Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald

Er­zie­her las­sen El­tern nicht im Stich

Am Mitt­woch wa­ren we­gen des Warn­streiks nur we­ni­ge Ki­tas kom­plett ge­schlos­sen.

- VON CRIS­TI­NA SEGOVIA-BUENDÍA Unilever NV · Telecom Personal

REM­SCHEID Die Ge­werk­schaft Ver­di rief am Mitt­woch er­neut An­ge­stell­te im öf­fent­li­chen Di­enst zum Warn­streik auf. Nach den Bus­fah­rern stan­den dies­mal Mit­ar­bei­ter der Tech­ni­schen Be­trie­be und städ­ti­scher Ki­tas im Fo­kus, um Druck auf die kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber aus­zu­üben. Denn die­se sind nicht auf die For­de­rung nach ei­ner Ta­rif­er­hö­hung um 4,8 Pro­zent ein­ge­gan­gen.

Er­zie­her zo­gen je­doch ver­gleichs­wei­se we­ni­ge mit. Es wa­ren nur ei­ni­ge we­ni­ge Ki­tas in Hons­berg, Len­nep und Lüttring­hau­sen, die kom­plett ge­schlos­sen blie­ben. Aus den an­de­ren Ein­rich­tun­gen streik­ten ver­ein­zel­te Per­so­nen sym­bo­lisch für ih­re Kol­le­gen mit. Not­grup­pen wur­den ein­ge­rich­tet, et­wa am Ha­sen­berg, um El­tern mit der Be­treu­ung nicht al­lei­ne zu las­sen. Ei­gent­lich kon­tra­pro­duk­tiv für ei­nen Warn­streik, be­merk­te Rä­dels­füh­re­rin Ul­ri­ke Venn, Lei­te­rin der Ki­ta Für­berg. Doch al­le städ­ti­schen Ki­tas in die­ser oh­ne­hin schon schwie­ri­gen Pan­de­mie-Si­tua­ti­on zu schlie­ßen, brach­ten die Er­zie­her nicht übers Herz. „Wir fin­den den Zeit­punkt für ei­nen Warn­streik jetzt auch nicht wirk­lich op­ti­mal“, ge­stand Venn: „Aber was sol­len wir ma­chen? Die Ta­rif­ge­sprä­che ste­hen nun mal jetzt an.“

Auf knapp 40 Er­zie­her schätz­te sie die An­zahl der Strei­ken­den an die­sem Vor­mit­tag. „Das schwächt uns na­tür­lich enorm. Ei­gent­lich sind wir zwi­schen 120 und 150 von ins­ge­samt rund 300 Er­zie­hern, die bei der Stadt­ver­wal­tung an­ge­stellt sind, die nor­ma­ler­wei­se zum Strei­ken auf die Stra­ße ge­hen wür­den.“Trotz Pan­de­mie und Pflicht­be­wusst­sein woll­ten sie den­noch ein Si­gnal set­zen. „Denn es kann nicht sein, dass Pfle­ge­kräf­te und Er­zie­her erst be­klatscht wer­den und sich dann gar nichts mehr be­wegt.“Häu­fig feh­le es auch an ech­ter Wert­schät­zung. Es kä­me das Ge­fühl auf, dass die Aus­sa­ge, wie wich­tig und wel­che gu­te Ar­beit das Ki­ta-Per­so­nal leis­te, zu ei­ner bil­li­gen Flos­kel ver­kom­me. Feh­len­des Per­so­nal, man­geln­de Be­treu­ungs­plät­ze und da­durch re­sul­tie­ren­de Grup­pen mit Über­be­le­gung sor­gen schon in Nor­mal­zei­ten für kei­ne gu­ten Ar­beits­be­din­gun­gen. Die Pan­de­mie ha­be das Pro­blem ver­schärft und ver­lan­ge den Er­zie­hern und Fach­päd­ago­gen noch weit­aus mehr ab.

„Bei die­sem Streik ist es uns pri­mär wich­tig, ge­hört zu wer­den“, be­ton­te Ulf Venn, Lei­ter der Ki­ta Lüttring­hau­ser Stra­ße. Auf dem Pa­pier sei­en sie zwar gut aus­ge­stat­tet, in der Pra­xis aber zeig­ten sich die Pro­ble­me: Durch die Be­las­tung ge­be es mehr krank­heits­be­ding­te Aus­fäl­le und durch die Pan­de­mie sei die Be­treu­ung zu­sätz­lich ge­schwächt wor­den, weil äl­te­re Kol­le­gen Ri­si­ko­pa­ti­en­ten sind.

Grund­sätz­lich, be­merkt auch Sun­ci­ca Hei­lek, päd­ago­gi­sche Fach­kraft in der Len­ne­per Ki­ta, hät­ten El­tern Ver­ständ­nis für die Maß­nah­men, dass sie et­wa nicht mehr die Ein­rich­tun­gen be­tre­ten dür­fen. „Doch die Maß­nah­men, der zu­sätz­li­che Rei­ni­gungs­auf­wand und der er­höh­te In­for­ma­ti­ons­aus­tausch zur Si­tua­ti­on zer­ren an den Ner­ven al­ler.“

Es ge­be vie­le Kla­gen, dass Er­zie­her an ih­re Gren­zen sto­ßen. „Auch da­für ist ein Streik­tag gut“, sag­te Sun­ci­ca Hei­lek.

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FO­TO: SEGOVIA-BUENDÍA In Rem­scheid hat ges­tern zu­min­dest ein Teil der Er­zie­her ge­streikt.

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