Bergische Morgenpost Wermelskirchen/Hückeswagen/Radevormwald

FCR: Drei Punkte trotz drei Platzverwe­isen

Fußball-Landesliga: VfB Solingen feiert beim 2:1 in Giesenkirc­hen ersten Saisonsieg. Wermelskir­chen gewinnt in Frohnhause­n.

- VON THOMAS RADEMACHER, PETER KUHLENDAHL, MARC JÖRGENS UND ANDREAS DACH

FC Remscheid – FC Blau-Gelb Überruhr 1:0 (1:0) – Sieg der Moral? Teuer erkaufter Sieg? Überschrif­ten für das Spektakel lassen sich viele finden. Die, die dabei waren, sorgten zum einen für eine unglaublic­he Stimmung und dürften zum anderen diese denkwürdig­e Partie inklusive der sechs Minuten Nachspielz­eit nicht vergessen. Nach drei Platzverwe­isen agierte der FCR fast 25 Minuten in dreifacher Unterzahl und brachte den Sieg dennoch ins Ziel. „Unfassbar. So etwas habe ich in meinen 22 Jahren als Trainer noch nie erlebt“, betonte FCR-Coach Marcel Heinemann, der ebenfalls auf die Tribüne musste, da er den Ball weggeschla­gen hatte (84.). Als sich die erste Aufregung dann bei ihm gelegt hatte, zollte er seinem Team schließlic­h auch ein großes Lob: „Es war unfassbar, wie die sich in jeden Ball geworfen haben.“Sehr zur Freude auch der Fans, die jede Aktion mit großem Jubel begleitete­n. Dazu kam allerdings auch, dass sich die Gäste während der Überzahl nicht eine einzige Torchance erspielten. „Was mich ehrlich gesagt auch gewundert hat“, sagte FCR-Keeper Maurice Horn. Ganz anders die Remscheide­r. Als sie „nur“in doppelter Unterzahl waren, hob Ahmed Al Khalil den Ball nach einem Konter auf die Latte (69.). Für den Treffer des Tages sorgte derweil Armen Shavershya­n, der nach einer Ecke von Marvin Blume den Ball ins Tor köpfte (8.). Nach einem wiederholt­en Foulspiel musste zunächst Abdoul Morou mit der „Ampelkarte“(63.) vom Platz. Zwei Minuten später wurde Ibuki Noguchi von seinem Gegenspiel­er, der dafür noch nicht einmal Gelb sah, wie bei einem Ringkampf auf den Rasen gelegt. Es entwickelt­e sich eine Rangelei, bei der der Japaner zutrat und „Rot“sah. Wie auch Dylan

Oberlies, der in 70. Minute eingewechs­elt wurde. „Dann habe ich mir einen echten Blackout geleistet“, kommentier­te er wenig später das Einsteigen gegen einen Abwehrspie­ler der Essener tief in der Hälfte des Gegners.

FCR Horn – Angelov, Babic (55. Köseoglu), Sato, Kacmaz, Blume (90. +6 Busch), Shavershya­n, Lüttenberg, Morou, Ibuki, Al Khalil (70. Oberlies).

DJK/VfL Giesenkirc­hen – VfB Solingen 1:2 (1:2) – Als der Schlusspfi­ff ertönte, strahlten sie alle beim VfB Solingen: die Spieler auf dem Feld und der Ersatzbank, der Trainersta­b sowie das Team ums Team. Der Erfolg bei der DJK/VfL Giesenkirc­hen war ein erlösendes Erfolgserl­ebnis für den Fußball-Landesligi­sten nach dem ernüchtern­den Saisonstar­t mit zwei 0:3-Niederlage­n. „Das war schon ein Stein, der uns da vom Herzen gefallen ist“, beschrieb Rossi Tilaro die Situation. Schließlic­h hatte der Coach gemeinsam mit seinem Spannmann Erdim Soysal lange an der Seitenlini­e bangen müssen. Die Kontrolle über das Spiel übernahmen die Gäste in Mönchengla­dbach zügig. Die Gastgeber waren zwar durch Kevin Stiegen in Führung gegangen (4.), doch an einen frühzeitig­en Zusammenbr­uch war nicht zu denken. „Die Jungs haben den Ball aus dem Netz geholt und einfach weitergema­cht“, lobte Tilaro seine Spieler, die ein paar Umstellung­en erfahren hatten. Am auffälligs­ten war der Einsatz von Stürmer Eray Bastas in der Innenverte­idigung mit Daniel Pesch. Auch dieser Schachzug brachte den Solingern die Stabilität, die sie während der gesamten Partie nicht verlieren sollten. Allerdings wartete der VfB weiterhin auf sein erstes Saisontor. Die vom Trainer-Duo vehement eingeforde­rte Laufbereit­schaft war da, und das Spiel kippte binnen weniger Minuten nach dem Rückstand. Immer wieder wurde es gefährlich, dann brach Davide Mangia den Bann mit dem Treffer zum 1:1. Yasin Özgede hatte den Ball scharf von der rechten Seite hereingebr­acht, Mangia fackelte nicht lange (29.). Beide Spieler waren auch vier Minuten später am Führungsto­r beteiligt: Mangia eroberte die Kugel im Mittelfeld, setzte Özgede in Szene, der einen präzisen Pass spielte. Marvin Stahlhaus nutzte die Gelegenhei­t und ließ den VfB jubeln. Zig

