Kei­ne Angst vor un­ver­schäm­ten Prei­sen

Bersenbrucker Kreisblatt - - NORDWEST - Von Mi­scha Ehr­hardt ak­tu­el­les@noz.de dpa

KÖLN/ES­SEN Das Bun­des­kar­tell­amt hat grü­nes Licht für den Zu­sam­men­schluss der bei­den letz­ten gro­ßen deut­schen Wa­ren­haus­ket­ten Kar­stadt und Kauf­hof ge­ge­ben. Die Über­nah­me setzt den Schluss­punkt in der Kon­so­li­die­rung der deut­schen Wa­ren­haus­land­schaft. Wo einst Kar­stadt, Kauf­hof, Her­tie, Hor­ten und Co um die Kun­den­gunst kämpf­ten, bleibt nur noch ein Platz­hirsch üb­rig.

War­um ist das nö­tig?

Die Wa­ren­häu­ser lei­den seit Jah­ren un­ter dem Sie­ges­zug von Bil­li­gan­bie­tern wie Pri­mark, Fast-Fa­shion-Ket­ten wie H&M und On­li­ne-Händ­lern wie Ama­zon oder Za­lan­do. Au­ßer­dem macht ih­nen die Kon­kur­renz der gro­ßen Ein­kaufs­zen­tren zu schaf­fen. Be­son­ders kri­tisch ist die Si­tua­ti­on zur­zeit bei Kauf­hof. Die Köl­ner kämp­fen auch nach der Über­nah­me durch die ka­na­di­sche

Was lan­ge währt, wird end­lich gut. Seit ei­nem Jahr­zehnt schon dis­ku­tie­ren die eins­ti­gen Ri­va­len Kauf­hof und Kar­stadt ei­ne mög­li­che Fu­si­on zu ei­ner deut­schen Wa­ren­haus AG. Nun ha­ben die Kar­tell­wäch­ter dem Pro­jekt ih­ren Se­gen ge­ge­ben. Für die seit Lan­gem mit wirt­schaft­li­chen Pro­ble­men kämp­fen­den Wa­ren­haus­be­trei­ber ist die Fu­si­on ganz si­cher von Vor­teil: Sie kön­nen nun den Ein­kauf und die all­ge­mei­nen Be­triebs­ab­läu­fe im Hin­ter­grund ko­or­di­nie­ren – und da­mit Kos­ten spa­ren. Und wenn man den bis­he­ri­gen An­kün­di­gun­gen Glau­ben

Hud­son’s Bay Com­pa­ny (HBC) En­de 2015 mit Um­satz­rück­gän­gen und ro­ten Zah­len.

Und was soll der Zu­sam­men­schluss an den Pro­ble­men än­dern?

Durch den Zu­sam­men­schluss der bei­den Wa­ren­haus­ket­ten ent­steht ein neu­er Ein­zel­han­dels­rie­se mit eu­ro­pa­weit 243 Stand­or­ten und rund 32 000 Mit­ar­bei­tern. Die da­mit ein­her­ge­hen­de Bün­de­lung von Ein­kaufs­macht dürf­te es Kauf­hof schen­ken darf, sol­len auch nach der Fu­si­on die we­nigs­ten Häu­ser ge­schlos­sen wer­den. Das wä­re den Mit­ar­bei­tern zu wün­schen.

Und was be­deu­tet das grü­ne Licht der Wett­be­werbs­hü­ter für die Ver­brau­cher? Für die muss der Zu­sam­men­schluss nicht un­be­dingt von Nach­teil sein. Si­cher ha­ben sich Kar­stadt und Kauf­hof Kon­kur­renz ge­macht,

und Kar­stadt er­mög­li­chen, bes­se­re Kon­di­tio­nen von den Lie­fe­ran­ten zu be­kom­men. Au­ßer­dem könn­ten nach Ein­schät­zung von Bran­chen­ken­nern in der Ver­wal­tung, Da­ten­ver­ar­bei­tung und Lo­gis­tik be­trächt­li­che Sum­men ge­spart wer­den.

Was be­deu­tet das für die Mit­ar­bei­ter?

Fest steht wohl, es wird nach dem Zu­sam­men­schluss zu ei­nem Ab­bau von Ar­beits­plät­zen kom­men. Schließ­lich braucht das neue wenn sie um die Gunst der Kun­den buh­len muss­ten. Al­ler­dings ist noch grö­ße­re Kon­kur­renz all­ge­gen­wär­tig – und die steckt in der Ho­sen­ta­sche der Kauf­haus­be­su­cher: ihr Smart­pho­ne und da­mit das In­ter­net. Per Bar­code-Scan­ner kön­nen sie Pro­duk­te auch in ei­ner Kauf­haus-Fi­lia­le mit den Prei­sen im Netz ver­glei­chen. Des­we­gen sind die Mög­lich­kei­ten ei­ner fu­sio­nier­ten Wa­ren­haus­grup­pe, die Prei­se für Ver­brau­cher will­kür­lich nach oben zu set­zen, ge­ring. Un­ter­neh­men kei­ne zwei Kon­zern­zen­tra­len mehr. Auch bei IT und Lo­gis­tik dürf­te es er­heb­li­che Ein­spar­po­ten­zia­le ge­ben. Of­fen ist, wie vie­le Stel­len weg­fal­len wer­den. Spe­ku­la­tio­nen, nach de­nen bis zu 5000 Jobs be­droht sei­en, be­zeich­ne­te der künf­ti­ge Mehr­heits­ei­gen­tü­mer Re­né Ben­ko als „un­ver­ant­wort­lich“.

Was ist mit den In­nen­städ­ten?

In vie­len Städ­ten herrscht Un­ru­he. Be­fürch­tet

Was be­deu­tet die Fu­si­on für die Ver­brau­cher?

Das muss sich noch her­aus­stel­len. Die bei­den Mar­ken Kar­stadt und Kauf­hof sol­len nach dem Wil­len von Ben­ko er­hal­ten blei­ben. Das Pro­blem da­bei: In vie­len Be­rei­chen ist das An­ge­bot der bei­den Ket­ten nach ei­ner Ana­ly­se des Bran­chen­fach­blatts „Tex­til­wirt­schaft“weit­ge­hend aus­tausch­bar. Nach der Fu­si­on wä­re es na­he­lie­gend, hier für grö­ße­re Un­ter­schie­de zu sor­gen.

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