Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald

Löw muss die Ab­wehr fes­ti­gen

Der Bun­des­trai­ner hat das EM-Halb­fi­na­le als Mi­ni­mal­ziel aus­ge­ge­ben. Da­für braucht er aber ei­ne sta­bi­le Verteidigu­ng.

- VON JENS MEN­DE UND KLAUS BERG­MANN Sports · Soccer · Joachim Löw · Switzerland · Timo Werner · FC Bayern Munich · Bavaria · Ukraine · Kiev · Matthias Ginter · Antonio Rüdiger · Remo Freuler · Auch · Niklas Süle · Leipzig · Spain · Czech Republic · Toni Kroos · German Football Association · German Football Association · Cologne · Chelsea · Serge Gnabry · Mario Gavranović

KÖLN (dpa) Beim Ab­schied aus Köln ver­kün­de­te Joa­chim Löw eher ne­ben­bei noch das EM-Halb­fi­na­le als „Mi­ni­m­um­ziel“. Da­bei nimmt der Bun­des­trai­ner nach ei­nem tur­bu­len­ten und kon­tro­vers dis­ku­tier­ten Län­der­spiel-Drei­er­pack ein fra­gi­les Ge­bil­de mit für die nächs­ten Auf­ga­ben im No­vem­ber. Das ab­schlie­ßen­de 3:3 in der Na­ti­ons Le­ague ge­gen die Schweiz nährt mehr die Zwei­fel als die Hoff­nung, dass der Bun­des­trai­ner bis zum kom­men­den Som­mer un­ter Zeit­druck und den wei­ter­hin spe­zi­el­len Be­din­gun­gen der Co­ro­na-Pan­de­mie die De­fi­zi­te bei der deut­schen Fuß­ball-Na­tio­nal­mann­schaft be­he­ben kann.

Die drit­te Par­tie in ei­ner Wo­che wur­de zur Zu­stands­be­schrei­bung. Wäh­rend die Of­fen­siv­ab­tei­lung mit dem neu­en Chel­sea-An­grei­fer Ti­mo Wer­ner und dem Bay­ern Ser­ge Gn­ab­ry so­wie dem erst­mals im Na­tio­nal­team rich­tig über­zeu­gen­den Jung­star Kai Ha­vertz je­den Geg­ner in hel­le Auf­re­gung ver­set­zen kann, gleicht die De­fen­si­ve ei­nem Tor­so. Die Um­stel­lung von der Drei­er­ket­te auf die frü­he­re Er­folgs­va­ri­an­te Vie­rer­ket­te ver­stärk­te dies­mal noch die In­sta­bi­li­tät. „Wir müs­sen bes­ser, klü­ger und er­wach­se­ner ver­tei­di­gen“, be­fand Ha­vertz.

Sie­ben To­re kas­sier­te das deut­sche Team in drei Spie­len. Die acht ei­ge­nen Tref­fer reich­ten so nur zum Sieg in der Ukrai­ne, der al­ler­dings von Spa­ni­ens Nie­der­la­ge am Di­ens­tag­abend in Kiew (0:1) im Nach­hin­ein noch auf­ge­wer­tet wur­de. Die Au­ßen­spie­ler Lukas Klos­ter­mann und Ro­bin Go­sens zeig­ten sich ge­gen die Eid­ge­nos­sen auf ei­nem Ni­veau, das für Löws Mi­ni­m­um­ziel 2021 nicht rei­chen wird. Und auch die im Ver­gleich er­fah­re­ne­ren In­nen­ver­tei­di­ger Mat­thi­as Gin­ter und An­to­nio Rü­di­ger of­fen­bar­ten mehr Schwä­chen als im Drei­er-Ab­wehr­ver­bund.

Die Schwei­zer Zei­tung „Blick“schrieb am Mitt­woch so­gar von ei­nem „deut­schen Pa­nik­or­ches­ter in der Ab­wehr“und be­fand: „Das Team von Jo­gi Löw steckt in ei­ner mo­nu­men­ta­len Schaf­fens­kri­se.“Der zwei­mal er­folg­rei­che Ma­rio Gav­ra­no­vic und Re­mo Freu­ler be­straf­ten die Män­gel bei den Gast­ge­bern. Wer­ner, Ha­vertz und Gn­ab­ry schlu­gen zu­rück. „Gut, dass wir zu­rück­ge­kom­men sind. Wir ha­ben echt ge­figh­tet. Aus den Rück­schlä­gen kann man stark her­vor­ge­hen“, mein­te Löw.

