Rück­schlag für EU-Grenz­schutz

Fron­tex-Aus­bau dau­ert deut­lich län­ger / Staa­ten zer­pflü­cken Vor­schlä­ge für Asyl­recht

Bersenbrucker Kreisblatt - - POLITIK - Von Det­lef Dre­wes

10 000 eu­ro­päi­sche Grenz­schüt­zer soll­ten die Mit­glied­staa­ten ab 2020 un­ter­stüt­zen, um il­le­ga­le Mi­gra­ti­on ein­zu­däm­men. Doch die In­nen­mi­nis­ter der EU nah­men das Vor­ha­ben der Brüs­se­ler Kom­mis­si­on gna­den­los aus­ein­an­der. Jetzt ist von 2025 die Re­de. Es ist nicht der ein­zi­ge Rück­schlag.

BRÜS­SEL Mo­na­te­lang hat­te die EU-Kom­mis­si­on un­ter dem Druck der Mit­glied­staa­ten an ei­ner deut­lich ver­stärk­ten ge­mein­sa­men Gren­zund Küs­ten­schutz-Ein­heit ge­ar­bei­tet. Doch ges­tern zer­platz­te die­ser Traum – zu­min­dest vor­erst.

Zwar war selbst Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer (CSU) nach Brüs­sel ge­reist, um klar­zu­ma­chen: „Die stän­di­ge Re­ser­ve der Fron­texBe­am­ten muss so schnell wie ir­gend mög­lich auf­ge­stockt wer­den.“Doch von ei­nem wirk­lich zü­gi­gen Aus­bau der Grenz­schutz­agen­tur Fron­tex kann nun kei­ne Re­de mehr sein: „Wir soll­ten uns be­ei­len, aber bei un­se­ren Zeit­zie­len rea­lis­tisch blei­ben. 2025 wä­re für mich ein mach­ba­rer Zeit­plan“, sag­te See­ho­fer nach den Be­ra­tun­gen mit sei­nen Amts­kol­le­gen.

Die Kom­mis­si­on woll­te die der­zeit 1500 Grenz­schüt­zer schon bis 2020 auf 10 000 Mann auf­sto­cken. Rund 1200 da­von soll­ten aus Deutsch­land kom­men. Doch die Mit­glied­staa­ten brems­ten. Ös­ter­reich, das der­zeit die EU-Rats­prä­si­dent­schaft in­ne­hat, prä­sen­tier­te so­gar ei­nen Vor­schlag, der ei­nen Ein­satz der Trup­pe erst 2027 vor­sah. soll­te Fron­tex (hier ei­ne Ein­heit 2016 an der bul­ga­risch-tür­ki­schen Gren­ze) bis zum Jahr 2020 wer­den. Nun wird es min­des­tens fünf Jah­re län­ger dau­ern, bis die Soll­stär­ke er­reicht ist.

Schon vor­ab war ei­ne der zen­tra­len Re­ge­lun­gen, die die EU-Kom­mis­si­on ein­füh­ren woll­te, ge­kippt wor­den. Die Be­hör­de hat­te ge­plant, dass Fron­tex zur Un­ter­stüt­zung der na­tio­na­len Grenz­schüt­zer auch ge­gen den Wil­len ei­nes Mit­glied­staa­tes ein­ge­setzt wer­den kann, wenn der nicht in der La­ge ist, sei­ne Über­gän­ge zu kon­trol­lie­ren. Vor al­lem Grie­chen­land und Ita­li­en sa­hen dar­in ei­nen Ver­stoß ge­gen ih­re Sou­ve­rä­ni­tät. Kri­ti­ker un­ter­stel­len bei­den Re­gie­run­gen al­ler­dings, sie woll­ten ver­hin­dern, dass ih­nen eu­ro­päi­sche

Fach­be­am­te auf die Fin­ger se­hen, wenn die dor­ti­gen Be­hör­den Mi­gran­ten ein­fach in an­de­re Mit­glied­staa­ten wei­ter­schi­cken.

Der Fron­tex-Aus­bau ist aber nicht der ein­zi­ge Punkt, der ges­tern schei­ter­te. So steht auch fest, dass die EU bei der Ab­stim­mung über den UN-Mi­gra­ti­ons­pakt am Mon­tag in Mar­ra­kesch nicht mit ei­ner Stim­me spre­chen wird: Sechs Re­gie­run­gen wol­len das Pa­pier ab­leh­nen.

Auch der in die­ser Le­gis­la­tur­pe­ri­ode letz­te An­lauf für ei­ne Har­mo­ni­sie­rung der

Asyl­rechts-Re­geln schei­ter­te of­fen­bar. Es ging um ein Pa­ket mit sie­ben Vor­schlä­gen der EU-Kom­mis­si­on. Da­zu ge­hö­ren ei­ne neue EU-Da­ten­bank für Fin­ger­ab­drü­cke von Asyl­be­wer­bern, Ver­ord­nun­gen über glei­che Auf­nah­me­kri­te­ri­en und Stan­dards für die Un­ter­brin­gung von Flücht­lin­gen so­wie Ver­ord­nun­gen über die Re­form des Du­blin-Sys­tems so­wie die Stär­kung der Fron­tex-Agen­tur.

Vor­aus­set­zung da­für wä­re aber ge­we­sen, dass sich die 28 Mit­glied­staa­ten auf ei­ne fai­re Auf­nah­me der Hil­fe­su­chen­den

ge­ei­nigt hät­ten. Dies wird seit Mo­na­ten von meh­re­ren Re­gie­run­gen vor al­lem im Os­ten der Ge­mein­schaft ver­hin­dert. Ein Durch­bruch blieb aus – zum Leid­we­sen von Mi­gra­ti­ons­kom­mis­sar Di­mi­tris Av­ra­mo­pou­los. „Je­des Land ent­schei­det wei­ter­hin al­lei­ne dar­über, ob ein Asyl­an­trag ge­neh­migt wird oder il­le­ga­le Mi­gran­ten zu­rück­ge­schickt wer­den“, be­müh­te er sich, die Be­den­ken der Kri­ti­ker zu ent­schär­fen. Es ge­lang nicht.

EU und Asyl:

Be­rich­te auf noz.de/flu­echt­lin­ge

Fo­to: dpa/epd/Vas­sil Do­nev

Ei­ne star­ke Trup­pe

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