Mi­nis­ter ei­ni­gen sich auf ge­mein­sa­me Zie­le

Bund und Län­der su­chen nach We­gen zur Ener­gie­wen­de

Bersenbrucker Kreisblatt - - NORDWEST - Von Klaus Wie­sche­mey­er ger zu­sam­men­ar­bei­ten.

HAN­NO­VER Es geht viel um Zu­kunft ges­tern in Han­no­ver: Am Vor­mit­tag trifft sich Nie­der­sach­sens Um­welt­mi­nis­ter Olaf Lies (SPD) mit ju­gend­li­chen De­mons­tran­ten der „Fri­days for Fu­ture“-Be­we­gung, die kurz dar­auf mit ih­rem tau­send­fa­chen Pro­test den frei­täg­li­chen Fei­er­abend-Au­to­ver­kehr rund um das Lies-Mi­nis­te­ri­um lahm­le­gen. Wäh­rend­des­sen sit­zen in dem Haus fünf Ener­gie-Mi­nis­ter aus fünf Bun­des­län­dern und mit fünf ver­schie­de­nen Par­tei­bü­chern – und ha­ben er­staun­lich we­nig Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten.

„Wir ha­ben fest­ge­stellt, dass wir in den Zie­len ei­nig sind“, sagt CDU-Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Alt­mai­er am Mit­tag zum Ab­schluss des drit­ten Ener­gie­mi­nis­ter­tref­fens. „Wir ha­ben uns auf kla­re Mei­len­stei­ne für al­le Pro­jek­te ver­stän­digt“, sagt Gast­ge­ber Lies sicht­lich zuf­rie­den. Zwar ist die Ab­schluss­er­klä­rung but­ter­weich for­mu­liert und nicht an­satz­wei­se ge­eig­net, die De­mons­tran­ten in der In­nen­stadt zu er­wei­chen. Doch dass sich 16 Bun­des­län­der auf ge­mein­sa­me Zie­le fest­le­gen und der Bund da­zu bei­fäl­lig nickt, gilt schon als Er­folg.

Ei­nig ist man sich, dass die Net­ze end­lich aus­ge­baut wer­den müs­sen, um Ener­gie aus Wind und Son­ne von Nord­nach Süd­deutsch­land zu be­kom­men. Ei­nig ist man sich auch, dass Was­ser­stoff ein loh­nens­wer­tes For­schungs­feld ist, Strom nicht mehr teu­rer wer­den darf und dass Ei­ne ge­mein­sa­me Stoß­rich­tung? Die Fach­mi­nis­ter wol­len en­E­ner­gie­wen­de mehr ist als nur Strom. Vor al­lem Nord­rhein-West­fa­lens FDP-Res­sort­chef Andre­as Pink­wart drängt dar­auf, das The­ma Wär­me zu be­rück­sich­ti­gen. Ba­den-Würt­tem­bergs grü­ner Um­welt­mi­nis­ter Franz Un­ter­stel­ler ver­weist dar­auf, dass die Ener­gie­wen­de auch den Ver­kehr und das Woh­nen be­tref­fe. Und Bay­erns Res­sort­lei­ter Hu­bert Ai­wan­ger (Freie Wäh­ler) for­dert mehr fle­xi­ble Gas­kraft­wer­ke, um die Net­ze nach Atom- und Kohl­aus­stieg sta­bil zu hal­ten.

Auch wenn das Ziel das­sel­be ist, ha­ben die fünf Po­li­ti­ker sehr un­ter­schied­li­che In­ter­es­sen und Zie­le: Die Nord­län­der füh­len sich im Wind­kraft­aus­bau von Ber­lin aus­ge­bremst, die Süd­län­der for­dern für ih­re In­dus­tri­en ver­läss­li­chen und be­zahl­ba­ren Strom, im Os­ten sor­gen sich die Res­sort­chefs um die Fol­gen des Koh­le­aus­stiegs. Da­zwi­schen gibt es Streit um den Netz­aus­bau, ins­be­son­de­re im Drei­län­der­eck Thü­rin­gen, Bay­ern und Hes­sen hakt es. Ba­den-Würt­tem­berg will selbst mehr Wind­rä­der und So­lar­parks bau­en und setzt auf ei­ne CO2-Ab­ga­be auf Bun­des­ebe­ne, die im Bund um­strit­ten ist.

Doch Alt­mai­er macht Hoff­nun­gen: Es zeich­ne sich ei­ne Lö­sung ab, sag­te der Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter. Das Ziel, den An­teil der er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en am deut­schen Strom­mix bis 2030 von der­zeit 36 auf 65 Pro­zent zu stei­gern, sei eben­so ehr­gei­zig wie mach­bar, sagt Alt­mai­er. In den kom­men­den Mo­na­ten wer­de man vor­an­kom­men, ver­spricht er. Der Neu­ling in der Run­de, der seit ei­nem hal­ben Jahr am­tie­ren­de Ai­wan­ger, gibt sich po­si­tiv über­rascht: „Wir sind heu­te Mei­len wei­ter, als wir noch vor ei­nem Jahr wa­ren“, schwärmt der Bay­er.

Den rund 7000 „Fri­days for Fu­ture“-De­mons­tran­ten in der In­nen­stadt reicht das al­les nicht, das wis­sen auch die Mi­nis­ter. Auch Grü­nen-Frak­ti­ons­che­fin An­ja Piel spricht von ei­ner Ent­täu­schung. „Das kon­kre­tes­te Er­geb­nis: Die Ener­gie­mi­nis­ter tref­fen sich jetzt re­gel­mä­ßig“, sagt sie. Das sei zu we­nig für die Zu­kunft.

Fo­to: dpa/Chris­to­phe Ga­teau

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