Schwarz­ar­beit: 7000 Hin­wei­se pro Jahr

Haupt­zoll­amt Os­na­brück be­kommt im Jahr et­wa 7000 Hin­wei­se auf Schwarz­ar­beit

Bersenbrucker Kreisblatt - - VORDERSEITE - Von Dirk Fis­ser

OS­NA­BRÜCK Das Haupt­zoll­amt Os­na­brück be­kommt pro Jahr rund 7000 Hin­wei­se auf Schwarz­ar­beit, sag­te Tho­mas Möl­ler, Lei­ter des Haupt­zoll­amts Os­na­brück, im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on. „Bei uns do­mi­nie­ren Bau­bran­che, Trans­port­ge­wer­be und Gas­tro­no­mie so­wohl bei Hin­wei­sen als auch den Ver­stö­ßen“, so Möl­ler wei­ter. Da­bei han­de­le es sich um Bran­chen, bei de­nen Ent­loh­nung per Hand­geld im­mer noch üb­lich sei und häu­fig Aus­hil­fen im Ein­satz sei­en.

Auch die Per­so­nal­not sprach der Lei­ter des Haupt­zoll­am­tes an. „In den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat­te das Haupt­zoll­amt Os­na­brück zu kei­nem Zeit­punkt das Per­so­nal­soll er­reicht“, so Möl­ler. Auch ak­tu­ell sind 29 Di­enst­pos­ten beim Haupt­zoll­amt Os­na­brück va­kant, 16 da­von bei der Fi­nanz­kon­trol­le Schwarz­ar­beit.

Bau­bran­che, Trans­port­ge­wer­be und Gas­tro­no­mie do­mi­nie­ren bei Hin­wei­sen und Ver­stö­ßen, sagt Tho­mas Möl­ler, Lei­ter des Haupt­zoll­amts Os­na­brück. Ein Ge­spräch über Schwarz­ar­beit in der Re­gi­on. Herr Möl­ler, hier mal schnell et­was am Haus re­pa­riert, dort nur kurz durch ge­putzt und das Gan­ze oh­ne Rech­nung – nimmt der Bun­des­bür­ger das The­ma Schwarz­ar­beit aus­rei­chend ernst?

Grund­sätz­lich neigt der Bür­ger da­zu, dort, wo er Ab­ga­ben an den Staat zu zah­len hat, die­se zu mi­ni­mie­ren. Das ist ein biss­chen so et­was wie Volks­sport in Deutsch­land. Sei es der Schmug­gel von Wa­ren im Kof­fer nach der Ur­laubs­rei­se oder die Ver­schleie­rung von Be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nis­sen, die Nicht­zah­lung des ge­setz­li­chen Min­dest­lohns und so wei­ter. Schwarz­ar­beit hat hier­zu­lan­de mei­ner Ein­schät­zung nach im Ver­hält­nis aber kein grö­ße­res Aus­maß als an­de­re Straf­ta­ten.

Wie wich­tig sind Hin­wei­se für den Zoll?

Im Be­zirk des Haupt­am­tes Os­na­brück be­kom­men wir im Jah­res­schnitt et­wa 7000 Hin­wei­se auf Schwarz­ar­beit. Wir ge­hen da ri­si­ko­ori­en­tiert vor. Der An­ru­fer, der in der Nacht von Sams­tag auf Sonn­tag auf dem An­ruf­be­ant­wor­ter lan­det und mit lal­len­der Stim­me sei­ne Ex-Frau be­schul­digt, ge­nießt si­cher­lich ei­ne an­de­re Prio­ri­tät als Zu­schrif­ten mit de­tail­lier­ten Un­ter­la­gen und In­for­ma­tio­nen. Ja, tat­säch­lich werden uns manch­mal auch um­fang­rei­che EDV-Un­ter­la­gen über­ge­ben.

Sind sol­che Whist­leb­lo­wer aus­rei­chend ge­schützt?

