Ver­band sieht Gas­tro-Start als Ex­pe­ri­ment

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Nordrhein-westfalen - VON SE­BAS­TI­AN KALENBERG

DÜSSELDORF Seit Mon­tag darf die Gas­tro­no­mie in NRW den Be­trieb un­ter Auf­la­gen wie­der hoch­fah­ren. Ob sich ein Ge­schäft bei Ein­hal­tung der Re­gu­la­ri­en wirt­schaft­lich über­haupt lohnt, wird sich aber erst noch zei­gen müs­sen. Der Deut­sche Ho­te­lund Gast­stät­ten­ver­band (Dehoga) NRW spricht von ei­nem Ex­pe­ri­ment. „Die Öff­nung der Be­trie­be ist nicht nur ei­ne lo­gis­tisch-or­ga­ni­sa­to­ri­sche Her­aus­for­de­rung, son­dern vor al­lem auch ei­ne wirt­schaft­li­che“, sagt Spre­cher Thors­ten Hell­wig.

Die Lo­ka­le müs­sen fes­te Sitz­mög­lich­kei­ten ga­ran­tie­ren kön­nen. Zu den Re­ge­lun­gen ge­hört zu­dem die Ein­hal­tung des Ab­stands­ge­bo­tes im In­nen- und Au­ßen­be­reich, ein Hy­gie­ne­kon­zept und das Ver­bot von Selbst­be­die­nungs­an­ge­bo­ten. Nach sie­ben Wo­chen des strik­ten Lock­downs hät­ten vie­le Gas­tro­no­men ih­ren Be­trieb be­reits zu Wo­chen­be­ginn wie­der auf­ge­nom­men, ei­ni­ge wür­den am Mitt­woch oder Don­ners­tag nach­zie­hen.

Ob sich die Öff­nung ei­nes Be­triebs über­haupt loh­ne, sei ak­tu­ell ein „Ex­pe­ri­ment“, wie Hell­wig er­klärt: „Es bleibt ab­zu­war­ten. wie das Ge­schäft wie­der an­läuft. Ren­tiert es sich wirt­schaft­lich, mit we­ni­ger Gäs­ten wie­der auf­zu­ma­chen, oder er­höht das den wirt­schaft­li­chen Scha­den so­gar noch?“Der Dehoga wür­de am kom­men­den Mon­tag ei­ne Um­fra­ge bei den Gas­tro­no­men durch­füh­ren, um die ers­te Wo­che nach Wie­der­er­öff­nung be­wer­ten zu kön­nen, kün­digt Hell­wig an.

Der Dehoga-Spre­cher be­tont aber auch, dass die der­zei­ti­gen Lo­cke­run­gen noch kei­ne Nor­ma­li­tät in den gas­tro­no­mi­schen Be­reich brin­gen wür­den: „Wenn der Be­trieb ge­schlos­sen ist, sind Pacht und ein we­nig Ne­ben­kos­ten zu zah­len. So­bald die Tü­re of­fen ist, ent­ste­hen vor al­lem durch das Per­so­nal er­heb­lich mehr Kos­ten. Und das bei ge­schätz­ten Um­satz­ein­bu­ßen von 50 bis 80

Pro­zent im Ver­gleich zum nor­ma­len Be­trieb.“

Mög­lich sei, dass die Gast­stät­ten ih­ren Be­trieb lang­sam wie­der auf­neh­men und die Mit­ar­bei­ter trotz­dem erst ein­mal wei­ter­hin in Kurz­ar­beit blei­ben. Für Chris­toph Löhr, Spre­cher der Ar­beits­agen­tur NRW, wä­re dies ein lo­gi­scher Schritt: „Vie­le gas­tro­no­mi­sche Be­trie­be wis­sen ja noch gar nicht, wie viel Per­so­nal sie in der Kü­che und im Gast­raum brau­chen. Durch das zwei­stu­fi­ge In­stru­ment der Kurz­ar­beit hat ein Be­trieb Fle­xi­bi­li­tät und ver­hin­dert gleich­zei­tig Ar­beits­lo­sig­keit.“

Ein Un­ter­neh­men, das zum 11. Mai den gas­tro­no­mi­schen Be­trieb

wie­der auf­ge­nom­men ha­be, kön­ne bei­spiels­wei­se sein Per­so­nal in zwei Teams un­ter­tei­len. „Das ei­ne Team ar­bei­tet nach der Öff­nung in den ers­ten bei­den Wo­chen, das an­de­re in der letz­ten Mai­wo­che“, er­klärt Löhrs. So kön­ne das Per­so­nal nicht nur im Sin­ne des In­fek­ti­ons­schut­zes auf­ge­teilt wer­den, son­dern ent­spre­chend auch das Kurz­ar­bei­ter­geld ge­zahlt wer­den. „Team eins hat dann ja 50 Pro­zent Kurz­ar­beit, Team zwei 75 Pro­zent. Das wird An­fang Ju­ni an die Agen­tu­ren ver­mit­telt und dann ab­ge­rech­net“, er­klärt Löhrs das Ver­fah­ren. So kön­ne das Per­so­nal fle­xi­bel nach Be­darf ein­ge­setzt wer­den.

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