FERN­SE­HEN

Der Po­li­zei­ruf 110 aus Ros­tock muss sich in die ARD-The­men­wo­che ein­rei­hen – das be­kommt ihm nicht

Bersenbrucker Kreisblatt - - VORDERSEITE - Von Joa­chim Schmitz

„Su­per­frau­en – die weib­li­che Sei­te des deut­schen Films“

Do­ku zur Fra­ge, war­um Fil­me vor al­lem von Män­nern ge­dreht wer­den.

Das Ers­te, Sonn­tag, 20.15 Uhr

Auch in die­sem Jahr reiht sich wie­der ein Sonn­tags­kri­mi in die ARD-The­men­wo­che ein. Dies­mal trifft es den Po­li­zei­ruf 110 „Für Ja­ni­na“aus Ros­tock. Wirk­lich gut­ge­tan hat’s ihm nicht – Char­ly Hüb­ner und An­ne­ke Kim Sarnau wa­ren schon stär­ker.

ROS­TOCK Am An­fang wird erst mal Schluss ge­macht. End­lich. Denn bei ei­nem For­mat wie dem Ros­to­cker Po­li­zei­ruf, das ein-, höchs­tens zwei­mal pro Jahr über den Bild­schirm flim­mert, ist die so­ge­nann­te ho­ri­zon­ta­le Er­zähl­wei­se we­nig sinn­voll. Wer er­in­nert sich noch dar­an, dass Ka­trin König (An­ne­ke Kim Sarnau) ein paar Fol­gen zu­vor ei­nen Mann, der sie hat­te ver­ge­wal­ti­gen wol­len, schwer ver­letz­te, nach­dem er schon über­wäl­tigt war? Und dass der Kol­le­ge Alex­an­der „Sa­scha“Bu­kow (Char­ly Hüb­ner) sie da­mals mit ei­ner Fal­sch­aus­sa­ge zu schüt­zen ver­such­te?

Gleich zu Be­ginn der neu­en Fol­ge wer­den die bei­den we­gen schwe­rer Kör­per­ver­let­zung und Straf­ver­ei­te­lung im Amt zu saf­ti­gen Geld­stra­fen ver­ur­teilt. Was König mit Er­leich­te­rung auf­nimmt und Bu­kow sau­er auf­stößt. Und dem Ver­hält­nis der bei­den zu­ein­an­der nicht ge­ra­de för­der­lich ist.

Aber Haupt­sa­che, das Feld ist frei für ei­nen neu­en Fall. Und der ist dann ein al­ter, reicht zu­rück bis in DDR-Zei­ten: Kurz vor der Wen­de wur­de die jun­ge Ja­ni­na Stö­cker in Ros­tock ver­ge­wal­tigt und er­mor­det. Nach dem Mau­er­fall er­mit­tel­te der heu­ti­ge Kom­mis­sa­ri­ats­chef Hen­ning Rö­der (Uwe Preuss) in dem Fall, ein ge­wis­ser Gui­do Wachs wur­de an­ge­klagt, muss­te aber frei­ge­spro­chen wer­den. Selbst bei ver­än­der­ter Be­weis­la­ge wä­re ei­ne neu­er­li­che An­kla­ge heu­te nicht mög­lich.

Nun aber ist Ja­ni­nas Va­ter ge­stor­ben, und ih­re ver­zwei­fel­te Mut­ter (Hil­de­gard Schmahl), die zu DDR-Zei­ten der Volks­po­li­zei an­ge­hör­te, drängt auf ei­ne Wie­der­auf­nah­me. Schließ­lich ist sie mit Rö­der per Du. Und Ka­trin König mag kei­ne un­auf­ge­klär­ten Fäl­le. Die­ser fasst sie ganz be­son­ders an, al­so über­nimmt sie.

