Thys­sen­krupp-Che­fin sieht mehr Spar­be­darf

Die Auf­zug-Mar­ke „Thys­sen­krupp Ele­va­tor“wird in spä­tes­tens zwei Jah­ren vom Markt ver­schwin­den.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Wirtschaft - VON ANT­JE HÖ­NING UND MA­XI­MI­LI­AN PLÜCK

ES­SEN Der 17,2 Mil­li­ar­den Eu­ro schwe­re Ver­kauf sei­nes Auf­zug­ge­schäfts hat Thys­sen­krupp nicht den er­hoff­ten Auf­wind an der Bör­se ge­ge­ben. Die Ak­tie gab am Frei­tag deut­lich nach und no­tier­te zwi­schen­zeit­lich mit ei­nem Mi­nus von mehr als sie­ben Pro­zent bei 8,50 Eu­ro.

Ana­lys­ten for­der­ten schnell Klar­heit über die Mit­tel­ver­wen­dung: „Das neue Ma­nage­ment zeigt Ent­schlos­sen­heit, die nun um ei­ne stra­te­gi­sche Weit­sicht er­gänzt wer­den muss“, sag­te In­go Speich von der De­ka In­vest­ment. Es müs­se klar de­fi­nie­ren, in wel­che Rich­tung Thys­sen­krupp ver­än­dert wer­de und die nächs­ten Schrit­te auf­zei­gen. „Je­der wei­te­re Tag in der ak­tu­el­len Auf­stel­lung be­las­tet den Cash­flow und treibt da­mit letzt­lich die Ver­schul­dung nach oben.“Thys­sen­krupp sei in der der­zei­ti­gen Auf­stel­lung zu schwach, um ei­ner kon­junk­tu­rel­len Schwä­che­pha­se Pa­ro­li bie­ten zu kön­nen.

Doch al­le Hoff­nun­gen auf schnel­le Er­kennt­nis dar­über, wie die Mil­li­ar­den ein­ge­setzt wer­den, wur­den ent­täuscht. Kon­zern­che­fin Mar­ti­na Merz be­müh­te ihr Man­tra „Gründ­lich­keit geht vor Schnel­lig­keit“. Nur in ei­nem Punkt wur­de sie recht deut­lich: „Ich schlie­ße ei­ne Son­der­di­vi­den­de ka­te­go­risch aus“, sag­te sie. Statt­des­sen sol­len die Mit­tel ei­ner­seits zur Re­du­zie­rung des Schul­den­bergs und zur Aus­fi­nan­zie­rung der Pen­si­ons­ver­pflich­tun­gen ver­wen­det wer­den. An­de­rer­seits be­nö­tigt der Kon­zern die Mit­tel für In­ves­ti­tio­nen.

Der Kon­zern geht da­von aus, zü­gig die Zu­stim­mun­gen der mehr als zehn zu­stän­di­gen Wett­be­werbs­be­hör­den zu be­kom­men. „Wir rech­nen nicht mit ei­ner ver­tief­ten Prü­fung“, sag­te Volk­mar Din­stuhl, der für Über­nah­men zu­stän­di­ge Ma­na­ger. Die nor­ma­le Prü­fung daue­re zwi­schen ei­nem und drei Mo­na­ten, so dass im Som­mer mit Voll­zug ge­rech­net wer­den kön­ne. Thys­sen­krupp ist dar­auf an­ge­wie­sen, dass das Geld mög­lichst bald fließt, um nicht in Schwie­rig­kei­ten mit den Gläu­bi­ger­ban­ken zu kom­men.

So ganz kehrt der Kon­zern im Üb­ri­gen dem Auf­zug­ge­schäft nicht den Rü­cken: 1,25 Mil­li­ar­den Eu­ro aus dem Ver­kaufs­er­lös flie­ßen als Rück­be­tei­li­gung wie­der zu­rück. Man wer­de da­mit vor­aus­sicht­lich rund 15 Pro­zent an dem neu­en Un­ter­neh­men hal­ten, sag­te Fi­nanz­vor­stand Jo­han­nes Dietsch. Die Aus­sa­ge lässt Schlüs­se dar­auf zu, wie hoch der Schul­den­berg ist, denn die Fi­nanz­in­ves­to­ren Ad­vent und Cin­ven dem Auf­zug­kon­zern auf­bür­den. Der Kauf­preis von 17,2 Mil­li­ar­den Eu­ro dürf­te da­mit zu rund 7,7 Mil­li­ar­den Eu­ro mit Kre­di­ten fi­nan­ziert sein. Künf­ti­ge Ge­win­nen von Ele­va­tor wer­den zur Fi­nan­zie­rung

ge­nutzt.