Je­de Ak­te kann da­mit an­fan­gen, dass je­mand ei­nen Hin­weis ge­ge­ben hat. Nimmt der An­walt des Be­schul­dig­ten Ak­ten­ein­sicht – das ist sein Lei­tet das Os­na­brück: gu­tes Recht in Deutsch­land – sieht er den Na­men des Hin­weis­ge­bers. Wir sind nicht be­rech­tigt, in der Er­mitt­lungs­ak­te Na­men zu schwär­zen. Die Zoll­be­am­ten er­mit­teln im Auf­trag der Staats­an­walt­schaft und sind wei­sungs­ge­bun­den. Na­tür­lich gibt es Mit­tel und We­ge im Rah­men der ge­setz­li­chen Mög­lich­kei­ten, Zeu­gen zu schüt­zen. Das reicht in be­son­ders schwe­ren Fäl­len bis hin zum Zeu­gen­schutz­pro­gramm.

Was war denn in jüngs­ter Zeit der her­aus­ra­gends­te Fall?

ha­be das Haupt­zoll­amt Os­na­brück zu kei­nem Zeit­punkt das Per­so­nal­soll er­reicht, sagt des­sen

Haupt­zoll­amt

De­tails kann ich jetzt nicht sa­gen, aber ganz ak­tu­ell ha­ben wir es ge­schafft, un­er­laub­te Ar­beit­neh­mer­ent­sen­dung

in der Lo­gis­tik­bran­che im gro­ßen Stil auf­zu­de­cken. Dort sind Werk­ver­trä­ge für Ar­beit­neh­mer im drei­stel­li­gen Be­reich ge­nutzt wor­den, um ei­ne So­zi­al­ver­si­che­rungs­pflicht in Deutsch­land zu um­ge­hen. Zum ers­ten Mal ha­ben wir es ge­schafft, dass ei­ne aus­län­di­sche Be­hör­de auf­grund un­se­rer Er­mitt­lun­gen die A-1-Be­schei­ni­gun­gen für die Ent­sen­dung zu­rück­ge­nom­men hat, so­dass die So­zi­al­ver­si­che­rungs­pflicht in Deutsch­land fest­ge­stellt wur­de. Hier kom­men auf die tat­säch­li­chen deut­schen Ar­beit­ge­ber For­de­run­gen für die So­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge zu. Ein gro­ßer Er­folg! In ei­nem an­de­ren Fall der Bau­bran­che ha­ben wir Ab­deck­rech­nun­gen fest­ge­stellt, die bun­des­weit ein­ge­setzt wur­den, um Ab­ga­ben von rund 30 Mil­lio­nen zu hin­ter­zie­hen.

Die Eu­ro­päi­sche Uni­on ist qua­si ein gro­ßer Ar­beits­markt. Ar­beit­neh­mer sind frei in der Stand­ort­wahl, eben­so Un­ter­neh­men. Ist der Zoll da­für aus­rei­chend auf­ge­stellt?

Wenn der Ge­setz­ge­ber uns Auf­ga­ben über­trägt, geht das

im­mer ein­her mit der Prü­fung, ob wir da­für auch aus­rei­chend Per­so­nal ha­ben. Die Bun­des­re­gie­rung hat im jüngst ver­ab­schie­de­ten Bun­des­haus­halt ei­ne Per­so­nal­auf­sto­ckung für die Zoll­ver­wal­tung im vier­stel­li­gen Be­reich be­schlos­sen. 29 Di­enst­pos­ten sind der­zeit beim Haupt­zoll­amt Os­na­brück va­kant, 16 da­von bei der Fi­nanz­kon­trol­le Schwarz­ar­beit. Zum ers­ten Mal kön­nen wir auch Quer­ein­stei­ger ein­stel­len, die ei­ne ganz an­de­re Be­rufs­aus­bil­dung – bei­spiels­wei­se als So­zi­al­ver­si­che­rungs­fach­an­ge­stell­te oder Kaufmann – ab­sol­viert ha­ben. Wir sind ein at­trak­ti­ver Ar­beit­ge­ber, auch weil die Ver­be­am­tung bei uns winkt. Rich­tig ist aber auch: In den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat­te das Haupt­zoll­amt Os­na­brück zu kei­nem Zeit­punkt das Per­so­nal­soll er­reicht. Trotz­dem konn­ten wir in der Ver­gan­gen­heit die Men­gen­vor­ga­be der Prü­fun­gen er­fül­len.

Reicht das neue Per­so­nal im Kampf ge­gen Schwarz­ar­beit?

