„Man muss sich die Nacht um die Oh­ren hau­en“

Pe­ter Kal­bitz ist Vor­stands­mit­glied des As­tro­no­mi­schen Ver­eins Rem­scheid. Im BM-In­ter­view spricht er über den Reiz der Ster­nen­be­ob­ach­tung, die Ak­ti­vi­tä­ten des Ver­eins und dar­über, wo man im Ber­gi­schen gut Ster­ne­gu­cken kann.

Bergische Morgenpost Wermelskirchen - - WERMELSKIRCHENER ANZEIGER -

Herr Kal­bitz, was macht für Sie den Reiz der Ster­ne aus?

Das ist ganz ein­fach: Es ist die Kom­bi­na­ti­on aus dem ge­heim­nis­vol­len Fun­keln am Him­mel und dem Be­wusst­sein, dass wir al­le ein klei­ner Teil die­ses ge­wal­ti­gen Kos­mos‘ sind.

Pe­ter Kal­bitz

Wann ha­ben Sie mit der Be­ob­ach­tung durchs Te­le­skop an­ge­fan­gen?

Ich ha­be da­mit im Jahr 1979 an­ge­fan­gen, al­so im neu­en Jahr bin ich seit 40 Jah­ren da­bei.

Kal­bitz

Kön­nen Sie aus dem Ste­g­reif die ver­schie­de­nen Stern­bil­der be­nen­nen?

Kal­bitz

Das ist nicht ganz so ein­fach. Denn es gibt ins­ge­samt 88 Stern­bil­der. Von die­sen 88 Stern­bil­dern kön­nen wir im Ber­gi­schen Land et­wa zwei Drit­tel se­hen. Be­son­ders ge­läu­fig sind in ers­ter Li­nie die Tier­kreiss­tern­bil­der, durch die die Son­ne im Lau­fe ei­nes Jah­res schein­bar hin­durch­wan­dert: Steinbock, Wassermann, Fi­sche, Widder, Stier, Zwil­lin­ge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion und Schütze. Sehr be­kannt sind auch bei den meis­ten Lai­en der Gro­ße und der Klei­ne Wa­gen so­wie das Stern­bild Ori­on. Weil man sie in un­se­rer He­mi­sphä­re nie se­hen kön­nen, sind hin­ge­gen die süd­li­chen Stern­bil­der kaum be­kannt: Zen­taur et­wa oder das Kreuz des Sü­dens. Da­mit wir sie se­hen könn­ten, müss­ten wir auf die süd­li­che Halb­ku­gel der Er­de rei­sen.

Was braucht man denn als Laie, um ei­nen gu­ten Ein­blick zu be­kom­men?

Es ge­nügt ein Fern­glas mit der Stär­ke 8x50, da­zu braucht man noch ei­ne dreh­ba­re Stern­kar­te und ei­nen as­tro­no­mi­schen Ka­len­der, et­wa das Him­mels­jahr. Das kos­tet zu­sam­men kei­ne 100 Eu­ro. Und na­tür­lich soll­te man Kon­takt zur nächst­ge­le­ge­nen Stern­war­te auf­neh­men.

Kal­bitz

Gibt es ei­ne Jah­res­zeit, in der die Ster­nen­be­ob­ach­tung be­son­ders gut funk­tio­niert?

Ja, das ist jetzt im Win­ter der Fall. Der Grund da­für ist ganz ein­fach: Es wird frü­her dun­kel und die Luft ist sehr klar. Da­durch kann man auch zu ver­nünf­ti­gen Uhr­zei­ten den Him­mel be­ob­ach­ten.

Kal­bitz

Und ste­hen Sie dann auch zu un­ge

um be­son­de­re An­bli­cke am Him­mel zu ge­nie­ßen?

Na, klar! Denn es ist ein­fach oft der Fall, dass die sel­te­nen Him­mels­schau­spie­le mit­ten in der Nacht auf­tre­ten. Da­zu ge­hö­ren

Kal­bitz

et­wa Mond­fins­ter­nis­se, Pla­ne­ten­kon­junk­tio­nen oder auch das Er­schei­nen ei­nes Ko­me­ten. Manch­mal muss man sich die Nacht um die Oh­ren hau­en.