Die Mar­ke Thys­sen­krupp Ele­va­tor wird nach ei­ner Über­gangs­zeit vom Markt ver­schwin­den. Die neu­en Käu­fer ha­ben nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Re­dak­ti­on nun sechs Mo­na­te Zeit, um ei­ne ei­ge­ne Mar­ke zu ent­wi­ckeln. Spä­tes­tens in zwei Jah­ren wird der Na­me Thys­sen­krupp Ele­va­tor kom­plett vom Markt ver­schwun­den sein.

Wie aus ei­ner in­ter­nen Prä­sen­ta­ti­on von Thys­sen­krupp her­vor­geht, geht das Ma­nage­ment da­von aus, dass sich die Mit­tel­ab­flüs­se durch den Ver­kauf in Gren­zen hal­ten wer­den. Der ne­ga­ti­ve Cash­flow durch die Trans­ak­ti­on be­tra­ge 800 Mil­lio­nen Eu­ro. Durch die Ver­mei­dung von Steu­er­zah­lun­gen, die Re­du­zie­rung von Pen­si­ons­rück­stel­lun­gen und Zins­zah­lun­gen blei­be un­term Strich aber nur ein deut­lich ge­rin­ge­rer Mit­tel­ab­fluss üb­rig.

Bis Mai will das Ma­nage­ment sich nun ein­ge­hend mit den ver­blie­be­nen Ge­schäfts­fel­dern be­schäf­ti­gen – et­wa mit dem Anal­gen­bau. Fi­nanz­vor­stand Dietsch sprach zwar da­von, dass man dort ein „Tur­naround-Ma­nage­ment“be­trei­be. Aber zeit­gleich wür­den auch

Part­ner­schaf­ten oder stra­te­gi­sche Al­li­an­zen ge­prüft.

Al­le Ge­schäfts­fel­der wür­den wei­ter­hin bis Mai auf ih­re Per­for­mance hin über­prüft. Dann soll es neue De­tails ge­ben. Schon En­de März dürf­te es neue De­tails zu den Ver­hand­lun­gen zwi­schen den Stahl-Be­schäf­tig­ten und dem Ma­nage­ment ge­ben. Es ge­be noch wei­te­ren er­heb­li­chen Re­struk­tu­rie­rungs­be­darf sag­te Merz mit Blick auf den Kon­zern. Be­reits an­ge­kün­digt ist der Ab­bau von ins­ge­samt 6800 Stel­len. Auch dies kos­te viel Geld, sag­te die Kon­zern­che­fin.

„Trotz des be­dau­er­li­chen Ab­baus von Ar­beits­plät­zen, muss das Ma­nage­ment auch ei­nen star­ken Fo­kus auf die Mit­ar­bei­ter rich­ten und die­se bei der Ve­rän­de­rung des Kon­zerns mit­neh­men“, for­der­te De­ka-Ana­lyst Speich.

Mit Blick auf ih­re ei­ge­ne Zu­kunft hielt sich Merz be­deckt. Über die Be­set­zung des Vor­stands­vor­sit­zes ent­schei­de der Auf­sichts­rat. Merz ist ei­gent­lich nur bis En­de Sep­tem­ber be­ru­fen und soll dann wie­der als Auf­sichts­rats­che­fin über­neh­men. Al­ler­dings hat­te der größ­te Ak­tio­när, die Krupp-Stif­tung, sich auf­fal­lend po­si­tiv über den nun ge­ma­nag­ten Ver­kaufs­pro­zess ge­äu­ßert. Auch meh­re­re Ak­tio­närs­ver­tre­ter hat­ten auf der Haupt­ver­samm­lung Merz zum Wei­ter­ma­chen ge­drängt. „Thys­sen­krupp ist ein Un­ter­neh­men, für das ich mich vom ers­ten Tag be­geis­tert ha­be. Die­se Be­geis­te­rung nimmt auch trotz ge­wis­ser Her­aus­for­de­run­gen nicht ab“, sag­te Merz.

FO­TO: DPA

Thys­sen­krupp-Che­fin Mar­ti­na Merz bit­tet um Ge­duld.

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