Wir werden die Schwarz­ar­beit nicht kom­plett ver­hin­dern kön­nen. Das Ri­si­ko, er­wischt zu werden, muss aber so hoch sein, dass es sich de­fi­ni­tiv nicht lohnt, ge­gen das Ge­setz zu ver­sto­ßen. Wer Steu­ern oder So­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge hin­ter­zieht, ver­schafft sich il­le­ga­ler­wei­se ei­nen Wett­be­werbs­vor­teil ge­gen­über der Kon­kur­renz. Er kann sei­ne Dienst­leis­tun­gen und Wa­ren letzt­lich güns­ti­ger an­bie­ten und den Ge­winn meh­ren. Das ist kein Ka­va­liers­de­likt, son­dern scha­det dem Wett­be­werb und letzt­lich der Ge­sell­schaft.

Gibt es das klas­si­sche Schwarz­ar­beit-Sze­na­rio, auf das Sie be­son­ders in die­ser Re­gi­on tref­fen?

Bei uns do­mi­nie­ren Bau­bran­che, Trans­port­ge­wer­be und Gas­tro­no­mie so­wohl bei Hin­wei­sen als auch den Ver­stö­ßen.

Über die­se Bran­chen wird doch schon so lan­ge ge­re­det. Nimmt die Ge­gen­sei­te den Zoll al­so doch nicht ernst?

Da­bei han­delt es sich um Bran­chen, bei de­nen Ent­loh­nung per Hand­geld im­mer noch üb­lich ist und häu­fig Aus­hil­fen im Ein­satz sind. Da bie­tet es sich ein­fach an, es zu ver­su­chen. Bei ei­nem Un­ter­neh­men mit Zeit­kon­ten und um­fang­rei­cher EDV ist es eher schwie­rig, Schwarz­ar­bei­ter zu be­schäf­ti­gen.

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren ist vor al­lem der Werk­ver­trag in Ver­ruf ge­ra­ten. Hat er sei­nen schlech­ten Ruf aus Ih­rer Sicht zu Recht?

Das Bür­ger­li­che Ge­setz­buch ist mehr als 100 Jah­re alt. So weit reicht die recht­li­che Fi­xie­rung des Werk­ver­tra­ges zu­rück. Er hat vor al­lem für Hand­wer­ker ei­ne ge­wis­se Rechts­si­cher­heit ga­ran­tiert im Ver­trags­ver­hält­nis mit ih­ren Kun­den. Was wir heu­te in Sa­chen Werk­ver­trag se­hen, ist der Ver­such, an­de­re Rechts­ge­bie­te wie das Ar­beits­recht aus­zu­he­beln. Da gilt der Werk­ver­trag, wo ei­gent­lich ein Ar­beits­ver­trag be­ste­hen müss­te. Un­ser Pro­blem ist im­mer fest­zu­stel­len: Wird das, was da ver­trag­lich ver­ein­bart wur­de, auch tat­säch­lich ge­lebt, oder ist es in der Rea­li­tät an­ders – und kön­nen wir das be­wei­sen? Das ist ganz schwie­rig. Die Ge­gen­sei­te wird beim Aus­lo­ten der recht­li­chen Gren­zen des Werk­ver­tra­ges gut be­ra­ten. Der Werk­ver­trag hat ei­ne sehr gro­ße Grau­zo­ne, weil die recht­li­chen Leit­plan­ken so weit ge­fasst sind. Der Ge­setz­ge­ber hat sich bis­lang nicht dar­auf ver­stän­di­gen kön­nen, die­se Leit­plan­ken en­ger zu fas­sen. Das wür­de es uns na­tür­lich ein­fa­cher ma­chen.

Und was ist mit dem Min­dest­lohn? Auch ein Dau­er­bren­ner der ver­gan­ge­nen Jah­re …

Hier in der Re­gi­on ist der Wett­be­werb um Ar­beits­kräf­te so groß, dass ei­ne Be­schäf­ti­gung un­ter dem ge­setz­li­chen Min­dest­lohn in al­ler Re­gel dar­an schei­tert, dass sich kein Ar­beit­neh­mer fin­det, der das mit­macht. Ein­zel­fäl­le gibt es na­tür­lich im­mer. Da wird dann vor­ran­gig ver­sucht, durch Ma­ni­pu­la­ti­on der Ar­beits­zeit oder Um­prei­sung von Leis­tun­gen wie Es­sen und Lo­gis den Lohn in­di­rekt zu drü­cken.

Fo­to: Ste­fan Sau­er/dpa

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren Lei­ter Tho­mas Möl­ler.

Fo­to: Micha­el Grün­del

Tho­mas Möl­ler.

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