Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald

Der Wan­del des Frau­en­bil­des in der Kunst­ge­schich­te

- VON WOLF­GANG WEITZDÖRFE­R Sexism · Gender Equality · Social Sciences · Arts · Human Rights · Society · Venus Berlin · Rome · Athens · England · France · Germany · Belgium · Italy

DA­B­RING­HAU­SEN Al­lei­ne schon der Auf­takt des ers­ten Vor­trags aus der Rei­he „Art Cock­tail“wur­de mit ei­nem Au­gen­zwin­kern prä­sen­tiert: „Ich bin ja Nie­der­län­de­rin, da­her bit­te ich even­tu­el­le Feh­ler in mei­nem Vor­trag zu ent­schul­di­gen ich bin of­fen­sicht­lich kei­ne ‚idea­le Frau‘“, sag­te Re­fe­ren­tin Cyn­thia van Li­jf (FO­TO: PRI­VAT) am Di­ens­tag­abend im ers­ten Ober­ge­schoss der Gast­stät­te Markt 57 in Da­b­ring­hau­sen schmun­zelnd. Ihr Mann, der auch im Pu­bli­kum saß, kom­men­tier­te das un­ter dem La­chen der An­we­sen­den mit ei­nem wohl­wol­len­den: „Ach, das wür­de ich nun nicht sa­gen...“Das pass­te al­les sehr gut, denn es soll­te schließ­lich kein tro­cke­ner Vor­trag sein, son­dern ein un­ter­halt­sa­mer Abend. Und dar­an hat­te die Re­fe­ren­tin mit ih­rer sym­pa­thi­schen Art auch ih­ren An­teil.

Man merk­te es der Kunst­his­to­ri­ke­rin an, dass sie be­reits viel Er­fah­rung im Rah­men von Vor­le­sun­gen an Uni­ver­si­tä­ten ge­sam­melt hat­te – und konn­te sich gut vor­stel­len, ei­ner sol­chen Ver­an­stal­tung in­ter­es­siert zu lau­schen. Es ging al­so um die „idea­le Frau“in der Kunst­ge­schich­te. Und die­ses Ide­al­bild wan­del­te sich über die Jahr­tau­sen­de. Wenn man et­wa früh­ge­schicht­li­che Sta­tu­en der Ve­nus von Wil­len­dorf, die et­wa 30.000 Jah­re alt ist, be­trach­te­te, zeig­te sich ei­ne fül­li­ge Frau mit üp­pi­gen Run­dun­gen, ganz an­ders et­wa als die Frau­en, die in der grie­chi­schen Kunst dar­ge­stellt wur­den. Bei­spiels­wei­se die He­tae­ren, al­so Frau­en, die als ei­ne Art an­ti­ker Es­cort-Da­men ar­bei­te­ten, die idea­li­siert, schlank, bei­na­he kna­ben­haft dar­ge­stellt wur­den. Spä­ter, et­wa in der rö­mi­schen Kunst, wur­den die Por­träts der Frau­en dann we­sent­lich rea­lis­ti­scher dar­ge­stellt – mit Ecken, Kan­ten, Fal­ten und letzt­lich ei­ge­ner Iden­ti­tät.

Die Darstel­lun­gen von Frau­en in Büs­ten, Fres­ken, Sta­tu­en oder Bil­dern be­fan­den sich al­so in ste­ti­gem Wan­del. Cyn­thia van Li­jf nahm die An­we­sen­den auf ei­ne Rei­se durch die Zeit, die ganz un­ter­schied­li­che Darstel­lun­gen von Göt­tin­nen, Kai­ser­gat­tin­nen, Chris­tus­müt­tern und bis­wei­len auch ganz nor­ma­len Frau­en be­inhal­te­te. Die Kunst­his­to­ri­ke­rin zeig­te da­bei per Bea­mer auf vie­len Fo­li­en die gro­ße Viel­falt und ver­schie­de­nen Ent­wick­lun­gen der Frau so­wohl in kirch­li­cher als auch welt­li­cher Darstel­lung. Das war be­son­ders des­we­gen so in­ter­es­sant, weil sie da­bei auf vie­le klei­ne De­tails auf­merk­sam mach­te, die man vi­el­leicht als Laie gar nicht be­merkt hät­te. Und ganz ne­ben­bei ver­mit­tel­te sie so viel Hin­ter­grund­wis­sen über die Ge­sell­schaft, die Künst­ler und die Zeit­ge­schich­te, in de­nen die je­wei­li­gen Wer­ke ent­stan­den. Die un­ter­halt­sa­me Zei­t­rei­se führ­te von der An­ti­ke über die Go­tik, die Re­nais­sance und den Ba­rock bis zur Mo­der­ne mit ma­gi­schem Rea­lis­mus und Pop­kul­tur. Und gleich­zei­tig führ­te sie durch die eu­ro­päi­sche Welt. Vom an­ti­ken Rom und At­hen über das Mit­tel­al­ter und die frü­he Neu­zeit in den Nie­der­lan­den, En­g­land, Frank­reich, Deutsch­land, Bel­gi­en und na­tür­lich wie­der Ita­li­en. Da­bei ging es hu­mor­voll zu, so dass die zwei St­un­den wie im Flu­ge ver­gin­gen.

Hin­weis Die nächs­te Ver­an­stal­tung fin­det am Di­ens­tag, 10. No­vem­ber, 19.30 Uhr, statt. The­ma: „Drink doch ene mit“

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