SC Hei­de ver­kauft „Geis­ter­würst­chen“& Co.

Die Fuß­bal­ler ver­su­chen auf un­kon­ven­tio­nel­le Art, Spen­den für ihr Groß­pro­jekt zu ak­qui­rie­ren.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Hückeswage­n - VON STE­PHAN BÜLLESBACH

HÜCKESWAGE­N Wer die Ki­cker des SC Hei­de kennt, weiß, dass ih­nen die Co­ro­na-Kri­se dank Kon­takt­ver­bot ge­wal­tig auf die Ner­ven geht. Kön­nen sie doch ih­ren liebs­ten Hob­bys – Fuß­ball­spie­len und ge­mein­sam fei­ern – der­zeit nicht nach­ge­hen. Seit meh­re­ren Wo­chen schon ruht der Ball, und so kön­nen die bei­den Mann­schaf­ten aus der Kreis­li­ga A und C we­der trai­nie­ren noch um Punk­te spie­len. Gera­de Letz­te­res ist ein Pro­blem für den am­bi­tio­nier­ten Hü­ckes­wa­ge­ner Klub, der erst vor vier Jah­ren ge­grün­det wor­den war und in­ner­halb von zwei Spiel­zei­ten aus der C- und die A-Li­ga auf­ge­stie­gen ist: Oh­ne Meis­ter­schafts­spie­le feh­len die Ein­nah­men, und oh­ne Ein­nah­men ge­rät das neue Pro­jekt in fi­nan­zi­el­le Schief­la­ge. Denn der SC Hei­de plant, den Ver­kauf­scon­tai­ner ne­ben den Ka­bi­ne ober­halb des Sport­plat­zes Schna­bels­müh­le durch ein neu­es Holz­haus zu er­set­zen.

Ak­tu­ell gibt’s ei­ne Groß­bau­stel­le am Sport­platz: „Der alt­ge­die­ge­ne Ver­kauf­scon­tai­ner hat aus­ge­dient und wird durch ein ei­gens ge­plan­tes und selbst ge­bau­tes, neu­es Ver­eins­heim er­setzt“, sagt Ke­vin Zrock, Vor­sit­zen­der, Ver­eins­mit­grün­der und Ka­pi­tän der zwei­ten Mann­schaft.

Zwar ste­hen die Bau­maß­nah­men vi­rus­be­dingt zur­zeit still, den­noch soll das Pro­jekt ir­gend­wann ein­mal fer­tig­ge­stellt sein. Und für die Fi­nan­zie­rung ha­ben die Hü­ckes­wa­ge­ner Ki­cker mit den Ein­nah­men uns ih­rem Som­mer­tur­nier und dem Alt­stadt­fest ge­plant, „die un­se­re bei­den größ­ten Ein­nah­me­quel­len der ver­gan­ge­nen Jah­re wa­ren“und die nun aber von der Stadt­ver­wal­tung ab­ge­sagt wur­den. Und ob die rest­li­chen Heim­spie­le aus­ge­tra­gen wer­den kön­nen, steht der­zeit in den Ster­nen. Die aus­blei­ben­de Ein­nah­men sind für die Fuß­bal­ler „an­ge­sichts lau­fen­der Kos­ten ei­ne Her­aus­for­de­rung son­der­glei­chen“, be­tont Ke­vin Zrock. „Das ist nie da­ge­we­sen. Das gan­ze Ver­eins­le­ben ist zum Er­lie­gen ge­kom­men“, be­dau­ert er. Die ak­tu­el­le Si­tua­ti­on er­for­de­re nicht nur ein Um­den­ken hin­sicht­lich vor­über­ge­hen­der Um­struk­tu­rie­run­gen und ent­spre­chen­der Ein­spa­zungs­maß­nah­men, son­dern vor al­lem die Hil­fe von au­ßen. Zrock mach­te un­längst klar, was das Co­ro­na­vi­rus auch für den SC Hei­de be­deu­tet – näm­lich ein gro­ßes Loch in der Ver­eins­kas­se.

Um die Ein­nah­me­ver­lus­te auf­fan­gen zu kön­nen, hat sich der Ver­ein, der oh­ne­hin für sei­ne un­kon­ven­tio­nel­len Ide­en be­kannt ist, et­was Be­son­de­res aus­ge­dacht – er be­tei­ligt sich an ei­ner In­ter­net­ak­ti­on: Er ver­kauft an sei­ne Fans und Un­ter­stüt­zer über die Sei­te www.geis­ter­spiel­ti­ckets.de/sc-hei­de Ein­tritts­kar­ten für „Geis­ter­spie­le“, vir­tu­el­le Würst­chen, di­gi­ta­les Bier und Limo so­wie al­ler­lei un­wirk­li­che Fa­nu­ten­si­li­en. Al­ler­dings gibt’s den Ge­gen­wert nicht tat­säch­lich in die Hand, viel­mehr ist der „Geis­ter­kauf“ei­ne wit­zi­ge Spen­de an den Klub. 80 Pro­zent des Er­lö­ses geht an den SC Hei­de, die rest­li­chen 20 Pro­zent sind zur De­ckung der Kos­ten der Platt­form-Be­trei­ber. Wenn de­ren Aus­ga­ben ge­deckt sind, ge­hen die Spen­den an die Ak­ti­on #we­kick­co­ro­na der Na­tio­nal­spie­ler Le­on Go­retz­ka und Jos­hua Kim­mich von Bay­ern Mün­chen, die da­mit ka­ri­ta­ti­ve Ein­rich­tun­gen un­ter­stüt­zen.

Ke­vin Zrock und sei­ne Fuß­ball­freun­de hof­fen, dass mög­lichs­te vie­le Sta­di­onwürs­te, „Mok­kas Tri­kots“, „Kon­sens Auf­stiegs­shirts“und so­gar reich­lich vom me­xi­ka­ni­schen Bier Co­ro­na Ex­tra ge­or­dert wer­den – aber vor al­lem, dass sie bald ge­mein­sam mit ih­ren Fans wie­der auf dem Platz und den Zu­schau­er­rän­gen ste­hen kön­nen.

FOTO: STE­PHAN BÜLLESBACH

Der SC Hei­de er­rich­tet ne­ben den Ka­bi­nen ober­halb des Sport­plat­zes an­stel­le sei­nes Ver­kauf­scon­tai­ners ei­nen Holz­pa­vil­lon.

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