Die Ab­sa­ge des Alt­stadt­fests macht al­le trau­rig

Bei ei­ni­gen Ver­ei­nen sind es auch die Ein­nah­men, die feh­len. Des­halb be­dau­ern sie den Ent­schluss. Vie­le sind aber auch des­halb un­glück­lich, weil nun kei­ne Mög­lich­keit be­steht, Freun­de zu tref­fen und Kon­tak­te zu pfle­gen. Ver­ständ­nis für die Ab­sa­ge ha­ben ab

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Hückeswage­ner Zeitung - VON STE­PHAN BÜLLESBACH

HÜCKESWAGE­N

Im 45. Jahr die ers­te Ab­sa­ge – dass we­gen der Co­ro­na-Kri­se und dem Ge­sund­heits­schutz von Teil­neh­mern und Be­su­chern am 5. und 6. Sep­tem­ber kein Alt­stadt­fest ge­fei­ert wer­den kann, wird durch die Bank be­dau­ert. Un­se­re Re­dak­ti­on hat bei ei­ni­gen Ver­ei­nen nach­ge­fragt.

Stadt­mar­ke­ting

Seit 14 Jah­ren or­ga­ni­siert Mo­ni­ka Win­ter, Ge­schäfts­füh­re­rin des Stadt­mar­ke­tings, das Alt­stadt­fest. „Für mich ist die Ab­sa­ge sehr trau­rig“, ver­si­chert sie. Den­noch sei die rich­ti­ge Ent­schei­dung ge­trof­fen wor­den, „denn die Pan­de­mie en­det mit Si­cher­heit nicht am 31. Au­gust“. Bis zu die­sem Tag gilt mo­men­tan das bun­des­wei­te Ver­bot von Groß­ver­an­stal­tun­gen. Für die Ver­an­stal­ter stand nun aber die Fra­ge im Raum, mit der Or­ga­ni­sa­ti­on zu be­gin­nen oder das Alt­stadt­fest ab­zu­sa­gen. „Das ist ein gro­ßer Auf­wand“, ver­si­chert Mo­ni­ka Win­ter. Bei den Be­spre­chun­gen in die­ser Wo­che ha­be es nicht ei­ne Stim­me ge­ge­ben, die ge­gen die Ab­sa­ge er­ho­ben wur­de. Nun blickt sie be­reits auf den Weih­nachts­markt An­fang De­zem­ber: „Dann ist je­der Ver­ein will­kom­men, der mit ei­nem Stand da­bei sein will“, wirbt die Stadt­mar­ke­ting-Ge­schäfts­füh­re­rin. So­gar ein „Hüt­ten­zau­ber“bis zum Schloss hält sie für denk­bar – „das wün­sche ich mir seit Jah­ren!“Al­ler­dings stellt Mo­ni­ka Win­ter auch klar: „Beim Weih­nachts­markt las­sen sich nicht sol­che Ein­nah­men ge­ne­rie­ren wie auf dem Alt­stad­fest.“

ATV

Ei­ne mög­li­che Be­tei­li­gung am „Hüt­ten­zau­ber“zieht Jörg von Pol­heim in Be­tracht – „wenn der denn statt­fin­det“, wagt der ATV-Vor­sit­zen­de ei­nen ers­ten Zwei­fel. „Uns wer­den die Ein­nah­men aus dem Alt­stadt­fest de­fi­ni­tiv feh­len“, ge­steht er mit Blick auf den gro­ßen ATV-Stand am Hei­mat­mu­se­um. Der Ver­ein müs­se nun die Kos­ten mi­ni­mie­ren. Al­ler­dings wä­re es un­ter den ak­tu­el­len Um­stän­den auch schwie­rig ge­wor­den, über­haupt Hel­fer zu fin­den. Von Pol­heim be­dau­ert zwar die Ab­sa­ge, macht aber auch deut­lich, dass sie die ein­zi­ge Al­ter­na­ti­ve ist.

DLRG

Ein Ver­ein, der von den Ein­nah­men aus dem Alt­stadt­fest und sei­nem Som­mer­fest – das auch ab­ge­sagt wer­den muss­te – ab­hän­gig ist, ist die DLRG-Orts­grup­pe. Die Ab­sa­gen be­deu­ten, „dass wir 2020 nur die nö­tigs­ten Aus­ga­ben tä­ti­gen kön­nen“, be­tont Vor­sit­zen­der Adri­an Bor­ner. Da al­ler­dings der Un­ter­halt der Ret­tungs­sta­ti­on an der Be­ver die Ein­nah­men aus den Mit­glieds­bei­trä­gen über­steigt, sei die Orts­grup­pe zum Aus­gleich der De­ckungs­lü­cke mehr denn je auf Spen­den an­ge­wie­sen. Bor­ner: „Ei­ne wei­te­re Re­du­zie­rung der Kos­ten ist un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Si­cher­stel­lung der öf­fent­li­chen Ge­fah­ren­ab­wehr schwer mög­lich.“Die DLRG zieht in Er­wä­gung, ein Fest in die­sem Jahr nach­zu­ho­len.