Lan­ges Vor­ge­plän­kel

Und ih­re Darstel­le­rin An­ne Kim Sarnau lie­fert die Be­grün­dung da­für: „Kö­nigs Mo­tor ist ihr gro­ßer Ge­rech­tig­keits­sinn, und der treibt sie auch hier an. Für sie darf kein Fall ein­fach so ver­si­ckern.“Wo­mit der Kri­mi auch gleich in der ARD-The­men­wo­che „Ge­rech­tig­keit“ein­sor­tiert wä­re.

Dem Film tut die­ses lan­ge Vor­ge­plän­kel nicht wirk­lich gut. Ir­gend­wann ge­lingt es den Kom­mis­sa­ren, ei­nen neu­en DNA-Ab­gleich durch­zu­füh­ren, und es ver­ge­hen na­he­zu 40 Mi­nu­ten, bis der Kri­mi sei­ne ei­gent­li­che Aus­gangs­po­si­ti­on er­reicht.

Und ver­fällt dann auf Fin­ten wie die­se: Bu­kow er­in­nert sich an ei­ne al­te Ju­gend­lie­be, be­sucht sie in ih­rem mo­bi­len Na­gel­stu­dio und bringt dies beim Sex mit der Ex mäch­tig ins Schwan­ken. Na­tür­lich war die Ju­gend­lie­be vor 30 Jah­ren mit der ge­tö­te­ten Ja­ni­na be­freun­det. – und na­tür­lich kann sie heu­te noch sach­dien­li­che Hin­wei­se ge­ben und die Er­mitt­lung vor­an­brin­gen. Solch ein an den Haa­ren her­bei­ge­zo­ge­nes Zeugs sind wir von Re­gis­seur und Dreh­buch­au­tor Eo­in Moo­re, dem geis­ti­gen Va­ter des Ros­to­cker Po­li­zei­rufs, ei­gent­lich nicht ge­wohnt.

Oh­ne zu viel zu ver­ra­ten: Trotz al­ler per­sön­li­cher Dif­fe­ren­zen ver­su­chen König und Bu­kow al­les, um den al­ten Fall zu lö­sen und Ja­ni­nas Mör­der nach 30 Jah­ren hin­ter Git­ter zu brin­gen. Dass sie es da­bei mit den Buch­sta­ben des Ge­set­zes nicht all­zu ge­nau neh­men, ge­hört schon fast zur DNA des Ros­to­cker Po­li­zei­rufs. Dies­mal geht es al­ler­dings be­son­ders weit.

Das Man­ko liegt aber ganz wo­an­ders: „Für Ja­ni­na“will be­rüh­ren, schafft es aber nur in den we­nigs­ten Mo­men­ten. Statt­des­sen über­zeich­net der Ros­to­cker Po­li­zei­ruf, wo er sonst prä­zi­se den Punkt trifft. Vie­les wirkt son­der­bar be­müht, aber nicht au­then­tisch. Ob es da­mit zu tun hat, dass sich er Kri­mi in die The­men­wo­che ein­rei­hen muss­te? Bis­lang ist dies nur in den sel­tens­ten Fäl­len ei­nem The­men­wo­chen-Tat­ort oder –Po­li­zei­ruf ge­lun­gen.

Wohl­ge­merkt: Schwach ist auch die­ser Po­li­zei­ruf nicht, da­für hat das Ros­to­cker Team zu viel Sub­stanz und Pro­fil. Aber fest steht auch: Wir ha­ben schon bes­se­re Fäl­le von der Ost­see ge­se­hen.

Po­li­zei­ruf 110: Für Ja­ni­na: Das Ers­te, Sonn­tag, 20.15 Uhr.

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Fo­to: dpa/Chris­ti­ne Schro­eder/NDR

„Po­li­zei­ruf 110: Für Ja­ni­na": Pe­ter Tr­ab­ner (links), An­ne­ke Kim Sarnau und Char­ly Hüb­ner in ei­ner Sze­ne des Ros­to­cker Po­li­zei­rufs.

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