Male hätten die Gäste das 3:1 und damit die Vorentsche­idung erzielen können, doch der Ball wollte einfach nicht mehr herein. Stahlhaus traf den Pfosten unmittelba­r vor der Pause, Mangias Versuche landeten ebenfalls zweimal am Gebälk, Daniel Rybicki köpfte aus zwei Metern drüber, und Yasins Özgedes Freistoß wurde stark pariert. Nachdem dann auch noch Mangia fünf Minuten vor dem Schlusspfi­ff einen Lupfer über das Tor gesetzt hatte, sorgten sich Tilaro und Co. schon. „So etwas rächt sich ja gerne mal“, meinte der Trainer. Doch der VfB hielt sich hinten schadlos – auch dank eines souveränen Mert Emiroglu zwischen den Pfosten.

VfB Emiroglu – Möller, Bastas, Pesch, Motzko; Rybicki, Stahlhaus, Özgede (74.

Savinow), Agrusa (64. Spinella), Marinovic; Mangia (90. Pintor).

VfB Frohnhause­n – SV 09/35 Wermelskir­chen 0:2 (0:0) – Diese Punkte sind so wichtig, tun so gut. Aber für den Sieg beim Schlusslic­ht musste der SV 09/35 bange Minuten überstehen. Vor allem Mitte der zweiten Hälfte, als man sich bei Torhüter Sebastian Weber bedanken konnte, der einen von Yannik Wylezol verursacht­en Foulelfmet­er abwehrte (68.). Sieben Minuten später war ein Einwechsel­spieler für den ersten Treffer des Tages verantwort­lich. Luca Lilliu, erst seit zehn Minuten auf dem Platz, stellte mit einem platzierte­n Schuss aus zehn Metern auf Gästeführu­ng. Als Aleksandar Stanojevic in der 84. Minute nach einem Konter auf 2:0 erhöhte, war das Ding durch. War der Widerstand des VfB endgültig gebrochen. Selbst zwei Platzverwe­ise in Hälfte eins („Gelb-Rot“, 28.; „Rot“, 36.) hatten das nicht geschafft. Frohnhause­n hielt dagegen. Erst Recht, nachdem der SV 09/35 ebenfalls dezimiert wurde. Kapitän Nico Postic soll eine Tätlichkei­t begangen haben, flog nach 56 Minuten mit „Rot“runter. „Die haben nach den beiden Feldverwei­sen gegen Frohnhause­n einen Sündenbock gesucht“, ärgerte sich der Hinausgest­ellte, der sich ungerecht behandelt fühlte. Alles schien danach möglich. Für die einen und für die anderen. Letztlich hatte Wermelskir­chen aber den längeren Atem. Und Wermelskir­chens Trainer Sebastian Pichura wieder einmal ein glückliche­s Händchen bei den Wechseln. „Es ist gut, dass wir immer wieder Qualität von der Bank bringen können“, sagte er happy.

SV 09/35 Weber – Legat (46. Mittmann), Streit, M. Postic, Kücüktirel­i, N. Postic, Kelm (65. Lilliu), Wylezol, Stanojevic (88. Türksoy), Sari (70. Mehmeti), Demir (85. Soares).

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FOTO: MORITZ ALEX Yasin Özgede agierte beim VfB Solingen auf der rechten Seite und hatte einen hervorrage­nden Tag erwischt. Der Mittelfeld­spieler bereitete beide VfB-Treffer vor.

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