Ge­denk­ta­ge: Von ernst bis lus­tig

Oft gibt es ei­nen erns­ten Hin­ter­grund – doch manch­mal ist es lus­tig und ku­ri­os

Bersenbrucker Kreisblatt - - VORDERSEIT­E - Von Me­la­nie Hei­ke Schmidt nur am „Tag der Jog­ging­ho­se“. Das geht nicht Welt ver­schwun­de­ner So­cken.

OS­NA­BRÜCK 365 Ta­ge hat das Jahr, viel Platz al­so, um reich­lich Ge­denk- und Ak­ti­ons­ta­ge un­ter­zu­brin­gen. Vie­le die­ser Ta­ge ha­ben ei­nen erns­ten Hin­ter­grund. Doch es gibt auch un­zäh­li­ge lus­ti­ge und ku­rio­se Ge­denk­ta­ge. mhs/Sei­te 24

OS­NA­BRÜCK Ha­ben Sie ein Hand­tuch da­bei? Falls ja, wis­sen Sie wohl schon Be­scheid, denn im­mer am 25. Mai ist „Hand­tuch-Tag“. Falls Sie aber ge­ra­de kein Hand­tuch in Griff­wei­te ha­ben, soll­ten Sie sich viel­leicht lie­ber rasch ei­nes ho­len. Denn wie der bri­ti­sche Schrift­stel­ler Dou­glas Adams in sei­nem Meis­ter­werk „Per An­hal­ter durch die Ga­la­xis“ge­schrie­ben hat: Ein Hand­tuch ist „so ziem­lich das Nütz­lichs­te“, was man als in­ter­ga­lak­ti­scher Rei­sen­der bei sich ha­ben kann. Sol­che Rei­sen quer durch die Ga­la­xis kön­nen üb­ri­gens sehr plötz­lich an­ste­hen, wie Dou­glas’ ir­di­scher Ro­man­held Ar­thur Dent in dem fu­tu­ris­ti­schen Welt­rau­ma­ben­teu­er am ei­ge­nen Leib er­fah­ren wird. Ein Grund, war­um die Fans des Kult­buchs da­zu ten­die­ren, si­cher­heits­hal­ber im­mer ein Hand­tuch da­bei­zu­ha­ben.

Die­ser au­gen­zwin­kern­de Rat­schlag gilt am 25. Mai al­ler­dings in be­son­de­rem Ma­ße, denn seit 2001 wird die­ser Tag welt­weit als „To­wel Day“ge­fei­ert. Es ist der Eh­ren­tag für den bis heu­te viel­ge­lieb­ten Au­tor Dou­glas Adams, der 2001 mit ge­ra­de mal 49 Jah­ren un­er­war­tet ver­starb. Ein paar Fans rie­fen dar­auf­hin ei­lig den Ge­denk­tag ins Le­ben, das Da­tum wur­de will­kür­lich ge­wählt.

Jog­ging­ho­se in pink

Der „To­wel Day“steht in ei­ner Rei­he mit Hun­der­ten ku­rio­sen Fei­er­ta­gen, von de­nen ei­ni­ge zum Mit­ma­chen ein­la­den, zum Bei­spiel der ver­lo­cken­de „Mach frü­her Fei­er­abend“-Tag am 2. Ju­ni. Auch Ta­ge wie der char­man­te „Tag der Kom­pli­men­te“(24. Ja­nu­ar) oder der läs­si­ge „In­ter­na­tio­na­le Tag der Jog­ging­ho­se“(21. Ja­nu­ar) ha­ben ih­ren spe­zi­el­len Reiz. Wer gibt oder be­kommt nicht gern Kom­pli­men­te? Und wer igno­riert nicht ger­ne mal die War­nung des un­ver­ges­se­nen De­si­gners Karl La­ger­feld, nach der all je­ne, die Jog­ging­ho­sen tra­gen, die Kon­trol­le über ihr Le­ben ver­lo­ren hät­ten? Üb­ri­gens tauch­te 2014 so­gar in ei­ner La­ger­feld-Kol­lek­ti­on ei­ne Jog­ging­ho­se auf – in Pink. Der „Tag des Hand­tuchs“am 25. Mai er­in­nert an den Fan­ta­sy-Au­tor Dou­glas Adams, der in sei­nem Ro­man „Per An­hal­ter durch die Ga­la­xis“er­klärt, war­um man als in­ter­stel­la­rer Rei­sen­der ein Hand­tuch da­bei ha­ben soll­te.

An­de­re skur­ri­le Ge­denk­ta­ge ver­hei­ßen je­doch we­ni­ger Ge­müt­lich­keit – und schon gar kei­nen Spaß, et­wa der eher sper­ri­ge „Tag der Ta­bel­len­kal­ku­la­ti­on“(17. Ok­to­ber) oder der vor al­lem für Kin­der und Ju­gend­li­che ab­schre­cken­de „Räum dein Zim­mer auf “-Tag (10. Mai) oder gar der im wahrs­ten Wort­sinn an­rü­chi­ge „Hast du ge­pupst“-Tag (5. Fe­bru­ar). Auch wer schon ein­mal über ei­ne Tep­pich­fal­te ge­stol­pert ist, wird den zu­ge­hö­ri­gen „Tag der Tep­pich­fal­te“(3. Mai) wohl eher als War­nung denn als ge­nuss­vol­len Fei­er­tag emp­fin­den. Vor­sicht ist auch am „In­ter­na­tio­na­len Tag des Axt­wer­fens“(13. Ju­ni) an­ge­sagt, wäh­rend tags drauf (14. Ju­ni) höchs­tens Ge­fah­ren für die Fi­gur lau­ern, denn dann ist „Tag des Erd­beer­tört­chens“.