Der Chef­coach ord­ne­te auch den Abend der of­fe­nen Ab­wehr­rei­hen in das gro­ße Gan­ze sei­nes EMPlans ein. „Wir ha­ben be­wusst viel ris­kiert“, sag­te der 60-Jäh­ri­ge: „Wir ha­ben über­all auf dem Platz Mann ge­gen Mann ge­spielt.“Feh­ler wa­ren so­zu­sa­gen ein­kal­ku­liert. Auch die Pau­se für den ei­gent­li­chen Ab­wehr­chef Ni­k­las Sü­le ge­hör­te zu Löws durch­aus weit­sich­ti­ger Stra­te­gie: „Bei ihm muss man vor­sich­tig sein. Er hat ge­ra­de ei­nen Kreuz­band­riss aus­ku­riert.“Be­un­ru­higt blickt der Bun­des­trai­ner nicht in

Rich­tung EM: „Wir ha­ben schon noch ein paar Spie­le. Das al­les Ent­schei­den­de wird die Vor­be­rei­tung sein.“

Auch wenn es im No­vem­ber in Leip­zig ge­gen die Ukrai­ne und in Spa­ni­en um den Grup­pen­sieg in der Na­tio­nen­li­ga geht und da­zu noch ein Test ge­gen Tsche­chi­en auf dem Plan steht, hat Löw für tak­ti­sche Schu­lun­gen kaum noch Zeit bis zur Eu­ro­pa­meis­ter­schaft. Wie­der will er für die nächs­ten Spie­le ei­nen gro­ßen Ka­der mit fast 30 Spie­lern be­ru­fen, wie­der wird er das Freund­schafts­spiel ge­gen die Tsche­chen als Chan­ce für nach­rü­cken­de Spie­ler aus­ru­fen. Und wie­der dürf­te er für sei­ne Vor­ge­hens­wei­se von Ex­per­ten und Alt-In­ter­na­tio­na­len ge­rügt wer­den. „Wir kon­zen­trie­ren uns auf un­se­ren Plan, den ver­fol­gen wir kon­se­quent und sprin­gen nicht im­mer hin und her“, kon­ter­te Löw.

„Man kann viel aus dem Spiel mit­neh­men“, mein­te der Bun­des­trai­ner nach dem drit­ten Un­ent­schie­den im vier­ten Na­ti­ons-Le­ague-Spiel der Sai­son ge­gen bis­si­ge Schwei­zer, die 2:0 und 3:2 führ­ten. Löw spürt, „dass die Mann­schaft Ener­gie aus­strahlt, dass sie ei­ne gu­te Moral be­sitzt und Fort­schrit­te ma­chen will“. Auch die Spie­ler ho­ben das Po­si­ti­ve her­vor. Pro­blem sei die ers­te Vier­tel­stun­de ge­we­sen, mein­te Ju­bi­lar To­ni Kroos. „Da­nach ha­ben wir ein gu­tes Spiel ge­macht und uns fuß­bal­le­risch zum letz­ten Spiel ge­stei­gert“, sag­te der 30-Jäh­ri­ge, der jetzt als 15. deut­scher Spie­ler zum Klub der Hun­der­ter ge­hört.

Die Würdigung des DFB-Chefs gab‘s da­für gleich in der Köl­ner Ka­bi­ne. „Das ist ei­ne ganz be­son­de­re Leis­tung“, sag­te Ver­bands­prä­si­dent Fritz Kel­ler zum 100. Län­der­spiel von Kroos. „Auf der lan­gen Lis­te sei­ner Er­fol­ge fehlt jetzt ei­gent­lich nur noch der Eu­ro­pa­meis­ter-Ti­tel.“Löw glaubt dar­an, auch wenn sei­ne Mis­si­on EM-Ti­tel hei­kel ist – und hei­kel blei­ben wird.

 ?? FO­TO: IM­A­GO IMAGES ?? DFB-Kee­per Ma­nu­el Neu­er und Jos­hua Kim­mich kön­nen den zwi­schen­zeit­li­chen Schwei­zer Füh­rungs­tref­fer zum 3:2 durch Ma­rio Gav­ra­no­vic nicht mehr ver­hin­dern.
FO­TO: IM­A­GO IMAGES DFB-Kee­per Ma­nu­el Neu­er und Jos­hua Kim­mich kön­nen den zwi­schen­zeit­li­chen Schwei­zer Füh­rungs­tref­fer zum 3:2 durch Ma­rio Gav­ra­no­vic nicht mehr ver­hin­dern.

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