Ver­nich­ten­des Ur­teil für Eu­ro­bahn

Was die zwei­te Ab­mah­nung in­ner­halb ei­nes Jah­res für die Eu­ro­bahn be­deu­tet

Bersenbrucker Kreisblatt - - VORDERSEITE - Sst/Sei­te 9

OS­NA­BRÜCK/UNNA „Mas­si­ve und an­hal­ten­de Nicht- und Schlecht­leis­tun­gen“in al­len vier Net­zen – viel ver­nich­ten­der konn­te das Ur­teil über das An­ge­bot der Eu­ro­bahn nicht aus­fal­len. Ge­fällt hat es der Ver­band Nah­ver­kehr West­fa­len-Lip­pe, und da­mit der Auf­trag­ge­ber des Bahn­un­ter­neh­mens.

Ei­ni­ge Ver­bands­ver­tre­ter gin­gen mit dem Eu­ro­bahnMut­ter­kon­zern Keo­lis so­gar noch här­ter ins Ge­richt: Man ha­be dem Ver­kehrs­mit­tel Bahn auf Jah­re ge­scha­det. Au­ßer­dem zog man­cher in Zwei­fel, dass es in ab­seh­ba­rer Zeit bes­ser wer­de.

Den kla­ren Wor­ten folg­te ei­ne Ab­mah­nung, die zwei­te in­ner­halb ei­nes Jah­res, dies­mal je­doch für al­le vier Eu­ro­bahn­net­ze und nicht nur auf das Teu­to­bur­ger-Wald-Netz be­schränkt. Es dro­hen aber noch weit grö­ße­re Fol­gen für den Kon­zern.

Aus­fäl­le, Ver­spä­tun­gen, zu kur­ze Zü­ge: We­gen an­hal­tend schlech­ter Leis­tun­gen in al­len Net­zen wächst der Druck auf die Eu­ro­bahn. Am Don­ners­tag ha­gel­te es für das Un­ter­neh­men die nächs­te Ab­mah­nung durch den Auf­trag­ge­ber Nah­ver­kehr West­fa­len-Lip­pe (NWL).

OS­NA­BRÜCK/UNNA Es ist die zwei­te Ab­mah­nung für die Eu­ro­bahn und ih­ren Mut­ter­kon­zern Keo­lis Deutsch­land bin­nen zehn Mo­na­ten. Erst im Fe­bru­ar war sie vom NWL förm­lich an­ge­zählt wor­den. Da­mals stan­den je­doch die Pro­ble­me im Teu­to­bur­gerWald-Netz im Mit­tel­punkt, das die Eu­ro­bahn vor ei­nem Jahr über­nom­men hat­te. Dies­mal geht es um den Ei­sen­bahn­be­trieb ins­ge­samt.

Die Ver­bands­ver­samm­lung in Unna warf Keo­lis Deutsch­land am Don­ners­tag vor, sei­nen Auf­ga­ben struk­tu­rell nicht ge­wach­sen zu sein. „Or­ga­ni­sa­ti­ons­ver­sa­gen“sei die Ur­sa­che für „mas­si­ve und an­hal­ten­de Nicht­und Schlecht­leis­tun­gen“in al­len vier Net­zen. Da­zu ge­hö­ren ne­ben dem für die Re­gi­on Os­na­brück wich­ti­gen Teu­to­bur­ger-Wald-Netz auch das OWL-Die­sel­netz Nord, das Hell­weg-Netz und das MaasRhein-Lip­pe-Netz.

Der NWL for­der­te Keo­lis auf, un­ver­züg­lich ein so­ge­nann­tes Au­dit in­ner­halb ih­res Un­ter­neh­mens durch­zu­füh­ren. Ein ex­ter­ner Prü­fer soll da­bei sämt­li­che Män­gel fest­stel­len, die zu dem Cha­os bei der Eu­ro­bahn ge­führt ha­ben. An­schlie­ßend muss Keo­lis die Män­gel­lis­te zwin­gend ab­ar­bei­ten – an­dern­falls droht die Kün­di­gung.

