Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald

„Die Ju­gend ist der Ver­lie­rer der Kri­se“

Der Vor­sit­zen­de der Jun­gen Uni­on über die CDU-Kan­di­da­ten und die Haus­auf­ga­ben des nächs­ten Kanz­lers.

- KERS­TIN MÜNSTERMAN­N FÜHR­TE DAS GE­SPRÄCH. 1. FC Union Berlin · Germany · Jens Spahn · Wolfgang Schäuble · Baden-Württemberg · Baden-Württemberg · Rhineland-Palatinate · Berlin · Harthauser Straße 3

Herr Ku­ban, am Sams­tag tre­ten die Kan­di­da­ten für den CDU-Vor­sitz bei der Jun­gen Uni­on zum Re­de­du­ell an. Was er­war­ten Sie? KU­BAN Wir wol­len die Zu­kunfts­agen­da der Kan­di­da­ten hö­ren – wir er­war­ten kon­kre­te Ant­wor­ten auf die Fra­ge, wie man die 20er Jah­re ge­stal­ten will. Es geht um Fra­gen zum Um­gang mit Künst­li­cher In­tel­li­genz, wie man die di­gi­ta­le Bil­dung vor­an­trei­ben will, wie man das So­zi­al­sys­tem zu­kunfts­fest macht und wie Deutsch­land zu mehr Um­welt­schutz kommt.

Glau­ben Sie, die drei Kan­di­da­ten pa­cken das?

KU­BAN Die Uni­on hat ge­ra­de ei­nen gro­ßen Ver­trau­ens­vor­schuss bei den Men­schen für das Ma­nage­ment in der Pan­de­mie. Aber als Nach­wuchs wol­len wir schon wis­sen, wie sich ein CDU-Chef die Zu­kunft des Jahr­zehnts vor­stellt.

Muss die CDU an­ge­sichts der Pan­de­mie­l­a­ge auf ih­ren Par­tei­tag ver­zich­ten?

KU­BAN Nach dem jüngst ver­ab­schie­de­ten Ge­setz gibt es für Par­tei­en die Mög­lich­keit ei­ner Brief­wahl oder ei­ner zeit­lich ver­setz­ten Ur­nen­wahl. Oder die Vor­stän­de blei­ben erst mal im Amt. Die CDU soll­te zu ei­ner Wahl im De­zem­ber kom­men, egal wie. Die Zu­kunft wer­den al­ler­dings hof­fent­lich di­gi­ta­le Par­tei­ta­ge sein. An­de­re Län­der wäh­len schon gan­ze Par­la­men­te di­gi­tal.

Wie kann Ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn stär­ker zum Zug kom­men? KU­BAN Jens Spahn ist das Ge­sicht des Ge­ne­ra­ti­ons­wech­sels in der CDU. Des­halb bin ich über­zeugt, dass er – in wel­cher Kon­stel­la­ti­on auch im­mer – auch in Zu­kunft ei­ne we­sent­li­che Rol­le für Deutsch­land ein­neh­men wird.

Wann soll­te die Uni­on ei­nen Kanz­ler­kan­di­da­ten auf­stel­len?

KU­BAN Wolf­gang Schäu­b­le ist ein klu­ger und sehr er­fah­re­ner Rat­ge­ber, und an die­ser Stel­le bin ich voll auf sei­ner Sei­te. Es ist rich­tig, wenn wir uns An­fang des Jah­res zu­nächst auf die Land­tags­wah­len in Baden-Würt­tem­berg und Rhein­land-Pfalz fo­kus­sie­ren und die Wahl­kämp­fer dort un­ter­stüt­zen. Wir soll­ten die lan­des­po­li­ti­schen The­men nicht mit Dis­kus­sio­nen in Berlin über­la­gern. Ein Zeit­plan bis En­de März ist ein gu­ter Weg.

Wie kann man ei­ne ver­lo­re­ne Ge­ne­ra­ti­on Co­ro­na ver­hin­dern? KU­BAN Die jun­ge Ge­ne­ra­ti­on wird im­mer mehr zum dop­pel­ten, wenn nicht so­gar zum drei­fa­chen Ver­lie­rer der Pan­de­mie – im Be­reich der Bil­dung, des Ar­beits­markts und der Re­kord­schul­den. Und auch wenn es ba­nal klingt: Die Frei­hei­ten der Ju­gend kön­nen wir mo­men­tan nicht so aus­le­ben wie an­de­re Ge­ne­ra­tio­nen vor­her. Die Ju­gend muss mehr in den Fo­kus der Maß­nah­men rü­cken.

Und wie?

KU­BAN Wir müs­sen den Di­gi­tal­pakt Schu­le kon­se­quent um­set­zen und da­bei auf den kom­mu­na­len Ei­gen­an­teil ver­zich­ten. Wir brau­chen ei­nen Be­rufs­star­ter­bo­nus, da­mit der Ein­stieg in den Ar­beits­markt funk­tio­niert. Und wir brau­chen die kla­re An­sa­ge des nächs­ten Kanz­lers, dass die Staats­ver­schul­dung bis 2030 wie­der auf 60 Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­dukts her­un­ter­ge­fah­ren wird.

Was be­deu­tet das kon­kret?

KU­BAN Ne­ben der di­gi­ta­len Bil­dung will ich, dass wir ei­ne ech­te Wei­ter­bil­dungs­kul­tur ent­wi­ckeln. Wir brau­chen bun­des­weit ein­heit­li­che Zer­ti­fi­ka­te und Ab­schlüs­se in der be­ruf­li­chen Wei­ter­bil­dung. Denn nur wenn es ein­heit­li­che Stan­dards gibt, wis­sen Ar­beit­ge­ber Wei­ter­bil­dungs­maß­nah­men auch rich­tig ein­zu­ord­nen, und Ar­beit­neh­mer wer­den für ih­ren Ein­satz eher fi­nan­zi­ell be­lohnt.

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FO­TO: DPA Til­man Ku­ban (33) ist seit 2019 Vor­sit­zen­der der Jun­gen Uni­on.

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