Der Trä­ger­ver­ein „ak­ti­v55p­lus“und an­de­re Ak­teu­re bie­ten Te­le­fon­ge­sprä­che an.

35 Jah­re ist es her, da wur­de das Wahr­zei­chen der Stadt von der Gar­ten­stra­ße in den Parc de Châ­teau­bri­ant ver­setzt.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald - - Radevormwa­ld - VON STE­FAN GILSBACH

RADEVORMWA­LD Das Rokoko-Gartenhaus, das heu­te im Parc de Châ­teau­bri­ant steht, gilt als das äl­tes­te er­hal­te­ne Ge­bäu­de von Radevormwa­ld. Es wur­de 1772 ge­baut und über­stand 30 Jah­re spä­ter den gro­ßen Stadt­brand vom 28. Au­gust 1802, weil es sich au­ßer­halb der Stadt­mau­ern be­fand.

Jün­ge­re Ein­woh­ner der Stadt wer­den vi­el­leicht gar nicht wis­sen, dass das Gartenhaus ur­sprüng­lich an ei­nem ganz an­de­ren Ort stand und vor gar nicht so langer Zeit erst an sei­nem jet­zi­gen Platz im Park wie­der auf­ge­baut wur­de – vor 35 Jah­ren. In­iti­iert wur­de die­se auf­wen­di­ge Ak­ti­on durch den Hei­mat- und Ver­kehrs­ver­ein (HVV). Heinz-Her­mann Be­cker war da­mals der Vor­sit­zen­de und er­in­nert sich: „An dem al­ten Stand­ort war es schwer, das Haus zu un­ter­hal­ten. Al­so schlu­gen wir vor, es zu ver­set­zen, und die Grund­stücks­ei­gen­tü­mer wa­ren ein­ver­stan­den.“

Zwar ist der Rokoko-Pa­vil­lon kein rie­si­ges Bau­werk, doch die Ver­wirk­li­chung die­ser Plä­ne war kei­nes­wegs ein­fach. Am En­de er­wies sich das gan­ze Pro­jekt als deut­lich kost­spie­li­ger als er­war­tet. „Die Spar­kas­se hat uns zum Glück un­ter­stützt, sie hat ins­ge­samt 130.000 Mark da­für ge­ge­ben“, er­klärt Be­cker. „Ich weiß nicht, ob so et­was heu­te noch mög­lich wä­re.“

Au­ßer­dem spen­de­ten vie­le Ra­de­vorm­wal­der Bür­ger für die­ses Vor­ha­ben, schließ­lich gilt das Gartenhaus als das be­kann­tes­te Wahr­zei­chen der Stadt. So­gar Pro­mi­nen­te wur­de von den Or­ga­ni­sa­to­ren kon­tak­tiert und rie­fen zu Spen­den auf. Das Stadt­ar­chiv Radevormwa­ld be­sitzt un­ter an­de­rem ei­ne si­gnier­te Fo­to­gra­fie von Fritz Eck­hardt, dem ös­ter­rei­chen Schau­spie­ler, der vie­len noch als Ober­inspek­tor Vik­tor Marek aus dem „Tat­ort“oder aus der Se­rie „Ho­tel Sa­cher – Por­tier“be­kannt sein dürf­te. „Leb’ nicht in Saus und Braus, gib’ was fürs Gartenhaus“, lau­te­te Eck­hardts Ap­pell. Und dem ka­men auch vie­le Ra­de­vorm­wal­der nach.

Zu den Ide­en, wie man an Spen­den für das Pro­jekt kom­men konn­te, ge­hör­te auch der Ver­kauf von Ori­gi­nal-Dach­schie­fern des Gar­ten­hau­ses. „Die wur­den be­schrif­tet und dann bei­spiels­wei­se auf Weih­nachts­märk­ten ver­kauft“, er­in­nert sich Heinz-Her­mann Be­cker.

Wie man sieht: Nicht je­des ein­zel­ne Stück des Ge­bäu­des wur­de am neu­en Stand­ort ori­gi­nal wie­der ein­ge­baut, man­ches wur­de er­neu­ert. „An­ders wä­re es nicht ge­gan­gen“, er­in­nert sich der heu­ti­ge Eh­ren­vor­sit­zen­de des HVV – und är­gert sich im Nach­hin­ein im­mer noch über ei­ne For­de­rung der da­ma­li­gen Kon­ser­va­to­rin: „Sie ver­lang­te, dass wir ori­gi­nal 200 Jah­re al­te Fens­ter ein­set­zen soll­ten. Das war aber ein­fach nicht zu ma­chen.“Au­ßer sol­chen Qu­er­schüs­sen sei von der Be­hör­de

lei­der kei­ne Un­ter­stüt­zung ge­kom­men. Am En­de setz­ten die Ra­de­vorm­wal­der ih­ren Kopf durch, es wur­de neue Fens­ter ein­ge­setzt.

Die po­li­ti­schen Par­tei­en im da­ma­li­gen Ra­de­vorm­wal­der Stadt­rat hät­ten al­le hin­ter den Plä­nen ge­stan­den, be­rich­tet Be­cker. „Al­ler­dings leg­ten sie Wert dar­auf, dass hei­mi­sche Hand­wer­ker an den Ar­bei­ten be­tei­ligt wer­den.“Man­che der Un­ter­neh­men hät­ten al­ler­dings kein Geld für die­se Ar­beit ver­langt – für sie war es Eh­ren­sa­che mit­zu­ma­chen. Dank­bar er­wähnt Heinz-Her­mann Be­cker auch den da­ma­li­gen Ar­chi­tek­ten, Wal­der­mar Specht. Auch die­ser ha­be für Got­tes­lohn ge­ar­bei­tet, wie es so schön heißt, da­mit die Kos­ten, die am En­de den­noch 230.000 Eu­ro be­lie­fen, nicht noch wei­ter stie­gen.

Die Spen­den­ak­ti­on hat­te der Hei­mat­und Ver­kehrs­ver­ein be­reits im Jahr 1982 ge­star­tet, kon­kret wur­den die Ar­bei­ten dann im Jahr 1984, als die Stadt das Gartenhaus er­warb. Im März 1985 wur­de das Fun­da­ment am jet­zi­gen Stand­ort an der Te­le­gra­fen­stra­ße ge­legt. Ab­ge­schlos­sen wur­den die Ar­bei­ten al­ler­dings erst im Jah­re dar­auf, ein­ge­weiht wur­de das Rokoko-Schmuck­stück dann am 7. De­zem­ber 1986.

Die Mü­he von da­mals hat sich ge­lohnt: Heu­te ist das Gartenhaus von sei­nem jet­zi­gen Stand­ort nicht mehr weg­zu­den­ken. „Wir kön­nen stolz dar­auf sein“, sagt Heinz-Her­mann Be­cker.

FOTO: STADT­AR­CHIV FOTO: NICO HERTGEN (ARCHIV)

Frü­her stand das Rokoko-Gartenhaus auf ei­ner Flä­chen an der heu­ti­gen Gar­ten­stra­ße. Das Rokoko-Gartenhaus steht heu­te an der Te­le­gra­fen­stra­ße im Parc de Châ­teau­bri­ant.

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