Ver­selbst­stän­dig­te Ide­en

Doch wo­her kom­men über­haupt die­se selt­sa­men Ge­denk­ta­ge? Wer er­fin­det sie? Mit Blick auf Home­pages wie ku­rio­se-fei­er­ta­ge.de oder der­tag­des.de, die die skur­ri­len Ta­ge auf­lis­ten und so gut es geht er­klä­ren, er­schließt sich schnell: Vor al­lem Bri­ten Nur noch ver­schie­de­ne üb­rig: Je­des Jahr am 9. Mai ge­denkt die und US-Ame­ri­ka­ner ru­fen sie ins Le­ben, or­ga­ni­sie­ren pas­sen­de Ak­tio­nen, die sich dann übers In­ter­net ver­brei­ten und von di­ver­sen Me­di­en auf­ge­grif­fen wer­den. Je öf­ter ein „Tag x“ir­gend­wo ge­nannt wird, des­to mehr scheint er sich durch­zu­set­zen. Man könn­te al­so sa­gen: Die al­ler­meis­ten ku­rio­sen Ta­ge ba­sie­ren auf ei­ner Idee, die sich ver­selb­stän­digt und fest­ge­setzt hat.

Im Ge­gen­satz da­zu wer­den of­fi­zi­el­le Ge­denk- und Ak­ti­ons­ta­ge, zum Bei­spiel der „In­ter­na­tio­na­le Frau­en­tag“am 8. März oder auch der Mut­ter­tag, meist von Par­la­men­ten, Re­gie­run­gen, Gre­mi­en oder an­de­ren Or­ga­ni­sa­tio­nen be­schlos­sen. Auch Ver­bän­de oder Fir­men ru­fen di­ver­se Ta­ge ins Le­ben. So hofft bei­spiels­wei­se der Fach­ver­band der Live Escape & Ad­ven­ture Ga­mes (LEAG), dass der von ihm in­iti­ier­te „Tag der Live Escape Ga­mes“am 8. April sich nach und nach eta­bliert. In die­sem Fall war zu­erst der Trend da, denn in den ver­gan­ge­nen Jah­ren spros­sen Escape Rooms in Deutsch­land wie Pil­ze aus dem Bo­den, erst dann folg­te der zu­ge­hö­ri­ge Ak­ti­ons­tag, an dem Be­trei­ber von Escape Rooms nun spe­zi­el­le An­ge­bo­te und Ak­tio­nen pla­nen und an­bie­ten.

Ein Tag aus der lan­gen Lis­te schrä­ger Fei­er­ta­ge sticht al­ler­dings her­aus: der „Tag der ver­lo­re­nen So­cke“(9. Mai). Denn wer kennt die­ses Pro­blem nicht: Vor dem Wa­schen war es noch ein Paar, doch beim Auf­hän­gen fehlt aus un­er­find­li­chen Grün­den plötz­lich ei­ne So­cke. In der Hoff­nung, Num­mer zwei wer­de ir­gend­wann wie­der auf­tau­chen, packt man das nun sinn­los ge­wor­de­ne Stück Strick­wa­re in die Schub­la­de, wo be­reits zahl­lo­se Art­ge­nos­sen auf die Rück­kehr ih­res Zwil­lings war­ten. Na­tür­lich ver­geb­lich, denn so rät­sel­haft ihr Ver­schwin­den an­mu­ten mag, ei­nes ist glas­klar: Ver­lo­re­ne So­cken blei­ben in der Re­gel ver­schwun­den. Ein Um­stand, der zwei be­freun­de­te Haus­frau­en aus dem bri­ti­schen Man­ches­ter der­art auf­ge­regt ha­ben soll, dass sie im Jahr 1998 be­schlos­sen, ei­nen in­ter­na­tio­na­len Ge­denk­tag für die Mil­lio­nen ver­schwun­de­nen So­cken in al­ler Welt zu in­iti­ie­ren. Sie ent­schie­den sich für den 9. Mai.

Al­les to­ta­ler Quatsch?

Seit­her, so lässt es sich auf den di­ver­sen In­ter­net­sei­ten zum The­ma Ak­ti­ons- und Ge­denk­ta­ge nach­le­sen, sol­len die bei­den ge­nerv­ten Da­men na­mens Co­sy Sox und Fan­ny Day am von ih­nen er­fun­de­nen „Lost Socks Me­mo­ri­al Day“stets ver­schie­de­ne So­cken tra­gen.

Die Ge­schich­te ist nied­lich, oh­ne Fra­ge. Und doch ist sie wohl frei er­fun­den, denn nir­gend­wo fin­den sich Be­le­ge da­für.

Ist al­so der Lost-Socks-Day to­ta­ler Quatsch? Nicht un­be­dingt. Zu­min­dest bie­tet er ei­nen An­lass, um sich mit Kol­le­gen und Freun­den über ih­re lus­ti­gen Ge­schich­ten rund um das The­ma So­cken aus­zu­tau­schen, er dient al­so der Ge­sel­lig­keit. Zu­dem ist er ein gu­ter Be­leg da­für, wel­che Kraft im In­ter­net schlum­mert: Ei­ner er­fin­det ei­ne Ge­schich­te, stellt sie on­li­ne, und je mehr und je öf­ter sie nach­er­zählt, ge­teilt, wie­der­holt und ko­piert wird, des­to mehr ver­fes­tigt sie sich.

Fo­to: im­a­go images/En­ter­tain­men­tPic­tu­res 2005

Fo­to: dpa/Chris­toph Schmidt

In Jog­ging­ho­se vor dem Fern­se­her ent­span­nen:

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