„Die Si­tua­ti­on ist nicht trag­bar“, stell­te NWL-Ge­schäfts­füh­rer Joa­chim Kün­zel fest. Zwar sei die Eu­ro­bahn nicht für al­le Pro­ble­me in ih­ren Net­zen ver­ant­wort­lich, aber doch für vie­le. „Aus un­se­rer Sicht ist Keo­lis nicht rich­tig auf­ge­stellt.“Ein­zel­ne Ver­bands­ver­tre­ter gin­gen so­gar noch wei­ter. Sie war­fen dem Un­ter­neh­men nicht nur „Miss­wirt­schaft“vor, son­dern zwei­fel­ten auch of­fen an ei­ner bal­di­gen Ver­bes­se­rung der La­ge. Dem Image des Ver­kehrs­mit­tels Bahn sei „auf Jah­re ge­scha­det“.

Keo­lis-Che­fin Ma­ga­li Eu­ver­te be­zeich­ne­te die er­neu­te Ab­mah­nung als „har­ten Schlag“. Das Un­ter­neh­men set­ze seit Mo­na­ten al­les dar­an, sei­ne Nö­te in den Griff zu be­kom­men. Doch die Maß­nah­men zeig­ten nur lang­sam Wir­kung. „Ich kann den Frust, die Wut und Ent­täu­schung der Fahr­gäs­te nach­voll­zie­hen“, sag­te die Fran­zö­sin, die be­reits zum drit­ten Mal in die­sem Jahr vom NWL ein­be­stellt wur­de.

Ein gro­ßes Pro­blem bei der Eu­ro­bahn sei­en ne­ben ei­nem Man­gel an Lok­füh­rern feh­len­de Zü­ge. Vie­le Fahr­zeu­ge be­fän­den sich in der Werk­statt, er­klär­te Eu­ver­te. Schuld sei­en Van­da­lis­mus, Un­fäl­le und Schä­den an den Rä­dern. Keo­lis ha­be aber nicht ge­nü­gend Er­satz­tei­le auf La­ger, um die ge­sam­te Flot­te so­fort wie­der si­cher zu ma­chen, „und Lie­fer­zei­ten be­tra­gen teil­wei­se bis zu ei­nem Jahr“. Des­we­gen wer­de das drin­gend be­nö­tig­te Ma­te­ri­al in­zwi­schen auch bei Mit­be­wer­bern be­schafft. So­gar kom­plet­te Zü­ge ha­be sich die Eu­ro­bahn von Kon­kur­ren­ten ge­lie­hen. So wer­de zum Bei­spiel auf der Li­nie RB 66 Os­na­brück–Münster ab nächs­ter Wo­che ein von der West­fa­len­bahn ge­stell­ter Er­satz­zug ein­ge­setzt.

„Wir ste­hen vor ei­ner au­ßer­ge­wöhn­li­chen Si­tua­ti­on, die wir und an­de­re Ei­sen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men so noch nicht er­lebt ha­ben“, sag­te Eu­ver­te. „Un­ser Ziel ist es, so schnell wie mög­lich aus der Kri­se zu kom­men.“Da­bei kön­ne das vom Auf­trag­ge­ber ge­for­der­te Au­dit hel­fen.

Kun­den der Eu­ro­bahn ma­chen ih­rer Wut der­weil in On­line-Pe­ti­tio­nen Luft. Auf ver­schie­de­nen Platt­for­men for­dern sie Un­ter­neh­men und Auf­trag­ge­ber da­zu auf, end­lich für ei­nen zu­ver­läs­si­gen und funk­tio­nie­ren­den Be­trieb zu sor­gen. „Genau da­für be­zah­len wir al­le ein Ti­cket!“, er­klärt der 16-jäh­ri­ge Jos­hua Tolks­dorf aus Wer­ne, ei­ner der Initia­to­ren. Mehr als 1300 Un­ter­stüt­zer ha­ben sich sei­ner Pe­ti­ti­on an­ge­schlos­sen. Ei­ne zwei­te An­ti-Eu­ro­bahn-Pe­ti­ti­on, ge­star­tet von ei­nem Mann aus dem Kreis Wa­ren­dorf, zählt bis­lang knapp 700 Un­ter­stüt­zer.

Fo­to: Micha­el Grün­del

Zu we­ni­ge Lok­füh­rer, zu we­ni­ge Zü­ge: Die Eu­ro­bahn (hier bei der Ein­fahrt in den Haupt­bahn­hof Os­na­brück) steht mas­siv in der Kri­tik.

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