Kann man sich auf be­son­de­re Ster­nen­kon­stel­la­tio­nen im neu­en Jahr freu­en?

Kal­bitz

In der Tat – und das auch schon sehr bald. Am 21. Ja­nu­ar et­wa ist ei­ne to­ta­le Mond­fins­ter­nis zu be­ob­ach­ten – und auch das wie­der zu ei­ner Zeit, in der man sonst tief schläft: von 4.30 bis 7.50 Uhr. Am 2. Fe­bru­ar kann man von et­wa 6.30 bis 7.35 Uhr die Be­de­ckung des Pla­ne­ten Sa­turns durch den Mond be­ob­ach­ten. Und am 11. No­vem­ber ist in der Zeit von et­wa 13.35 bis 19.05 Uhr der Tran­sit des Pla­ne­ten Mer­kur vor die Son­ne zu be­ob­ach­ten.

Gibt es ei­nen Ort auf der Welt, an dem man be­son­ders gut Ster­ne­gu­cken kann?

Grund­sätz­lich gilt: In al­len Re­gio­nen der Welt, in de­nen es nachts dun­kel ist, kann man be­son­ders gut Ster­ne be­ob­ach­ten kann. Da­zu zäh­len in Deutsch­land et­wa die Ei­fel, der Vo­gels­berg oder das

Kal­bitz

Ha­vel­land. In der EU ge­hö­ren die Al­pen, die Pro­vence, die Py­re­nä­en, die Sier­ra Ne­va­da oder die Ka­na­ri­schen In­seln. Welt­weit sind die schöns­ten Be­ob­ach­tungs­or­te in den chi­le­ni­schen An­den und in Na­mi­bia.

Sind Sie dort schon mal ge­we­sen?

Ich war schon mal in der Ei­fel, am Vo­gels­berg, in den Py­re­nä­en und in der Sier­ra Ne­va­da.

Kal­bitz

Wie gut kann man denn im Ber­gi­schen Ster­ne be­ob­ach­ten?

Das geht am bes­ten ab­seits der gro­ßen Städ­te, vor al­lem im süd­öst­li­chen Be­reich von Ra­de­vorm­wald über Hü­ckes­wa­gen und Wip­per­fürth bis zum Wer­mels­kir­che­ner Sü­den. Au­ßer­dem na­tür­lich im Süd­kreis des Ober­ber­gi­schen, wo der Him­mel noch recht dun­kel ist. Dort kann man zum Bei­spiel die Milch­stra­ße noch gut se­hen. Al­ler­dings – das ber­gi­sche Re­gen­wet­ter macht uns oft ei­nen Strich durch die Rech­nung, so dass wir et­wa 50 ver­wert­ba­re Be­ob­ach­tungs­näch­te pro Jahr ha­ben.

Kal­bitz

Ist das ei­gent­lich auch ein The­ma für Ju­gend­li­che?

Na­tür­lich. Ju­gend­li­che las­sen sich schnell be­geis­tern und wol­len ih­re Welt ent­de­cken. Aber die manch­mal un­ge­müt­li­che Na­tur­be­ob­ach­tung – und die Uhr­zei­ten – ste­hen in Kon­kur­renz zu be­que­men An­ge­bo­ten im In­ter­net.

Kal­bitz

Da­zu ge­hö­ren die so­zia­len Me­di­en und die Reiz­über­flu­tung durch das Fern­se­hen. Im­mer­hin kön­nen mo­der­ne Apps bei der Him­mels­be­ob­ach­tung hel­fen – ich will das In­ter­net gar nicht ver­teu­feln. Den­noch ist die ori­gi­nä­re Be­ob­ach­tung es­sen­ti­ell für das Ver­ständ­nis un­se­rer Um­welt. Da­von un­be­las­sen ist die Tat­sa­che, dass wir im As­tro­no­mi­schen Ver­ein in Rem­scheid drin­gend jun­ge Nach­wuchs­kräf­te brau­chen.