Kol­pings­fa­mi­lie

„Das ist schon bit­ter. Denn das Alt­stadt­fest ist ei­nes der gro­ßen Er­eig­nis­se in Hückeswage­n, auf das al­le hin­ar­bei­ten“, sagt Ste­phan Te­ders. Der Vor­sit­zen­de der Kol­pings­fa­mi­lie fügt hin­zu: „Fi­nan­zi­ell wird sich die Ab­sa­ge für uns nicht aus­wir­ken, da wir über die Jah­re gut ge­wirt­schaf­tet ha­ben.“Al­ler­dings wird er ver­mis­sen, am Fest-Wo­che­n­en­de im Sep­tem­ber mit den­je­ni­gen Mit­glie­dern zu spre­chen und zu fei­ern, die sonst nur sel­ten zu se­hen sind. „Das ist schon ein Schlag ins Kon­tor“, ge­steht Te­ders.

Schüt­zen­ver­ein

Die Ab­sa­ge des Alt­stadt­fests ist laut Schüt­zen­chef Ste­fan Lor­se „das klei­ne­re Übel für uns“. Die feh­len­den Ein­nah­men aus dem Sekt­stand sei­en zu ver­kraf­ten. Viel schwe­rer da­ge­gen wiegt für die Schüt­zen, dass auch das Schüt­zen­fest ab­ge­sagt ist. „Auch wenn wir da­mit kein Geld ver­die­nen“, sagt Lor­se. Im­mer­hin ist ge­re­gelt, wie es mit dem am­tie­ren­den Schüt­zen­kai­ser Gerd Hap­pel wei­ter­geht: Er muss nicht ent­krönt wer­den, son­dern hat sich be­reit­er­klärt, sei­ne „Amts­ge­schäf­te“bis 2021 fort­zu­füh­ren. Hap­pel wä­re da­mit drei Jah­re lang Schüt­zen­kö­nig – so lan­ge wie nie­mand vor ihm.

Mo­to­cross­freun­de Her­weg

Für den Freun­des­kreis aus ehe­ma­li­gen Bei­wa­gen­fah­rern fällt die Ab­sa­ge nicht so ins Ge­wicht, wie Andreas Woh­lert be­stä­tigt. Für sie sei­en die Ein­nah­men aus ih­rem Stand, an dem Piz­za, Flamm­ku­chen und Fri­kan­del spe­zi­al an­ge­bo­ten wer­den, nicht so wich­tig. „Die Ent­schei­dung ist aber nach­voll­zieh­bar“, ver­si­chert er.

Mo­dern Ge­ne­ra­ti­on

Auch bei der Chor- und In­stru­men­tal­ge­mein­schaft sind die Ein­nah­men nicht das Wich­tigs­te am Alt­stadt­fest, wie die Vor­sit­zen­de Ste­fa­nie Gotz­mann-Hes­sel ver­si­chert. „Uns ist die Prä­senz wich­ti­ger.“Es ge­he um die Teil­ha­be am Stadt­le­ben, den Spaß und die Ge­sprä­che mit den Nach­barn der an­de­ren Stän­de auf dem Schloss­hof. „Die so­zia­len Kon­tak­te und der Spaß wer­den uns feh­len“, be­dau­ert Ste­fa­nie Gotz­mann-Hes­sel, die die Hy­gie­ne­be­auf­trag­te des Al­ten­zen­trums Jo­han­nesstft ist. „Ge­ra­de als sol­che kann ich die Ab­sa­ge des Alt­stadt­fests ver­ste­hen.“

FO­TO: JÜR­GEN MOLL (AR­CHIV)

Im­pres­si­on vom 44. Hü­ckes­wa­ge­ner Alt­stadt­fest 2019 – in die­sem Jahr dürf­ten nicht nur die Samm­ler zu den eher un­glück­li­chen Men­schen zäh­len, nach­dem das wich­tigs­te Hü­ckes­wa­ge­ner Fest we­gen der Co­ro­na-Pan­de­mie ab­ge­sagt wer­den muss­te.

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