch wenn es an­de­re Be­weg­grün­de hat. Und so­was hat na­tür­lich auch Aus­wir­kun­gen auf die Leis­tung“, sagt Ra­fa­ti.

Dem Ex-Schi­ri geht es aus­drück­lich um per­sön­li­che Schick­sa­le, die zum Ab­bruch füh­ren sol­len. Grö­ßer an­ge­leg­te Be­lei­di­gun­gen, die nicht ras­sis­tisch oder frem­den­feind­lich sind, bei­spiels­wei­se ge­gen Ver­ei­ne, sind für Ra­fa­ti kein Ver­ge­hen, die so oder auf ei­ne ähn­li­che Art und Wei­se be­straft wer­den müss­ten. „Die­se An­grif­fe, es gibt ja Ge­sän­ge, in de­nen das Kol­lek­tiv als ‚Hu­ren­söh­ne’ be­zeich­net wird, sind all­ge­mein, da geht es auch um Ri­va­li­tä­ten zwi­schen den Klubs, da steckt schon auch noch da­hin­ter, dass man will, dass die ei­ge­ne Mann­schaft ge­winnt“, sagt Ra­fa­ti. „Aber wenn es per­sön­lich wird, ist das Ziel nur, ei­ne Ein­zel­per­son zu ver­let­zen. Das muss be­straft wer­den. Nicht mit ei­nem Drei-Punk­te-Plan, son­dern so­fort beim ers­ten Ver­ge­hen. Wenn das auch die Tä­ter wis­sen, bin ich gu­ter Din­ge, dass wir so­was bald end­lich nicht mehr in un­se­ren Sta­di­en er­le­ben wer­den.“

FO­TO: DPA

Gelbe Kar­te: Der frü­he­re Schieds­rich­ter Ba­bak Ra­fa­ti hat nicht nur zu un­fai­rem Spiel auf dem Fuß­ball­platz ei­ner kla­re Mei­nung, son­dern auch zu gro­ben Fouls auf den Fan­tri­bü­nen.

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