Wel­che Ak­ti­vi­tä­ten bie­tet der As­tro­no­mi­sche Ver­ein Rem­scheid an?

Ei­ne gan­ze Men­ge. An je­dem ers­ten und drit­ten Don­ners­tag im Mo­nat be­ob­ach­ten wir ab 20 Uhr die Ster­ne. Je­den Sonn­tag im Win­ter­halb­jahr – au­ßer bei schlech­tem Wet­ter – bie­ten wir von 14.30 bis 16 Uhr Son­nen­be­ob­ach­tung an, im Som­mer­halb­jahr von 15.30 bis 17 Uhr. Es gibt wech­seln­de Vor­trä­ge ein­mal im Mo­nat, im­mer frei­tags ab 19.30 Uhr. Da­zu kom­men Stern­wan­de­run­gen, die eben­falls ein­mal im Mo­nat am Sams­tag um die Ne­u­mond­zeit an­ge­setzt sind – al­so mit jah­res­zeit­lich wech­seln­den Start­zei­ten. Start­punkt ist das H O in Ha­cken­berg. Die Wan­de­rung fin­den nicht von Mai bis Ju­li statt. Na­tür­lich be­ob­ach­ten wir auch die as­tro­no­mi­schen Er­eig­nis­se, et­was Son­nen- und Mond­fins­ter­nis­se, Pla­ne­ten­kon­stel­la­tio­nen oder Ko­men­ten­er­schei­nun­gen. Am Tag des of­fe­nen Denk­mals, dem zwei­ten

Kal­bitz

Sonn­tag im Sep­tem­ber, sind wir mit dem Bis­marck­turm, in dem sich ja die Dr.-Hans-Schä­fer-Stern­war­te be­fin­det, ver­tre­ten. Je­den vier­ten Don­ners­tag im Mo­nat ist un­ser As­tro-Stamm­tisch im Re­stau­rant Miró, Scharff­stra­ße 5 in Rem­scheid, zu dem auch al­le Nicht­mit­glie­der herz­lich ein­ge­la­den sind.

Ha­ben Sie ei­gent­lich ei­nen Lieb­lings­stern?

Ja, tat­säch­lich sind es zwei: Si­ri­us im Stern­bild Gro­ßer Hund. Das ist der hells­te Stern un­se­res Ster­nen­him­mels. Und dann noch der ro­te Rie­sen­stern Be­tei­geu­ze im Stern­bild Ori­on.

Kal­bitz

Was hal­ten Sie von Stern­pa­ten­schaf­ten?

Der As­tro­no­mi­sche Ver­ein in Rem­scheid bie­tet selbst Stern­pa­ten­schaf­ten zu mo­de­ra­ten Prei­sen an. Wich­tig ist es in die­sem Zu­sam­men­hang, deut­lich zu ma­chen, dass es sich nur um ei­ne sym­bo­li­sche Pa­ten­schaft han­delt. Da­mit ge­hen kei­ne Ver­bind­lich­kei­ten ein­her oder gar ei­ne of­fi­zi­el­le Gül­tig­keit der Pa­ten­schaft. Es han­delt sich da­bei um ei­ne Auf­merk­sam­keit für ei­nen ge­lieb­ten Men­schen, und gleich­zei­tig ist es für uns ei­ne Mög­lich­keit, die as­tro­no­mi­sche Bil­dung in der Be­völ­ke­rung zu fi­nan­zie­ren.

Kal­bitz

FO­TO: SE­BAS­TI­AN KARTHEUSER/DPA

Bei solch ei­nem Ster­nen­him­mel wie hier über Meck­len­burg-Vor­pom­mern schlägt das Herz ei­nes je­den Astro­tou­ris­ten hö­her.

AR­CHIV­FO­TO: MOLL

Pe­ter Kal­bitz in der Dr. Hans Schä­fer Stern­war­te.

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