Der Un­voll­ende­te

Ka­pi­tän Uwe Gens­hei­mer ist in Top­form – und heiß auf sei­nen ers­ten gro­ßen Ti­tel

Bersenbrucker Kreisblatt - - SPORT - Von Hol­ger Pe­ter­sen

BER­LIN Die Tri­kot­num­mer und den Spie­ler­na­men kennt der Hal­len­spre­cher der Ber­li­ner Mer­ce­des-Benz-Are­na in­und aus­wen­dig. „Mit der Num­mer drei: Uuuuuuwe ...“, brüllt er ins Mi­kro­fon, und die Fans ant­wor­ten mit „Gens­hei­mer!“Ein Ri­tu­al mit ho­hem Re­peat-Fak­tor. Bes­ter deut­scher Tor­schüt­ze in den Test­spie­len ge­gen Ar­gen­ti­ni­en (8) und Tsche­chi­en (10), bes­ter deut­scher Tor­schüt­ze in den ers­ten WM-Spie­len ge­gen Ko­rea (7) und Bra­si­li­en (10) – bei Uwe Gens­hei­mer läuft es rund.

Die WM ist kei­ne vier Ta­ge alt, da ist schon klar: Der 32jäh­ri­ge Links­au­ßen und Ka­pi­tän ist wie er­war­tet ein ent­schei­den­der Baustein der deut­schen Me­dail­len­mis­si­on. Der sport­li­che Wert des Pro­fis des fran­zö­si­schen Spit­zen­clubs Pa­ris St. Ger­main ist oh­ne­hin un­be­strit­ten, aber auch als Füh­rungs­fi­gur ist Gens­hei­mer nicht aus der Mann­schaft von Bun­des­trai­ner Christian Prokop weg­zu­den­ken. Er geht vor­an, über­nimmt Ver­ant­wor­tung, nimmt sei­ne Rol­le als ei­nes der „Ge­sich­ter des deut­schen Hand­balls“ernst.

„Die WM ist et­was Ein­ma­li­ges für uns Spie­ler, ei­ne Rie­sen­chan­ce“, sag­te der „Uns Uwe des Hand­balls“vor dem Tur­nier der „Hand­ball­wo­che“. Schon da­mals war zu spü­ren: Kaum ein an­de­rer deut­scher Spie­ler brennt so auf die­ses Event wie er. Vor ei­ge­nem Pu­bli­kum will es der Tor­schüt­zen­kö­nig der Cham­pi­ons Le­ague al­len be­wei­sen, er ist heiß auf den gro­ßen Wurf. Seit Jah­ren gilt Gens­hei­mer als bes­ter Links­au­ßen der Welt, hol­te als Tor­jä­ger vom Di­enst Meis­ter­schaf­ten und Po­ka­le – auf ei­nen gro­ßen in­ter­na­tio­na­len Ti­tel im Tri­kot mit dem Ad­ler auf der Brust war­tet der Mann mit dem gol­de­nen Hand­ge­lenk aber noch im­mer. Der Un­voll­ende­te.

Das EM-Fi­na­le 2016, den gro­ßen Tri­umph, muss­te Gens­hei­mer ver­letzt von der Tri­bü­ne aus ver­fol­gen. Zur WM 2017 reis­te er we­gen des plötz­li­chen To­des sei­nes Va­ters erst ver­spä­tet an. Das Aus im Ach­tel­fi­na­le ge­gen Ka­tar war dann ei­ne sport­li­che Ent­täu­schung, die er eben­so we­nig ver­hin­dern konn­te wie das Haupt­run­den-Aus bei der EM vor Jah­res­frist in Kroa­ti­en, als er völ­lig ne­ben sich stand und weit un­ter Nor­mal­form agier­te.

„Die Na­tio­nal­mann­schaft hat ei­nen sehr gro­ßen Stel­len­wert in mei­nem Le­ben“, sagt der 162-fa­che Na­tio­nal­spie­ler: „Das Team für sein Land auf das Feld füh­ren zu dür­fen, ist et­was ganz Gro­ßes.“Nun hofft er, dass „wir ganz Deutsch­land wie­der elek­tri­sie­ren kön­nen“.

Am Ran­de der WM wird viel über die Ge­gen­wart ge­spro­chen, aber auch über die Zu­kunft spe­ku­liert. Sein Ver­trag in Pa­ris läuft im Som­mer aus, die Rück­kehr in die Mann­hei­mer Re­gi­on und zu den Rhein-Neckar Lö­wen ist ein of­fe­nes Ge­heim­nis. Der Club sucht der­zeit dem Ver­neh­men nach noch ei­nen Spon­sor, der den De­al fi­nal rea­li­siert. Gens­hei­mer soll auch schon ei­nen Haus­bau in der Ge­gend pla­nen. Doch nun erst mal wer­kelt er an sei­nem ei­ge­nen (Hand­ball-) Denk­mal. Ka­pi­tän des Welt­meis­ters 2019 – ein Ein­trag in die Ge­schichts­bü­cher wä­re ihm ga­ran­tiert.

Fo­to: Wit­ters

Leit­wolf und Leis­tungs­trä­ger der deut­schen Na­tio­nal­mann­schaft: Ka­pi­tän Uwe Gens­hei­mer.

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