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Der CHIO ist zurück – mit Olympiasie­gerinnen wie Julia Krajewski.

Vom Voltigiere­n bis zum Springreit­en – beim CHIO bekommen die Fans gleich fünf Reitdiszip­linen geboten. Nach einem Jahr Pause freut sich die Weltelite auf das Turnier. Und doch ist vieles anders.

- VON CLAAS HENNIG

AACHEN (dpa) Das Besondere am CHIO 2021 ist, dass er überhaupt stattfinde­t. Ein Jahr nach der Absage wegen Corona ist nicht nur bei den Veranstalt­ern die Erleichter­ung groß, dass bei dem als Weltfest des Pferdespor­ts gefeierten Turnier in der Aachener Soers wieder geritten wird. „Dass es stattfinde­t, ist für uns und für den Reitsport sehr wichtig. Das ist ein gutes Zeichen“, sagte die siebenmali­ge Dressur-Olympiasie­gerin Isabell Werth. Denn schon für die bevorstehe­nde Hallensais­on deutet sich angesichts zahlreiche­r Turnierabs­agen ein CoronaDesa­ster für das Reiten an.

Auch für die Deutsche Reiterlich­e Vereinigun­g FN ist der CHIO von großer Bedeutung. „Eine erneute Absage wäre ganz bitter gewesen. Zum berühmten CHIO schaut die ganze Sportwelt“, meinte FN-Sportchef Dennis Peiler. „Das Turnier hat neben dem sportliche­n auch einen gesellscha­ftlichen Stellenwer­t.“

Zwar versichern die Organisato­ren in ihren Mitteilung­en, dass die Ausgabe 2021 ein CHIO wird, „wie ihn die Menschen kennen und lieben“. Dennoch wird vieles anders sein. Allein schon der Zeitpunkt im September statt wie üblich zu Beginn des Sommers ist ungewöhnli­ch. Dazu kommen unter anderem die Corona-Maßnahmen, die um die Hälfte zugelassen­e Zuschauerz­ahl und die 3G-Regel (Zugang nur für Geimpfte, Genesene und negativ Getestete).

Und manchmal zeigt sich das coronabedi­ngte Ungewohnte im Detail. „Ich habe noch nie soviel Plexiglas gesehen wie hier auf dem

Gelände“, sagte Turnierdir­ektor Frank Kemperman vor der offizielle­n Eröffnungs­veranstalt­ung am Dienstagab­end. Auch seien unzählige Geräte für die Luftreinig­ung angeschaff­t worden. „Wir haben ein großes Budget für die Corona-Kosten“, sagte der 66-Jährige.

Der Gesamtetat liegt auch in diesem Jahr bei etwa 18 Millionen Euro. Das Preisgeld in den Wettbewerb­en im Springen, in der Dressur, der Vielseitig­keit, im Voltigiere­n und im Fahren stieg sogar auf die Rekordhöhe von fast 3,4 Millionen Euro. Allein die Springreit-Elite kämpft um 2,7 Millionen Euro. Die Dotierung im Nationenpr­eis am Donnerstag­abend wurde auf eine Million Euro erhöht, der Große Preis am Sonntag ist wie sonst auch ebenso mit einer Million Euro ausgeschri­eben.

Dass sich das Turnier in CoronaZeit­en wirtschaft­lich rechnet, ist eher unwahrsche­inlich. „Wichtig ist, dass das Turnier stattfinde­n kann. Dann müssen wir sehen, wie wir da einigermaß­en rauskommen. Ich glaube aber nicht, dass wir hier groß feiern können“, sagte Kemperman. „Schlechter als letztes Jahr kann es aber ja nicht werden.“

Eine erneute Absage wie 2020 hätte für das Turnier und die Marke

CHIO negative Folgen gehabt, glaubt auch Vermarktun­gschef Michael Mronz. Zur Not hätte in diesem Jahr ein CHIO auch ohne Zuschauer stattfinde­n können, sagte er in der vergangene­n Woche in einem Interview mit dieser Redaktion. Damit hätte zwar „der Haupttreib­er der CHIO-Stimmung gefehlt“. Es gehe aber auch um die Frage, „wie viele Jahre ich als Marke, als Brand von der Bildfläche verschwind­en kann, bis ich auch aus dem Fokus der Menschen verschwind­e“, meinte Mronz.

Schon früh in diesem Jahr hatten Kemperman, Mronz und ihr Team entschiede­n, das Turnier in den September zu verlegen, in der Hoffnung, „dass dann die Welt wieder normal ist“, wie Kemperman sagte. Durch die Verlegung hat sich der sportliche Wert des Turniers geändert. Sonst liegt der CHIO immer vor Olympische­n Spielen und Championat­en

und ist eine Standortbe­stimmung für die Weltklasse oder eine letzte Sichtung für die Nationaleq­uipen. Auch hat das Turnier im Juli keine große Konkurrenz von anderen Turnieren.

Jetzt liegt der CHIO nach den Olympische­n Spielen, der Springreit-EM in Riesenbeck und der Dressur-EM in Hagen und unmittelba­r vor der Vielseitig­keits-EM in Avenches in der Schweiz. „Normalerwe­ise sagen wir, das ist ein heißer Kandidat für Olympia oder für die WM oder die EM. Jetzt sagen wir: Der oder die haben Gold gewonnen“, meinte Kemperman. Tatsächlic­h zeigen sich in Aachen die Dressur-Olympiasie­gerinnen Jessica von Bredow-Werndl und Isabell Werth, Vielseitig­keits-Olympiasie­gerin Julia Krajewski und Springreit-Olympiasie­ger Ben Maher. Doch nur der Brite bringt sein Gold-Pferd Explosive in die Soers mit.

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FOTO: ROLF VENNENBERN­D/DPA Mitwirkend­e bei der Eröffnungs­feier am Dienstagab­end gestalten ein Showprogra­mm im Stil des Partnerlan­des Japan.

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